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Der Israelit · 1885-11-19 · Heft 90 (19.11.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 90 (19.11.1885)
Date
1885-11-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1525 Weib, welches der weise König besingt, ist das Ideal der Mädchen des jüdischen Volkes, und nicht jenes Weib, welches die heutige Eultur zeitigt. Um aber solche Frauen dem jüdischen Volke' heranbilden zn können, dazu gehören jüdische Schulen, das ist der Berufs der israelitischen höheren Töchterschule. Wie alle Schulen, so steht auch die israelitische höhere Töchterschule unter der Aufsicht des Staates, und von ihr wird dasselbe verlangt wie von den staatlichen Schulen. Was die staatlichen Schulen unseren Töchtern aber nicht bieten können, das ist der spccifisch jüdische Geist, in welchem Unterricht und Erziehung geleitet werden, das ist die Liebe zum Juthmn und zu allem was mit demselben zusammenhangt, der dem ganzen Institute entströmt, das ist die Vorbereitung zum Berufe für das Leben der jüdischen Frau. All die Bemühungen, welche die neue Zeit, die so gerne gcrmanisirt, sich gibt, ein Surrogat für den Unterricht im jüdischen Geiste zu finden, waren und sind vergeblich. Es ist ganz unmöglich, Liebe zu einem Gegenstand zu empfinden, den man täglich geschmäht, dessen Eigenthümlichkeiten man verachtet sieht. Daß dieses aber in vielen Schulen geschieht — lehrt die tägliche Erfahrung. Aber was sollen wir Juden gegenüber der Wichtigkeit der weiblichen Erziehung thun? Und hier beginnt unser Mahnruf. Errichtet jüdische höhere Töchterschulen, in denen das Judenthum im gesetzestrenen Geiste gepflegt wird, die eine Pflanzstätte werden für die lvahre jüdische Frömmigkeit, und wo solche Schulen schon bestehen, unterstützt sie, indem ihr denselben Eure Töchter, die Zukunft Israels, anvertrant. Lasset Euch nicht durch Sophismen bethören, denn eine jede jüdische Schule leistet für das Judenthum mehr als die beste confesssonslosc Schule. Heute gilt cs stark zu sein; darum sollen unsere Nachkommen stark im Glauben ihrer Väter werden, schafft ihnen jüdische Mütter, die im Glauben des Judenthnms erzogen, bereit wären mit uns für unsere heilige Religion zu sterben. Erst dann können wir getrost sein, denn „des Volkes Kraft liegt nur in seiner Jugend," sagt der Dichter, und wenn wir für die jüdische Erziehung der Mädchen sorgen, so wird auch die Grundlage gelegt für eine religiöse Knabencrziehung. An den Knaben tritt die Versuchung, die Gesetze unserer heiligen Religion zu übertreten, oft mit scheinbar zwingender Gewalt in Gestalt von Lebensfragen heran. (Siehe die Notizen im „Israelit" über verschiedene Fälle, in welchen Knaben vor die Alternütive gestellt wurden, entweder mechallel schabbos zu sein, oder von dem Maturitätsexamen zurückzutreten.) An das Mädchen treten diese Versuchungen nicht so craß zwingend heran, aber doch zwingend genug. Ist der Spott der Lehrerinnen und Lehrer, ist der Mitschülerinnen Achselzucken über die „vorsintflnthlichc" (V) Jüdin nicht ein Zwang für manches Mädchen, ein Rcligionsgesetz zu übertretenV Ist der Umgang mit Inden und Richtjnden, die das jüdische Spciscgcsctz lächerlich finden, noch niemals die Ursache gewesen, daß jene Gesetze leichtfertig übertreten wurden V. Erst geschieht cs heimlich, dann öffentlich. Wenn erst unsere Mädchen und Franc» nicht mehr gcwiffcnhaft auf koscher und trcfa achten, dann ist eine jener Säulen gestürzt, auf welchen unsere Religion ruht, unt/bald werden alsdann die übrigen folgen. Daß solches nicht geschehe, dafür zu wachen ist unsere Pflicht, daß unsere Mädchen streng fromm im Geiste des wahren Jndcnthums erzogen und unterrichtet werden, das sei unsere Sorge für und für. M. B .... r. Zeitungsnachrichten und Correspondcnzcn. Deutschland. Stratzburg i. <£., 15. Rov. Am vergangenen Donnerstag wurde das israelitische Konsistorium des Untcrclsaß von dem Kaiserlichen Statthalter, Seiner Durchlaucht Fürst Hohenlohe, empfangen. Der Herr Ober-Rabbiner Aaron hielt folgende Ansprache. „Ich beehre mich, Ew. Durchlaucht die Mitglieder des israelitischen Konsistoriums des ttnlerclsaß vorznftellen und erlaube mir die Versicherung, daß unsere Glaubensgenossen, obschon in geringer Zahl, der großen Mehrheit der Elsaß-Lothringer weder in Erfüllung ihrer bürgerlichen Pflichten, noch in Verehrung Seiner Majestät des Kaisers nachstehen." „Das Wohlwollen Ew. Durchlaucht läßt uns hoffen, daß die Beziehungen des Konsistoriums mit Ew. Durchlaucht dieselben sein werden, welche zwischen Ihrem erlauchten Vorgänger und uns immer bestanden haben." Der Empfang von Seiten des Kaiserlichen Statthalters war durchaus wohlwollend. Der Fürst bestätigte die Gleichberechtigung der Israeliten auf Grund der geltenden französischen Gesetzgebung und versicherte, daß die bisherigen Beziehungen fortbcftehen werden. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Irl Cisenftadt (Ungarn) war bis vor drei Jahren' die Jndengasse ausschließlich von Juden bewohnt, und arn Sarnstag und an jüdischen Festtagen blieben die Thore derselben verschlossen. Bor drei Jahren hatte ein christlicher Einwohner ein Haus

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