Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1885)
- Date
- 1885-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1550 . alter, den Kampf auf gegen die Bewohner einer ganzen Stadt, um die beleidigte Familienehre zu rächen, und führen ihn zu siegreichem Ende. Der vierte Sohn Jehnda, überragt noch die älteren Brüder an Kraft und Einfluß. In Joseph, dem erstgeborenen Sohne seiner geliebten, so früh verlorenen Rachel, findet der Vater den geeignetsten Vertreter seines Wirkens und Strebens. 12 ->-r nb Nin D’ün (wie Onkclos b wn c'jipt p ’3 übersetzt) „denn er ist ihm ein für die Weisheit empfänglicher Sohn," pipw *pn 'j'P'x an» (Jonathan den Usicl), er findet in ihm sein vollkommenes Ebenbild. Aber diese Vorliebe für Joseph sollte seinem Hanse vcrhängnistvoll werden. Da Jakob seinen Sohn Joseph vor seinen andern Söhnen auszeichnet, erweckt er indem vorgezogenen Sohne Hcrrschcrgedankcn, erregt er den Neid und den Haß der Brüder. 32^ 2py’ 2>P'2 ,V2vX nua px2 2py' 22"' „Jakob wollte in Ruhe und Frieden seinen festen Wohnsitz nehmen in dem Lande, in welchem seine Väter als Fremdlinge gewohnt hatten, pp rpv bv *.an vby, da traf ihn der Kummer um Joseph, und er konnte mit dem Dulder Hiob sprechen: :an N3'i »nru ’napw 'rtbw tb „Ich fand nicht Ruhe, ich fand nicht Rast, ich fand nicht Frieden, da kam der Kummer." Ich fand nicht Ruhe vor Esaw; ich fand nicht Rast vor Laban, ich fand nicht Frieden um Tinas willen, da kam der Kummer um Joseph. Wohl wußte Joseph, daß die Brüder ihn haßten und auf sein Verderben sannen. Die heilige Schrift deutet uns das an. ,-|3^ D22Q D’yn 7HN rp'' ^22" -.ari'1 , „Und es sprach Israel zu Joseph: Weiden nicht deine Brüder in Schechem? Gehe doch, und ich will dich schicken zu ihnen. Und er sprach zu ihm: Siehe, ich bin bereit." Das Wörtchen n> „zu ihm," scheint überflüssig zu sein. Es hätte heißen können: \jn icn’i (wie bei Abraham E. 22. V. l und an vielen andern Stellen). Dieses Wörtchen weist uns darauf hin, daß Joseph der Gefahr, der er entgcgcnging, sich wohl bewußt war, daß er aber b, um feinet-, um des Vaters willen, um ihm zu gehorchen, widerspruchslos, sich der Gefahr zu unterziehen bereit war. Auch Jakob wußte, wie gefahrvoll der Gang werden sollte, den seinen Sohn er schickte; aber er konnte nicht anders, wie cs heißt: Ppn peyo lnrfran. „Und er schickte ihn ans der Tiefe Hebrons." Unsre Weisen fragen: Aus der Tiefe von Hebron? Liegt ja Hebron auf der Höhe! a"p> p2N2 ■"3pn p'"is ima bv npiay nsya i'ui ly-ü ‘'tv -u '2 a-stn p arüs6 "icw» na „Ans der Tiefe von Hebron," bedeutet nichts Anderes als bestimmt durch die Tiefe der Verheißung an den in Hebron begrabenen Frommen, um zil erfüllen, was Gott zu Abraham beim Bunde zwischen den Opferstücken gesprochen: denn Fremdlinge werden sein deine Nachkommen in einem Lande, das ihnen nicht gehört. Durch Gottes Rathschluß war es so bestimmt, daß durch den Verkauf Josephs die Einwanderung der Israeliten nach Aegypten vorbereitet werden sollte. Und das Schreckliche geschah. Die eigenen Brüder verkauften den nnschuldsvollen Jüngling zum Sklaven, und der Siebenzehnjährige wurde nach Mizrajim gebracht, dem Lande des abscheulichsten Götzendienstes, der entsetzlichsten Laster. Nicht als freier, selbstständiger Mann kam Joseph nach Aegypten, sondern als leibeigener Sklave, als willenloser Knecht, der Willkür und der Verführung hilflos preisgegeben. Die Erziehung jedoch, die Jakob seinem Sohne hatte zu Theil werden lassen, war derartig, die Grundsätze, die er ihm beigebracht, bewährten sich so, daß Joseph alle Gefahren 311 überstehen, jede Verführung zu überwinden vermochte. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 12. Nov. Der Minister des Innern v. P u t t k a m m e r, hat das Verbot, nach welchem Herrn Rabbiner Dr. W. Münz in Gleiwitz als Ausländer die fernere Funktionirung in seinem geistlichen Amte untersagt wurde, zurückgenommen. Berlin, 15.November. Hofprediger Stöcker, von Herrn Prof. Strack der Lüge geziehen, zog es bekanntlich vor, auf einen Strafantrag wegen dieser öffentlichen Beleidigung zu verzichten, um Prof. Strack nicht den Gefallen zu erweisen, daß dieser vor Gericht den Beweis der Wahrheit für seine gravirenden Anschuldigungen antrcten könnte. Stöcker begnügte sich damit, in einer Versammlung die Handlungsweise des Prof. Strack als ein „sittlich nicht erlaubtes Verfahren" zu kennzeichnen. Gegen diese Insinuation wendet sich nun Prof. Strack in einer Broschüre, welche Ende November bei H. Reuth er in Karlsruhe erscheine» wird, und in der Strack die Eharaktereigenschaften seines Widersachers beleuchtet. Zwar halten wir eine derartige Schrift für überflüssig, da Herr Stöcker für die Beleuchtung