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Der Israelit · 1885-11-16 · Heft 89 (16.11.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 89 (16.11.1885)
Date
1885-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 8& Ein Genlrat - Hrgan für das ort6odo.re Iudentfimn. Herausgegebcn von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den I«. November SS4« (1885). Leitende Artikel. Die Begründer des israetit. Volkes. XI. Mainz, 12. November. Zwanzig Jahre lang hatte Jakob bei dem hinterlistigen Laban verweilt, zwanzig Jahre fast immerwährenden Kampfes. Endlich kehrt er in die Heimath zurück, begleitet von seinen Geniahlinnen nnd einer zahlreichen Familie, im Besitze unermeßlicher Rcichthümcr, die ihm Gott geschenkt hatte. Laban aber verfolgt ihn, will ihm alles rauben und ihn und die Seinen vernichten, wie es heißt: 'Bis on -am „der Aramäer wollte meinen Vater vernichten." Da erscheint Gott zur Rettung Seines Auserwählten, noch che Laban den Jakob erreicht, und spricht zu ihm.- Hüte dich, mit Jakob zu reden vom Guten zum Bösen. Unsere Weisen wenden den Ansspruch der heiligen Schrift (Hiob E. 29, V. 13): 'by -din nrü tan „der Segen des Vernichters (-din — Laban) wird über mich kommen," auf Jakob an. Diese Anwendung ist schwer zu verstehen, da doch Laban den Jakob nicht gesegnet hat; ja, Gott hatte ihm verboten, mit Jakob zu sprechen vom Guten bis zum Bösen. Um das zu verstehen, müssen wir zunächst zu erörtern suchen, warum Gott dem Laban verboten, auch Gutes mit Jakob zu reden. Zuvor aber müssen wir den von uns oben angeführten Ausspruch der heiligen Schrift (5. V. M., E. 26, V. 5) zu erklären versuchen. '.IN BJ7D »003 DET TT Nv'IW *TYi '3N 13X 'QN§ .311 Diity bm nH off „Der Aramäer wollte meinen Vater vernichte»; da zog er hinab nach Mizrajim und weilte daselbst mit geringer Anzahl und wurde dort zu einem Volke, groß, mächtig und zahlreich." Die Erklärung dieses Verses bietet große Schwierigkeiten. Der Wortlaut desselben scheint zu ergeben, daß Jakob ans Furcht vor Laban nach Egypten geflohen sei, was jedoch nicht zutrifft; denn nicht Laban, sondern Joseph gab die Veranlassung zur Uebersiedlung der Jakobsfamilie nach Mizrajim. Ein Ausspruch unserer Weisen im Midrasch wirft Licht auf das Dunkel und hilft uns diesen Vers in anderer Weise zu erklären. Rabbi Josua bcn Lewi sagte: Würdig wäre Riwkah gewesen, daß sie die zwölf Stämme geboren: aber es geschah deßhalb nicht, damit cs nicht heiße, der Segen Labans (1. B. M., C. 24,- V. 60):. „Unsere Schwester, Du mögest werden zu 1000 mal 10,000", gehe an Riwkah in Erfüllung. Aus demselben Grunde hat Gott nicht zugelassen, daß Laban den Jakob segne; im Gegentheile, er mußte ihm als -cm, „Vernichter" entgegentreten. Nunmehr konnte der Segen Labans, den er seiner Schwester Riwkah ertheilt, an Jakob in Erfüllung gehen, und daher kann man auf Jakob anwenden, den Ausspruch der heiligen Schrift rcro ton 'by i3is „der Segen des Vernichters (i3w-Laban) wird über mich kommen." Das sind die r»33i ’^>n, die chDK ni33i, die rwso mit denen Jakob gesegnet wurde. — Hätte sich der Segen Labans an Riwkah erfüllt, so wären in den 150 Jahren, die zwischen der Verheirathung der Riwkah und der Uebersiedlung der Israeliten nach Mizrajim liegen, die Rachkomnlen Riwkahs schon sehr zahlreich geworden. Demnach ist der oben citirte Vers folgendermaßen zu erklären: Der Aramäer (Laban) trat meinem Vater als Vernichter gegenüber. (Hätte er ihn gesegnet, so wäre auch Jakob nicht zu einem großen Volke geworden, da eben Laban die Riwkah gesegnet), so ging er (Jakob) nach Mizrajim mit geringer Anzahl und ward, erst dort zu einem Volke, groß, mächtig und zahlreich. Wir wissen nunmehr, warum Gott nicht zu-

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