Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1885)
- Date
- 1885-11-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1518 für das ganze Leben Geltung haben sollen. Neuere, wie Zunz und Andere, leiten diese Benennung von den ersten Sätzen unseres Traktates ab, in welchen die Sentenzen der to nnN, der Synedralhäuptcr mitgetheilt werden, da diese Sentenzen den Grundstock und den eigentlichen Kern unseres Traktates bilden. Wogegen sich freilich ciuwenden ließe, daß sie dann eher dwm heißen müßte, da ja diese in erster Reihe genannt werden und jenen nnx übergeordnet waren. Die Meinung des Redners neigt sich der letzteren Ansicht zu, und nachdem er die verschiedenen Fragen aufgeworfen hatte, die sich der Auffassung entgegenstcllen, als wenn unser Traktat die Reihenfolge der Autoritäten chronologisch ««'führen wollte — z. B. die große Lücke in der Zeit zwischen Schimeon dem Gerechten und Antigonos aus Socho — und die ja schon verschiedenartige, anderweitige Versuche zur Lösung hervorgcrnfcn haben, geht er daran, seine eigene Ansicht über diese Sammlung von Sprüchen darzulegen. Nach ihm ist diese Sammlung in ihrer Grundidee darauf angelegt, die saddnzäischc Heräsie zu bekämpfen, ihre Grundanschauung und ihr Prinzip zn widerlegen, die Haltlosigkeit ihrer Ansichten darznthun und das Volk vor ihren Irrlehren zu warnen. Er ist dabei genöthigt der Ansicht Geigers beizupflichten, daß die Sekte der Sadduzäer viel älter sei als man gewöhnlich annimmt und daß sic Ursprung und Namen von den Zadokiten, den Nachkommen des Priesters Zadok, ableiten*); denn sonst wäre es ja aus chronologischen Gründen unmöglich, daß bereits die Männer der großen Spnagoge gegen dieselben polcmisirt hätten. Der Redner weist nun in ganz detaillirter Ausführung an der Hand der einzelnen Mischnajoth des ersten Abschnittes nach, wie sich die einzelnen Aussprüche aus diesem einen Gesichtspunkte heraus erklären lassen, wobei sich denn manches geistreich Erdachte, aber auch, wie leicht erklärlich, wenn man solche heterogene Aussprüche unter eine Idee zwängen will, viel Gezwungenes ergibt. Der uns gebotene Raum verbietet uns auf das Einzelne näher einzugehen, und wir können dies um so eher unterlassen, als ja die Leser des „Israelit" im Laufe des vorigen und des diesjährigen Sommers Gelegenheit hatten, eine Erläuterung der Pirke Aboth aus berufener Feder kennen zn lernen. Mit dem Wunsche p'o nra« daß die Sprüche der Väter, die erhabenen Vorschriften, die dieser Traktat in sich birgt, immer *) Das ist eine durchaus ungerechtfertigte Annahme, eine haltlose, gehaltlose Erfindung Geigers, eine Schmähung des edlen Hohenpriesters Zadok nnd seiner frommen Nachkommen. Redaction. mehr nnd mehr ins Bewußtsein unseres Volkes eindringeu, ihm als sittliche Norm vorschwebcn und dadurch muftergiltig für die ganze Welt werden sollen, schließt der Redner seinen mit Beifall ausgenommenen Vortrag. H. Frankreich. Paris. Herr Dr.K lei n, Mitglied des Consistoriums, wurde in den Verwaltungsrath des isr. Seminars gewählt. Feuilleton. Htehaöitilirt. Erzählung von Friedrich Rott. XIII. „Eduard!" schluchzte Adele, „Eduard — warum hast du mir das gethan!" War es denn wahr, was ihre Mutter behauptet, sollte sie ihn nimmer Wiedersehen? — Sie konnte es nicht fassen — Sie hatte alle die traurigen Tage hindurch eine geradezu staunenswehrte Ruhe zur Schau getragen. Sie wollte zeigen, daß sie sich durch die plötzliche Abreise ihres Verlobten nicht gedrückt fühle, daß sie fest an seine Unschuld glaube nnd sich überzeugt hatte, daß dieselbe in nicht allzu ferner Zeit auch öffentlich anerkannt werde. Nur durch diese zuversichtliche Hoffnung hatte sie bisher ihre Ruhe bewahrt. Mußte sie diese Hoffnung aufgeben? — sie konnte es nicht — nein, sie konnte es nicht. Und doch — konnte sie hoffen, für die Dauer dem Drängen ihrer Mutter zu widerstehen? — Seit gestern, seit der junge Wallheim persönlich bei ihrer Mutter um ihre Hand angehalten, hatte, sie keine ruhige Stunde mehr. — Vor vier Wochen, -bei jenem Feste, an dem sie in den lebenden Bilder» mitgewirkt und allgemeine Bewunderung geerntet hatte, da hatte der junge Wallheim sie zum erste» Mal gesehen und war sofort in Liebe zu ihr entbrannt. Er hatte sich ihr seitdem wiederholt zn nähern versucht, doch sie war ihm stets ansgewichen. Er hatte sich daher rasch entschlossen, ihr seine Hand anzubieten und zwar mit Zustimmung seines Vaters, dem vielleicht eine reichere Schwiegertochter willkommener gewesen wäre, der jedoch alles Ungewöhnliche liebte, und dem es schmeichelte, daß die Welt sagen werde, er habe cs verschmäht bei der Verheirathung seines Sohnes auf Geld zu sehen, da er ihm selbst vollauf genügend geben könne. Ueberdies hatte das liebliche Mädchen auch seine