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Der Israelit · 1885-11-19 · Heft 90 (19.11.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 90 (19.11.1885)
Date
1885-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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„Die kühnste Nation ist Israel; aber die Thora schwächt die angestammte Kraft." Niemals hatte Israel zu den welterobernden Nationen gehört, wiewohl es dazu befähigt gewesen wäre. Israel hätte ganz andere Ziele. Die Welt des Geistes, der Tugend, der Litte ist seine Domäne, und die Thora mit ihren zahlreichen Satzungen und Verholen zähmt die überfließende und nberschüumende Kraft. Deßhalb fugte Jakob zu den :y ,jtt; die ra o'irn hinzu. ünvy G’xne c’trn. Wer nicht Hammer, der ist Ambos, wer nicht schlägt, der wird geschlagen. So pflegt es zu gehen in dieser unserer Welt. Ta Israel nicht als Eroberer auftritt, so lvird es unterjocht. Deßhalb schickte Jakob Schafe, geduldige Schafe, die sich scheereu lassen ohne zu widerstreben — ein Symbol Israels in der Galuthzert. Was Alles haben wir erdulden müssen und müssen wir noch erdulden! Im ganzen Mittelalter glich unser Volk einer Heerde Schafe, die man nur deßhalb hält, um ihr die Wolle zu scheereu. Und trotzdem haben wir die uns innewohnende Kraft nicht eingebüßt v'iivx c’Ksi — ,g^’», Kraft. Diese Kraft hat sich namentlich in der großen, jüdischen Erbtugend, in der Wohlthätigkeit non bewährt. Q'B'Sb' crwai q^em. Die Barmherzigkeit (“Dn niHw ptcft das Mitgefühl für die leidende Menschheit, die werkthätige Menschenliebe — sie sind es, die unseren Stamm aufrecht, die ihn erhalten haben inmitten unsäglicher Leiden. Wie eine säugende Mutter sorgt die Gemeinde Israels für ihre darbenden Kinder, und zu den Herzen wahrhafter Juden und Jüdinnen nimmt Niemand vergebens seine Zuflucht, u'jpna* nrs mtt'y tr-Ei. Daher kam es, daß wir trotz alle Verfolgungen und Unterdrückungen uns dennoch vermehren könnten auf Erden (re ,onsi nre o-n), daß Niemand uns zu vernichten vermochte, mvx D’-wy run»; nicht man» sondern runx, das ist px pLh; fest lvurzelt unser Wohnsitz auf Erden in Dem, welchem alle Macht eigen. Daß wir aber dennoch so viel leiden müssen, hat darin seinen Grund, daß wir nur zu oft gleichen den G'-ry, den ungezügelten Füllen, die Zucht und Sitte nicht annehmen und alle Schranken durchbrechen. Wider seinen Willen mußte Esaw den Groll fahren lassen gegen seinen Bruder, ihn umarmen und küssen — und Beide weinten. apy’ »an. Und unversehrt kam Jakob an die Grenze des heiligen Landes und errichtete dort einen Altar und verkündete den Namen Gottes, des Gottes Israels. (Fortsetzung folgt.) Israelitische Köliere Mädchenschulen. Vor einiger Zeit brachte Ihr gesch. Blatt einen mit Begeisterung geschriebenen und s. G. w. auch von dem Leser ebenso aufgenommenen Artikel über jüdische Gymnasien. Ich kenne nicht den Berns des Herrn Verfassers, und doch erfüllte mich sein Nus, den er unserem Volke zu. hören gibt, mit Freude. Wie glücklich wäre Israel, wenn cs seine eigenen Schulen hätte, in denen die Wissenschaft im Geiste des Judenthums, von geseyestreuen jüdischen Männern gelehrt würde! Welch' herrliche Früchte könnte solche Saat dem Gottesvolke bringen! Nichts ist in der Erziehung der Jugend von entscheidenderem Einfluß als Beispiel und Gewöhnung, und wo die Jugend nur strengen Ernst und Freudigkeit in der Beobachtung der Gottesgebote vor Augen sieht, da wird bald die Liebe zu Gottes heiligen Geboten in's Herz einziehen, und was die Jugend heute vielleicht nur noch aus Rücksichten der Pietät vor den Eltern von den Geboten unseres Glaubens hält, das wird sie alsdann freiwillig und froh beobachten. Freilich dürfen wir nicht außer Betracht lassen: Tie Hauptstütze der jüdischen Erziehung liegt im Hause, in der Familie. Mag die Schule noch so viel zu erreichen streben, sie lvird in der Hillsicht ohne die Beihilfe des Hauses wenig, wenn nicht gar nichts leisten könnell. Die Erziehung im Hause aberliegt der Frau ob, und darum werden jüdische Gymnasien wenig helfen, wenn nicht jüdische Franc» in jüdischen Familien die Grundveste der jüdischen Erziehung bilden. Es ist wahrlich nicht nur Phrase, wenn wir sagen, die Erziehung der Mädchen im und zum Judentum liegt im Argen. Es lnuß uns mit Bedauern und Murhlosigkeit erfüllen, wenn wir sehe», wie das jüdische Mädchen heute erzogen wird! Zn allem wird es eher erzogen wie zu dem, seit ewigen Zeitell im Iudcnthnm hock gehaltenen natürlichen Beruf des Mädchens, dem Berns der Gattin und Mutter, dem Beruf der Priesterin des Hauses. All der Wust, dem die heutige höhere Töchterschule bereitwillig ihre Pforten geöffnet hat, all der unnöthige, oberflächlich gelehrte Kram, mit dem das arme Mädchengehiru belastet wird, all die schönen Sonaten und Symphonien, Märsche und Tänze, all die schönen Bilder und Statuen, welche als Product der heutigen Erziehung gelten, erfüllen nicht den vom Judenihum von der Schule zll fordernden Zweck. Repräsentation und Judenthnm stehen sich feindlich gegenüber, da das Judenthum das Glück des weiblichen Geschlechts ganz anders zeichnet und ganz anderswo uns suche» lehrt, wie die heutige Erziehung, es zeigt. Jenes

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