Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1885)
- Date
- 1885-11-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1517 Zeitungsnachrichten und Corrcspondcuzcn. Deutschland. Berlin, in. Nov. Die „Allgem. Fleischer-Zeitung" schreibt: Neuerdings machen sich müßige ftöpfc, die vielleicht nie einen Ochsen schlachten gesehen haben, allerhand Schmerzen über die jüdische Schlachtmcthode. Uns sind die sentimentalen Phrasen, die dabei verschwendet werden, in tiefster Seele zuwider, ungefähr ebenso ist beim Kampfe gegen die Vivisektion der Aergcr der Frommen über die freisinnigen Profesioren die Haupttriebfeder gewesen. Man sollre doch bei solchen Dingen auch einmal fragen, wie die Schlächtermeister denken. Da wird cs denn gewiß weitere Kreise interessiren, daß der Engros- Schlächtcrmeistcr Karl Hoffman» in Berlin, welcher wöchentlich durchschnittlich ca. vierzig starke Rinder schlachten läßt, für Juden wie für Nichtjuden gleichmäßig die jüdische Methode des „Schächtens" zur Anwendung bringt. Herr Hoffmann ist der Ansicht, daß beim Schlagen des Vieh's das Blut sich mit dein Fleische vermischt, dagegen kann das geschächtcte Tier sich vollständig ausbluten. Daß die Entfernung des Blutes vom sanitärischen Gesichtspunkte aus die größte Wichtigkeit hat, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung. Frankfurt a. M, 3. Nov. Eine sehr geachtete hiesige israelitische Bürgerswittwe, in gleichem Jahrgang und an demselben Tage geboren wie der greise Feldmarschall Moltkc, sah sich, wie der Beobachter erzählt, veranlaßt — da ja ein gegenseitiges Jntereste bei hochbejahrten Leuten sich" oft kundgibt — dem Genannten unter Anführung der Veranlassung als gleichaltcriges „Geburtstagskind" die besten Glückwünsche darzubringen, mit dem besonderen Wunsche, daß er den Geburtstag noch oft und in Gesundheit und Geisteskraft erleben möge. Mit Wendung der Post kam folgendes Antwortschreiben-. „Sehr geehrte und geschätzte Frau! Unter den zahlreichen Glückwünschen und Angebinden an meinem heutigen Geburtstage hat mir kaum irgend etwas größere Freude verursacht, als die aufrichtigen und treuherzigen Wünsche einer ehrbaren Frau, die mir, obgleich zwar persönlich unbekannt, eine so schätzbare Gesinnung offenbaren- Mögen alle die wohlwollenden Wünsche, die Sie mir gewidmet haben, und. insbesondere die Wiederkehr unseres gemeinschaftlichen Geburtstages auch bei Ihnen noch oft sich erfüllen. Mit Hochachtung und herzlichem Gruß Ihr ergebenster gez. Graf v. Moltke, General-Feldmarschall." Crossen a. d. O. Am 5. November beging der Eultusbeamtc, Herr Gossels, das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkcit in der hiesigen Gemeinde. Die Anerkennung, welche dem Jnbilarc von Seiten des Vorstehers der Gemeinde gezollt, die beredten Worte, mit denen er von seinen Schülern gefeiert wurde, die Thcilnahme der Freunde und Bekannten von Nah und Fern, zeugten von der Achtung und Verehrung, welche sich der Jubilar durch seine treue Pflichterfüllung, durch seinen gradcu Charakter weit und breit erworben. Der Tag wird alten Theilnehmern ncch lange in freudiger Erinnerung bleiben. O c st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Prag, 8. Nov. Die Reihe der Vorlesungen im Verein „Afike-Jehuda" für das laufende Wintersemester eröffuete gestern Abend Herr Dr. Tauber, Rabbiner ans Brüx. Der Redner behandelte in anderthalbstündigem Vortrage das Thema „Die Entstehung der Sprüche der Väter." In seiner Einleitung hob er die große kulturhistorische Wichtigkeit der Sprüche hervor, die so sehr ins Volk gedrungen sind, daß sie sogar ins Gebetrituale ausgenommen wurden, und zwar schon seit den ältesten Zeiten, da bereits der Siddur Rab Amram Gaou diese Einrichtung kennt. Daher kommt es, daß einzelne Sprüche so sehr ins Volksbewußtseiu gedrungen sind, daß sie wie Schlagworte des gewöhnlichen Lebens behandelt wurden, die Jedermann bekannt waren und daher die leiseste Beziehung ans dieselbe genügte, um verstanden zu werden. Nichtsdestoweniger war man seit den ältesten Zeiten bemüht, die Sprüche sinngemäß zu erklären und die in ihnen verborgene Weisheit ans Licht zu fördern und namentlich die Beziehungen klarznlcgcn zwischen der einzelnen Sentenz iuit> den Lcbensschicksaleu, Anschauungen, Bestrebungen und historischen Stellung ihres Autors. Sogar der Name dieses ethischen Traktates — von dem ein französischer Gelehrter vor einigen Jahren gelegentlich des Erscheinens einer französischen Uebersetzung desselben urthcilte, daß in ihm ein unerschöpflicher Fond der erhabensten Lebensmaximen enthalten sei, von dem das große Publikum bisher keine Ahnung halte — hat verschiedene Deutungen erfahren.. Der Name „Pirke Aboth" stammt nach Einigen von den Autoren der Sprüche, die als Väter und Begründer der jüdischen Lehre galten, wie auch in Edujoth einmal die alten Weisen als nbvjn ro« bezeichnet werden; während Andere das Wort Aboth weniger 'auf die Autoren als auf die Sprüche selbst bezogen wissen wollen, die als Haupt- und Eardinalregeln