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Der Israelit · 1885-11-19 · Heft 90 (19.11.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 90 (19.11.1885)
Date
1885-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1537 sicdclung daselbst überlassen haben. Als dann El- Karnajiu (der Doppeltgehörilte) d. h. Alexander der Große (Siehe Daniel VIII,'2 l) auf seinem Zuge nach Indien die Stadt Balch besuchte, sollen ihn die Juden hier aufs Festlichste empfangen und ihm auch die für sein Heer zur Ucbersetzung des Amu-Darja nöthigen Schiffe — der macedönischc Eroberer unterwarf sich dann auch die jenseits des Stromes hausenden Nomadenstämme — zur Verfügung gestellt haben. Nach den mündlichen Ueberlieferungen der hiesigen Inden wieder sollen ihre Vorfahren einige Male während des zweiten Tempels, Gesandtschaften nach Jerusalem geschickt haben, damit, dieselben dort für ihre daheimgebliebenen Brüder, denen es nie gestattet war rfoy, die Fcstwallfahrt mitmachen zu können, beten und Opfer darbringen sollten. Und in der That heißt noch heute hier eine Straße Mechalet El-Kuds (Straße nach Jerusalem), welche eine Erinnerung an die früher nach Jerusalem gezogenen Gesandtschaften sein soll. Als daun nach dem Tode des Stifters des Islam ein arabisches Heer über Herat und Kabul gegen Indien vordrang, legte der Anführer desselben, der Emir Walid, den Juden in den genannten zwei Städten, ebenso auch denen in Balkh eine Kopfsteuer (Eharag El-Jehud) auf, die sogar noch heute entrichtet werden muß. Damals sotten in Balkh an zwölftausend Juden gewohnt haben, die achtzehn Synagogen (nten ’nu) besaßen. Mit dein Beginne der persischen Herrschaft über Afghanistan begann daun eine traurige Zeit für die Juden in diesem Lande, da die persischen Statthalter sie hart bedrückten und sogar auch verfolgten. Der größte Theil der hier lebenden Juden verlieb dann Balkh, um jenseits des Amu- Darja den Frieden und die Ruhe zu finden, die sie in ihrer allen Heimath nicht finden konnten. Heute leben daher kaum fünfhundert Juden in Balkh, doch bewohnen sie noch immer den von Tiglat-Pilcsser ihren Vorfahren eingeräumten Stadttheil. Ihre Muttersprache ist noch heute das Persische, das aber mit vielen hebräische», chaldäischcn und ayyrischen Worten vermengt ist. In diesem Idiome wird auch in der -hiesigen Synagoge gepredigt, und daher ereignet cs sich sehr oft, daß, wenn Juden aus Persien hierher kommen, sie sich nicht so leicht mit ihren hiesigen Glaubensgenossen, besonders mit der ungebildeten derselben, verständigen können, llebrigens stehen die Jude» in Balkh in religiöser Hinsicht und zwar aus freiwilligem Entschlüsse gänzlich unter dem Rabbinate von Bokhara,^aus welcher Stadt sie nicht nur ihre on?Di onn'D dtv^d solidem auch ihren Rabbiner (Mori) und ihre Vorbeter (ü’jm) beziehen. Bokhara ist nämlich für die Juden Mittelasiens, so eine Art kleines Jerusalem, wo Alles, was unser heiliger Glaube erfordert, leicht und billig und in großer Auswahl zu bekommen ist. Braucht eine Gemeinde in Tnrkestan oder im Khanate K hokam einen Rabbi, einenLehrer oder eine geschriebene Thora, so schickt sic nur einen Boten nach Bokhara, der ihr sicher das Gewünschte auch bringt. So ein jüdischer Bote, der oft mehrere Tage unterwegs sein muß, reist dann mit einer solchen Sicherheit, die auch das Erstaunen des in dieser Hinsicht schon längst verwöhnten Europäers erregen würde. Kommt er nämlich in eine Stadt, wo eine jüdische Gemeinde cxistirt, so begibt er sich gleich nach dem Bct-Hamidrasch (Kinderschule) daselbst, bindet sein Pferd oder Kamcel draußen an einem Baume an und stellt sich dem Mnallim (Lehrer) vor. Dieser wird ihn sicherlich aufs Freundlichste empfangen und ihm sogleich ein warmes Fußbad Vörstetten lassen. Da nun bei den Juden Mittelasiens dieKiuderschule in der 'Nacht als Ehan (Nachthcrbcrgc) für arme Glaubensgenossen zu dienen hat — auch reiche Reisende steigen oft daselbst ab — so wird der Lehrer den Gast sogleich einladcn, sich's in seinem Hanse nur bequem zu machen. Auf die Nachricht hin, daß ein Reisender in der Schule weile, werden sich dann nach Sonnenuntergang viele Gemcindemitglieder dorthin begeben, um den Gast zu bewillkommnen und sich auch nach dem Zweck seiner Reise zu erkundigen. Ist der Fremde auch ein anständiger Manu, so ladet man ihn ein, das Marib- (Nacht) Gebet vorzutragen, worauf die Anwesenden sich ihre Ascha (Nachtessen) in die Schule bringen lassen, damit der Gast daran theilnchme. Man seht sich nun auf einen auf dem Fußboden ausgebreiteten Teppich tu einem Kreise nieder und beginnt zu speisen. Der Gast muß nun der Reihe nach mit einem jeden der Anwesenden speisen und trinken, was manchmal keine geringe Aufgabe für dessen Plagen ist. Nach dem Essen wird gemnthlich nach der Nargilch (persische Tabakspfeife) gegriffen, worauf daun der Gast verschiedene Neuigkeiten aus seiner Gemeinde erzählt. Ist derselbe ein frommer nud gelehrter Mann, so werden sich dann beim Abschiede von ihm alleAnwcscnden segnen lassen. Letztere lassen oft auch ihre Frauen und Kinder herbcikommen, damit auch sie des Segens des Gottesmannes thcilhaftig werden. Am andern Morgen schickt dann die Gemeinde dem verehrten Gaste ein Lamm mit einem Sacke Mehl, dann etwas Honig und Datteln, damit die Gattin des Lehrers ihm davon eine yrk hts (Wegzehrung) zubereite. Sehr oft und besonders, wenn der Fremde ein bN-wi hjhnd rfotwD (Bote ans dem heiligen

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