Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1885)
- Date
- 1885-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Gentrak M 91. % (Sin Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Hcransgegebcn von Dp. Lehmann in Mainz. Montag, den 23. November 5646 (1885). Leitender Artikel. Die Begründer des israekit. Kolkes. XIII. Mainz, 19. November. Im Paradiese, so erzählt das heilige Soharbuch, steht ein großer, mächtiger Banm, dessen zwölf gewaltige Aeste sich über die ganze Welt ansbreitcn; ihn zieren die herrlichsten Blätter, seine duftreichen Blüthen erfüllen die Welt mit Wohlgeruch, er zeitigt die köstlichen Früchte, an denen die ganze Menschheit sich erlaben könnte. Dieser wunderbare Banm ist die Gemeinde Israels, und seine zwölf Aeste sind die zwölf Söhne Jakobs, die rr die von Gott berufenen Stämme. Die vier Frauen Jakobs hatten ihm zwölf Söhne geboren, alle hervorragend durch Schönheit, durch körperliche und geistige Kraft. Sie zu erziehen hatte dem Vater nicht wenig Mühe und Last bereitet. Unter den schwierigsten Verhältnissen dachte Jakob nur daran, seine Kinder zu Dienern des einzigen Gottes heranzubilden. Waren doch selbst die Mütter der Kinder heidnischen Ursprungs und mußten erst von Jakob zu Verehrerinnen des einzigen Gottes herangebildet werden. In welcher Weise Jakob das vollbrachte, davon erzählt uns die heilige Schrift ein schönes Beispiel. Gott hatte zu Jakob gesprochen (1. B. M. C. 31. V. 3): „Kehre zurück in das Land deiner Väter und nach deinem Geburtsorte und Ich werde mit dir sein." Jeder Andere hätte sofort seinen Frauen befohlen, sich zur Reise zu richten. Wohl hätten diese Folge geleistet, aber nur widerwilligen Gemüthes hätten sie die theure Heimath verlassen. Jakob machte es anders. Er ließ seine Frauen zu sich auf das Feld rufen und legte ihnen ausführlich die Gründe dar, die es nothwendig machten, von Laban sich zu entfernen und nach Palästina auszuwandcrn. Nach dieser Auseinandersetzung gaben die Frauen gern ihre Zustimmung und sprachen (daselbst V. 16): „Alles, was Gott zu dir gesagt hat, das thue!" — Jakob hatte dadurch erreicht, daß seine Frauen gern und freudig dem Befehle Gottes gehorchten, was sie sonst vielleicht nur widerwillig gcthan hätten. — Welch eine große Lehre für uns! Nicht nur soll der Familienväter dafür sorgen, daß seine Angehörigen die Gebote Gottes erfüllen, er soll auch dafür Sorge tragen, daß sie gern und freudig denstlben Nachkommen; er soll durch das belehrende Wort die heiligen Pflichten so darzustellcn sich bemühen, daß sie mit frohem Mathe übernommen werden. — Versetzen wir uns im Geiste in die Lage unseres Vaters Jakobs. Er allein, ganz allein, inmitten einer heidnischen Umgebung! Der eigene Schwiegervater, der Großvater seiner Kinder, dessen Söhne, Verwandte und Freunde, dem Götzendienste ergeben! Dazu kömmt noch die traurige Erfahrung, daß es dem Abraham nicht gelungen war, seinen Sohn Jischinaill der Wahrheit zu erhalten, daß Jizchak und Riwkah nicht vermocht hatten, ihren Sohn Esaw, Jakobs Zwillingsbruder, dem Dienste des einzigen Gottes zu erhalten. Unsere Weisen erzählen, daß Jakob stets davor zitterte, es möchten einer oder mehrere seiner Söhne sich dem Oheim Esaw anschließen und der heiligen Sache der Wahrheit entfremdet werden. Deßhalb nmßte er stets mit der nöthigen Strenge die innigste, zärtlichste, Vaterlicbe vereinen. Zwölf Söhne, herrliche, kräftige, muthvolle Jünglinge, voll überschießeuder Kraft, machen ihm diese Aufgabe nicht leicht. Der älteste, Rimben, tritt stürmisch ein für das Recht seiner Mutter; er wagt es, dem Vater eutgegenzutrctcn, was ihm die heilige Schrift als ein schweres Vergehen anrechnet. Die beiden folgenden Brüder, Schimeon und Lewi, nehmen, fast noch im Knaben-