Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1542 Gleichzeitig will ich hiermit bemerken, daß j diese Gesellschaften nur für den ausschließlichen Zweck gegründet worden sind, arbeitslustige Eingewanderte zu beschützen, und ihnen mit Rath an die Hand zu geben, damit sie nicht in die Härchen professioneller Spitzbuben fallen sollen, welche sich nur darauf verlegen, Eingewanderte auszuplündern. Dagegen sollen diejenigen Einwanderer, die arbeisunsähig und mittellos sind, mit demselben Dampfschiffe, mit dem sie hergekommen sind, .znrückgcschickt werden, da hier, wie Sie wohl erfahren haben, ein neues Gesetz („The Pauper Immigration Lawsa) besteht, wonach es arbeitsunfähigen Personen, welche so mittellos sind, das; sie für die erste Zeit ohne fremde Hülfe in Anspruch zu nehmen, keinen Unterhalt haben können, dieses Land nicht betreten dürfen. Dieses Gesetz, für alle Ncligionen und Nationalitäten gleich wird von den Behörden seit letzterer Zeit mit großer Strenge gehaudhabt, und wurden Biele, namentlich russische und polnische Glaubensgenossen, deshalb znrückgcschickt. Unsere Schutzgesellschaftcn billigen dieses, wenn genügender Grund vorliegt. Das geehrte Eomitö bitte ich, die ausgewiesenen Glaubensgenossen ans Deutschland, welche die Absicht haben, nach Amerika zu reisen, darauf aufmerksam zu machen, daß jede erwachsene Person mindestens Fünfzig (50) Dollars (200 Mark) außer der freien Ueberfahrt nach Amerika mitbringen muß. Thun sie dies nicht, so sind die Unkosten für die Ueberfahrt hinansgeworfen, da diese Leute hier nicht landen können, und znrückgcschickt werden. Sie werden in einigen Tagen ofsieiclle Briefe in dieser Angelegenheit von den beiden Schutzgesellschaften erhalten. Von dem Impuls geleitet, mich Ihnen und der Sache selbst nützlich zu erweisen, bezwecke ich mit diesem Schreiben Ihr Augenmerk aus die angeführten Thatsachen zu richten, und Sie zu bitten, die Auswanderer dahin zu belehren, damit ihnen mmütze Geldkosteu und alle die andern Unannehmlichkeiten erspart werden. Hochachtungsvoll (gez.) I. Judelsohn. Herr Judelsohn ist ein uneigennütziger Mann, dem das Wohl unserer bedrückten Glaubensgenossen warm am Herzen liegt und denen Worte beherzigt zu werden verdienen. Icitungsnachrichte» und Correspondenzen. Deutschland. Aus der Rheinprovinz. Mitte» im trüben Ernü unserer Tage, grüßt uns nach mehrjähriger Trennung wieder ein lieber Gast, dessen bloßer Anblick genügt, um den Kleinmuth zu bannen, die Sorge uni unsere heiligsten Anliegen zu verscheuche» und uns mit freudiger Zuversicht in die Zukunft blicken zu lassen. Es ist der Rechenschaftsbericht der Kölner Lehrerbildungs-Anstalt, der durch äußere Umstände an seinem regelmäßigen alljährlichen Erscheinen verhindert, diesmal das Lcrsäumte nachholt, und die Jahre 82, t>ä, 84 umfaßt. Welche gewaltige, tröstliche, herzerhebende Sprache sprechen doch die langen, stummen Eolonnen von Zahlen und Namen, welche die elf Bogen dieses dreijährigen Berichtes füllen! Für die Ausbildung vou armen wackeren Jünglingen zu jüdischen Lehrern, für diese herrliche Vereinigung von rron und nfrm D'-cn haben in gerechter Würdigung des großen Zieles, das hier angestrebt wird, Tausende und aber Tausende ihre Spende geweiht, und die Achtung gebietende Summe, welche die einzelnen Gaben repräsentiren, zeigen doch, wie tief in Tausenden vou jüdischen Geistern und Gemüthern die Liebe und Hochachtung für Thora und thätige Menschenliebe wurzelte. Zweihundert acht und dreißig Tausend achthundert und zwanzig Mark wurden in den drei Jahren für den hohen Zweck gespendet und ihrer Bestimmung gemäß verwandt und diese Summe setzt sich zum größten Theil aus ganz kleinen, wenige Mark betragenden Gaben zusammen. Man sicht daraus, in wie weite Kreise das Interesse für diese Anstalt bereits gedrungen sein muß, und welchen Eifer, welche Ausdauer und rastlose Hingebung die vcrhältnißmäßig kleine Zahl von Führern und Leitern des ganzen Unternehmens entfalten mußten, um solche Resultate zu erzielen. Aber auch in außerjüdischen Kreisen hat die Anstalt die verdiente Beachtung und Anerkennung gesunden, wie der einleitende Bericht des Direktors den wir bereits in voriger Nummer veröffentlicht, hervorhcbt. Ter Gnade Sr. Majestät des Kaisers verdankt der Seminar-Verein die Verleihung der Rechte einer juristischen Person und einer Anordnung der Kgl. Negierung eine wesentliche Verbesserung zur Erweiterung des Seminar-Lehrplans, sowie eine Vermehrung des Lehrpersonals.