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Der Israelit · 1885-11-16 · Heft 89 (16.11.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 89 (16.11.1885)
Date
1885-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1514 gelassen, daß Laban den Jakob gesegnet, daß aber trotzdem nmu, der Segen, welchen Laban der Riwkah ertheilt hatte, an Jakob in Erfüllung ging. Zunächst aber muß Jakob neuen Kämpfen entgegengehen. Er fürchtet noch immer den Zorn des Bruders und sendet Boten an ihn, um ihn sich günstig zu stimmen. Aber die Boten kehrten zurück und melden, daß Esaw in Begleitung von 400 Mann ihm entgegenziche. Da fürchtete sich Jakob sehr und es war ihm angst. .yun cd pns nnti'D -npci rcsn: vjjd „Einem getrübten Bache, einer verstopften Quelle gleicht der Fromme, der vor dem Frevler sich beugen muß." (Mischle E. 25, V. 26). Allein, die Ursachen der Trübung werden hinweggeräumt, und der Bach fließt wieder klar; die Hindernisse werden entfernt, und der Quell sprudelt wieder silberhell. Nicht müssig und thatenlos schaut Jakob dem herannahenden Verderben entgegen; er bereitet sich in dreifacher Beziehung vor, um das Verderben abzuwenden. Zunächst zum Kampfe; er theilt die Seinen in zwei Lager, um iin Falle des Unterliegend wenigstens einen Theil der Seinen zu retten. Dann wendet er sich im Gebet an den allmächtigen Gott und bittet um dessen untrüglichen Schutz, sticht verläßt er sich auf die ihm gewordenen Verheißungen; denn in seiner Bescheidenheit meint er, er kann sich derselben unwürdig gezeigt haben: „Ich bin zu gering all der Wohlthaten und all der Treue, die Du Deinem Knechte erwiesen. Nun aber rette mich ans der Hand des feindlichen Bruders, denn ich fürchte ihn, daß er komme und mich erschlage, die Mutter sammt den Kindern." — Zum Dritten unterläßt cs Jakob nicht, den hcrannahenden Feind sich günstig zu stimmen; er bereitet ein Geschenk vor, das au Großartigkeit jede Vorstellung übertrifft: Kostbare Schmucksachcn, mit Edelsteinen und Perlen vom hohen Werthe verziert, eine große Heerde von Ziegen und Böcken, eine andere von Schafen und Widdern, eine dritte von säugenden Kamelen und deren Jungen, eine vierte von Kühen und Stieren, eine fünfte von Eselinnen und jungen Eseln. Ein Weiser versucht es, uns eine Vorstellung von der Großartigkeit dieser Geschenke zu geben, indem er uns mittheilt, er sei in dem Lande gewesen, in welchem die Kamelzucht heimisch ist, und habe in dem ganzen Lande nicht säugende Kamele mit dreißig Jungen gefunden. So groß waren die Anstrengungen, die unser Vater Jakob machte, um den Bruder zu versöhnen; aber nicht einen Augenblick lang kam es ihm in den Sinn, auf die Erstgeburt und den Vatersegen zu verzichten, das Erstgeburtsrecht und den Vatersegen zurückzugeben, um dadurch sein und der Seinen Leben zu retten. Nein, lieber weiht er sich und sein Haus dem Tode. Auch in unserer Zeit ist Israel nur zu oft gezwungen, den Zorn des feindlichen Bruders zu fürchten. Da kommen die falschen Freunde und rächen uns, daß wir das Erstgeburtsrecht aufgeben und auf den Vatersegen verzichten, um den Zorn des feindlichen Bruders zu beschwichtigen. „Wollet doch nicht fürder sein das auscrwählte Volk und lasset ab von euren alten Besonderheiten; dann werdet ihr friedlich unter den Völkern leben können." Wir aber weisen die Verführer zurück; wir wollen uns die höchsten Güter unseres Volkes treu bewahren, und Gott, der unsern Vater Jakob vom Mordschwerte des Bruders errettet, wird auch uns retten, wird auch uns schützen. (Fortsetzung folgt.) Amerikanische Miefe. XIX. sü New-Aork, 25. October. Ei» Stündchen im polnisch russisch-jüdischen Theil New-IorkS. Wenn ich heute eine Schilderung desjenigen Theils New-Aorks dem werthen Leser vorführe, der für unsere Glaubensgenossen sicher ein doppeltes Interesse hat, so ist dies eine schwere Aufgabe für mich. Wie alle sogenannte „Aschkenasim" bin auch ich einer Derjenigen gewesen, die auf den polnischrussischen Theil der jüdischen Race mit einer angebornen Zurückhaltung zuschritten, allein die nähere Berührung zeigte mir, wie in vielen andern Fällen, daß nicht jede Voreingenommenheit begründet ist. Unter allen Nationen, allen Neligionsklassen gibt es brave und schlechte Menschen und wenn man in Betracht zieht, daß die polnisch-russischen Landestheile eine viel größere, jüdische Bevölkerungszahl aufzuweisen haben als alle andern Länder der Welt, so ist es erklärlich, daß die guten und schlechten Elemente in größerer Zahl vorhanden sind und daher auch mehr hervorstechen. In Europa kömmt die Voreingenommenheit auch wohl daher, daß viele arme Leute durch die Noth in der russischen Heimath gezwungen die Barmherzigkeit deutscher Glaubensgenoffen in Anspruch nehmen, manchmal in einer Weise, die kein günstiges Licht auf die Umherziehenden wirft. Den Mittelstand und den fleißigen niedrigen Stand kennt man in Deutschland und anderswo zu wenig und daher wirft uian Alles in einen Topf. In keinem Lande der Welt, selbst in der russischen Heimath, kann maw diese Leute besser be-

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