Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1336 in dieser 2tiaf?c erworben, und auf dessen Verlangen mußten die Thore immer offen bleiben. Als vor Kurzem dieser Christ gestorben und das Hans auf einen jüdischen Besitzer überging, ist wieder die alte Einrichtung getroffen worden. R u m ä n i e n. Bukarest, 9. November. Tic Erregung, welche die Ausweisung einer Anzahl Journalisten israelitischer Konfession nicht blos unter der gesammtcn jüdischen Bevölkerung, sondern überhaupt unter allen in Rumänien ansässigen Fremden hervorgerufen hatte, hat sich wieder gelegt, nachdem die allgemein befürchtete weitere Anwendung der Zwangsmaßregeln des rumänischen Fremdengesetzes glücklicherweise ausgcbliebcn ist. Ich sage „glücklicherweise" nicht etwa in Bezug auf die in Numänien sich aufhaltendcn Fremden, sondern mit Rücksicht auf den guten Rnf der rumänischen Gastfreundschaft, sowie auch im Hinblick auf unseren Geschäftsverkehr mit dem Auslände. Ist ja doch der weitaus größte Thcil des rnmänischen Export- und Jmporthaudels in den Händen von Fremden oder von solchen im Lande Geborenen, welche sich bisher noch nicht in den Besitz des rumänischen Bürgerrechts setzen konnten. Woher soll aber der Kredit für ein Land kommen, dessen Kaufmannschaft der Mehrzahl ihrer Mitglieder noch keinen Augenblick sicher ist, binnen 24 Stunden über die Grenze geschickt zu werden? Daß die Opposition aus der Ausweisung der israelitischen Journalisten ebenso Kapital für ihre Zwecke schlagt, wie aus der kürzlich erfolgten Landesverweisung mehrerer nach Siebenbürgen zuständiger Mitglieder und Förderer der „Romania irredentä," ist bei der Eigenart unseres prinzipienlosen Parteikampfes selbstverständlich. Während aber bei der Ausweisung der irrcdentistischen Verschwörer das Verhalten der Regierung durch das gewaltige Aufsehen bedingt war, welches der von' Bukarest ans in Siebenbürgen und im Banat verbreitete Brandbrief gegen Ungarn, die Regierung und das Hans Habsburg hervorgcrufen hatte, sind die Gründe, ivarum man sich zu einer neuerlichen Anwendung des Fremden-Gcfetzes ans mehrere Journalisten mosaischer Religion veranlaßt sah, noch immer in ein geheimnißvolles Dunkel gehüllt. Wenigstens ist die Art und Weise, wie die einzelnen Ausgewiesenen durch ihre Agitation für die völlige- Gleichstellung der rumänischen Israeliten mit christlichen Mitbürgern sich gegen die Souveränitätsrechte Rumäniens vergangen haben sollen, noch keineswegs fcstgestellt. Tenn die gouvernementalen Organe ergehen sich in allgemeinen Phrasen — und Armand Lcvy, der Agitator von Profession, dessen provozirendem Auftreten im Vereine mit der Londoner Judendeputation die so hart betroffene Journalisten ihre Ausweisung zu verdanken haben, befindet sich noch immer in Bukarest. Vor der Einberufung der Kammern, deren Eröffnung am 13. 27. d. stattfinden wird, darf wohl eine gewisse Aufklärung über die hier in Rede stehende Ausweismigsmaßregcl und über die Gründe, warum das offiziös gemeldete Ausweisnngsdekrct gegen Armand Levy nich in Ausführung gekommen ist, erwartet werden. England.» Ramsgate. Ten Bestand des „Judith College" und der hiesigen Synagoge ist von dem verewigten Sir Moses Mvntefiore durch einen Fond von 90,000 L. für alle Zeiten gesichert worden. R u ß l a n d. Kiew. Das neue jüdische Hospital dahier wurde vor zwei Wochen eingcweihr. Ter bekannte Philantrop Israel Brodsky spendete für dasselbe 150,000 Rubel. Das Hospital ist ein Prachtgebäude und enthält Betten für 100 Patienten. Der ganze Ban kostete 200,000 Rubel. A f i e n. Balkh am Amu Darja. Klein, arm und gänzlich unbeachtet ist die hier bestehende \n nVnp (Gemeinde der Söhne Jakob's), dafür aber alt, sehr alt, da ihr Dasein nicht erst Jahrhunderte, sondern schon Jahrtausende zählen soll. Rach den hiesigen persischen Stadtchroniken, von denen die älteste, die von Jbu Gasweni, freilich erst aus dem zweiten Jahrhundert nach der Hcgira, also aus dem siebenten Jahrhundert nach der allgemeinen Zeitrechnung datirt, soll nämlich der assyrische König Bal-Assar (Tiglct Pilcffer) hier. an der äußersten Grenze seines Reiches, znm Schutze desselben gegen die jenseits des Stromes (Amn-Tarja) hausenden Nomadenstämme, eine große Stadt mit Bollwerken angelegt und sie Balccha (na^a), was im Altpersischcn und auch im Assyrischen, einen Schild oder eine Schntzwehr bedeutet, genannt haben. Rach einer andern persischen Chronik soll Tiglat-Pileffer diese Stadt zu Ehren der assyrischen Göttin Balcha, der er auch einen Tempel hier errichtete, erbaut nnd sie auch nach derselben benannt haben. Um nun diese von ihm erbaute Stadt gehörig bevölkern zu können, soll er einige Hundert von den nach Assyrien verbannten Söhnen Israels hicher verpflanzt und ihnen hier die südliche Hälfte der Stadt zur An- *) Nachdruck verbaten.