Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1885)
- Date
- 1885-11-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1522 in hübschen.Worten ans die geehrte Iran Rabbiner aus. Der 3. Toast, ausgebracht von Herrn Lehrer Straus; ans Brannsbach, galt dem confessionelten Frieden in der Gemeinde Braunsbach, in welcher 3 verschiedene Eonfessionen, jede mit eigenem Geistlichen, eigenem Lehrer und eigenem Gotteshaus in Friede und Eintracht miteinander leben. Diesen offiziellen Toasten folgte des Herrn Jubilars Erwiderung, die sein my klar erkennen lieft; alles Lob wies er als unverdient zurück, und wenn er etwas seit seinem Antritt der Stelle in Brannsbach geleistet, so sei dies nur Gottes Werk und stets bleibe das Können hinter dem Wollen zurück. Die Fcsttheilnehmer folgten seinen geistreichen Worten mit gespanntester Aufmerksamkeit und spendete denselben stürmischen Beifall. Run folgten lveitere Toaste, von welchen ich besonders den des Herrn Schultheißen Fuchs auf den Herrn Jubilar als eifrigen Förderer der Interessen der israelitischen wie politischen Gemeinde Brannsbach hervorheben möchte. Nachdem noch mehrere Herren durch einige Worte ihren Herzen Luft gemacht und ihrer freudigen Erregung Ausdruck verliehen hatten, kamen die zahlreich eingelaufenen brieflichen und telegraphischen Glückwünsche zur Verlesung. Hieraus schloß der Vorsitzende das Bankett, .das einen so schönen Verlauf genommen. Alsdann wurde — wenn auch nicht im Programm vorgesehen — rten rvyy in der Synagoge gebetet. Ilm 6 Uhr begaben sich die Festgenossen in den „Löwensaal," wo der „Liederkranz Brannsbach," der schon am Vorabend durch ein dem Herrn Jubilar gewidmetes Ständchen die Feier eingeleitet, ein Eoncert veranstaltete, welchem außer sämmtlichen Gemeindeangehörigen auch die Herren Geistlichen Braunsbachs und der umliegenden Pfarrorte anwohnte». Das Programm, welches 12 Piöcen und eine „komische Zugabe" umfaßte, wurde meisterhaft durchgeführt und gebührt dem Dirigenten, Herrn Lehrer Botsch in Brannsbach, für seine viele Mühe ein ganz besonderer Daick. Erst um 10 Uhr lvar das Eoncert zu Ende und damit fand auch die schöne, erhabene, durch keinen Mißton gestörte Feier ihren würdigen Abschluß. Sie wird, dessen sind wir überzeugt, jedem der Theilnehmer unvergeßlich und in steter Erinnerung bleiben. Wohl hatte sich der Herr Jubilar in seiner großen Bescheidenheit lange geweigert, alle diese Huldigungen entgegenzunehnten: allein es ist eine Genngthuung und eine Ehre für den ganzen Bezirk, dem Manne, der mit seiner ganzen Kraft einsteht für Gott und Seine heilige Religion, dessen ganzes Bestreben dahin geht, cipo!» nman mpV, dem einzigen orthodoxen Rabbiner in Württemberg, zu feinem 25jährkgen Amtsjubiläum lauten und öffentlichen Dank für sein Wirken kundzugeben. Es ist dies gewiß das wahre nam tmip. Wir wissen, wie gerne Herr Rabbiner Berlingcr auf alle diese Ovationen, Festgeschenke n. s. w. verzichtet hätte, und doch muß derselbe im Herzen Freude darüber empfinden, daß n"2pn seinem Streben und Wirken zur Verbreitung und Befestigung der göttlichen Lehre Erfolg verlieh, indem sein Bezirk seit seinem Dienstantritte nicht an Gottesfurcht abgenommen, sondern im Gegentheil auf dem Wege des traditionellen Judenthums bedeutende Fortschritte gemacht hat. Und wie könnte auch die V'd fehlen bei einem Manne, der den großen d'V zu seinen Ahnen zählt, der der 2lftc seines Geschlechts, mütterlicher Sekte, ist, die in ununterbrochener Reihe nxninn xra -p fitzen und in deflen ganzer Familie seit undenklichen Zeiten die rwnpn min eine Pflegestätte gefunden. Und so schließen wir denn mit dem innigen Wunsche: möge es Gottes Wille sein, nach abermals 25 Jahren die Feier des 50jährigen Dienstjubiläums ihm veranstalten zu können, möge er insbesondere non sein, daß auch seine talentvollen Söhne vxsxsn vxsxs ’Nsren wirken, wie er und seine theueren Vorfahren, pwjr tox nx buTO' nx nmrft, möge er ferner ron sein, itnt craun criwx ex rnn nx jmfc q’gTOi. y'’"-j"x Pose», im November. Der Verein junger Kanflente, der trotz seiner intercoufessionellen Bezeichnung dennoch nichts Anderes ist, als ein jüdischer Verein, da er höchstens 3—4 °/0 an christlichen Mitgliedern zählt, pflegt von Zeit zu Zeit seinen Mitgliedern Vorträge von literarische» und wissenschaftlichen Berühmtheiten zu bieten. Eigenthümlich mußte es berühren, vorige Woche einen Vortrag von „Paulus Cassel über Parcival und die Gralsage" angekündigt zu sehen. Zu verwundern ist, daß viele als streng religiös geltende Männer sich dazu entschließen konnten, mit ihren Familien dem Vortrage beizuwohnen, der doch voraussichtlich nichts Anderes sein konnte, als eine Glorificiruug der Idee des Ehristenthums und nebenbei eine Art Missionspredigt. Welch ein Wechsel der Zeiten! Vor mehreren Jahrhunderten wurden die Juden zur Anhörung von Missions- Predigten gezwungen, jetzt drängen sie sich dazu und lauschen mit Andacht einem Manne, der ihnen den Rücken gewandt hat; ja, sie bringen Geldopfer, um ihn zu hören. Ist dies Mangel an Selbstgefühl, au Pietät für ihre Religion oder ist es zu.