Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1885)
- Date
- 1885-11-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1523 weit getriebene mtb übel angebrachte Toleranz? Es macht jedenfalls den Eindruck, als ob Kinder dem Manne huldigen, der ihre Mutter verachtet. Ist es wohl denkbar, daß ein znm Indenthum übcrgetrctcncr Ehrist zu einem Vorträge über ein jüdisches Thema ein christliches Auditorium finden wird? Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Rohling hat vom Unterrichtsminister Urlaub auf unbestimmte Zeit erwirkt. Die Proccßkosten belaufen sich der vielen Gutachten wegen auf 10 000 Gulden. Baron Rothschild in Paris beabsichtigt, die Gutachten, über 100 Bogen, in deutscher, französischer und englicher Sprache drucken und weithin verbreiten zu lassen. Keiscöeschrciöung eines Israeliten. (Fortsetzung.) Von Nürnberg bin ich gereist auf Ottens ö o s nach S ch n a i t t a ch. Dieses ist die Geburtsstadt meines Vaters. Hier wohnen etwa 50 HauSgcsind Juden und sind auch ohne Judengasse. Von hier auf Burgkundstadt. Dieses ist ein anmerklich Ort, weil hier die Häuser alle gar aus dem Stein gehackt sind, denn das Land besteht nur aus Klippen. Nun hat jedes Haus nur einen Stein und hierin sind viele Kammern. Sie haben auch als Weinbchältniß tiefe aus Stein gehackte Keller, welche viclmal über 2 Stunden unter der Erde lang sind, so das; man den herauskommenden Wein in den höchsten Sommertageu vor Kälte nicht trinken kann. Hier muß man klimmen und klettern können, sonst würde man in dem steinigen Berg nicht fortfomutcit. Von hier kommt man in eine schöne Stadt auf einem Berg mit einem starken Schloß, heißt K ro n a ch und weiter in dem Markgrafen von Baireuth sein Land. In des Markgrafen Land wohnen keine Juden; ich will gleich die vornehmsten Städte nennen, nämlich: Baireuth, K u l m b a ch und Weißen st adt; von bemeldcten Plätzen nach Schcrding. Hier ist die Grenze Deutschlands zu Ende und man tritt auf böhmischen Boden. — Die erste Stadt war Egcr, eine treffliche Stadt, eine gute Festung mit Mauern und Schanzen wohl bewahrt. Hierin wohnen nur 2 Juden. Ferner auf ein langes Dorf, etwa 2 Stunden groß, heißt L i ch tc u st ad t. Hier wohnen gegen 30 Juden. Weiter Blankenau, Soor, Mascha», Strafchitz, lauter kleine Plätze und weiter nichts davon zu beschreiben, außer den Sauerbrunnen, welche mau hier in Ueberfluß überall findet. Komm ich weiter auf eia Dorf, heißt Bis chitz. Hier kann keiner von all den Bauern Deutsch sprechen. Da der Abend kam, mußte dieses Dorf zur Herberge dienen. Als wir nun in die Herberge kamen mit noch einem Juden, der auch nach Prag reisen wollte, so forderten wir ein Glas Bier. Befindet sich da ein Soldat, welcher gut Deutsch redet. Dieser Soldat kommt und nimmt das Glas Vier von uns und trinkt es aus. Wir kehrten uns nicht hieran und dachten es für ein „Bagatcll von Belang." So ließen wir wieder ein Anderes einschenken. Ter Soldat aber wieder kommt und gleich den» ersten traktirt. Wir bemerkten wohl, daß er einen Rausch getrunken und nicht nüchtern sein muß, doch redeten wir nichts gegen ihn, sondern gingen zu dem Wirth und fragten ihn, ob er uns traktireu wolle nach Gebühr und ob wir sollten weiter gehen. Er aber antwortette: Ihr könnt für den Teufel weiter gehen. Dieses gesagt nud gcthan. Gleich bezahlten wir das Bier, welches der Soldat getrunken hat, und wollten weiter gehen, denn man findet keine Herberge mehr in dem Dorf. Kaum hatten wir die Thüre hinter uns, so kommt der Soldat mit einem Stock und will haben, wir sollen in der Herberge bleiben, was wir aber nicht bewilligten. Da schlägt der Soldat meinen Vater, dieser wehrt sich, bekommt den Stock von dem Soldat und bricht selbigen in Stücker. So nimmt der Soldat den Degen und hackt nach ihm. Mein Vater aber kriegt den Degen und biegt ihn ganz krumm bei einander. Da ich mich nicht stark genug befinde, um Beistand zu thun, so beginne, ich, mit einem Stein, welchen ich von der Erde nahm, mif den Soldat zu werfen, daß sich derselbe durch einen gewissen Wurf in fein Angesicht blcssirt befinde, welches ihn so verbitterte, daß er mir gedachten Degen nachwarf. Ich aber säumte nicht und retirirte in ein Bauernhaus. Weil dieser aber mein Anliegen durch Mitleid bemerkte, so nahm er mich und verbarg mich unter ein Bett mit dem Vorgcben, wenn der Soldat mich suchen möchte, mich nicht kennbar zu machen. Ich zitterte allhicr gleich einer gefangenen Maus, hatte mit Keinem zu sprechen und verbrachte die Zeit von einer Stunde in solcher Verborgenheit. Unterdessen