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Der Israelit · 1885-11-12 · Heft 88 (12.11.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 88 (12.11.1885)
Date
1885-11-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1507 sondern die Kinder lernen auch die Bibel schätzen und achten, der religiöse Sinn werde gebildet und der Anschauung^- und Gedankenkreis erweitert und geklärt. Aus dem Grunde sei es wünschenswert!), daß das Bibellesen auf der Oberstufe jüdischer Volksschulen, wenn die Kinder bereits eine Fertigkeit im mechanisch-geläufigen Lesen besitzen, betrieben werde. Was die Einordnung des Gegenstandes in den Lehrplan beträfe, so sei er, da man bei der oft zu hörenden Klage über Uebcrbürdung auf eine Ucberstnnde nicht rechnen darf, cmpfehlcnswerth, das Lesen im Anschluß an die biblische Geschichte zu nehmen, etwa in der Weise, wie es Zahn und Kehr verlangen. Hierzu könnte man die letzten 15—20 Minuten der Stunden verwenden. Allerdings würde diese Zeit kaum ausreichen, um die Bibel ihren wesentlichen Theilen nach, auch nur einmal in den 2 Jahren zu lesen. Das Schnell-Lescn nütze nichts. Soll der Zweck, um dcsscmwillen die Bibel gelesen wird, erfüllt werden, so darf cs nicht mechanisch und mit Eile betrieben werden, sondern das erklärende Wort des Lehrers muß das eintönige Lesen beleben. Im Schlußwort bemerkt Redner, daß die Liebe zu den Kindern und die Erkenntnis;, daß die Bibel heutzutage in der jüdischen Familie leider nicht die Hochachtung genieße, die ihr gebühre, ferner das; besonders das weibliche Geschlecht, das sie nicht durch die Ucbersetznng kennen lerne, sic hochachtcn und schätzen lerne, ihn, trotz Erkenntniß der Schwierigkeit, die der Einführung entgegen stände, dennoch bewogen habe, seine Vorschläge dem Nrthcilc der Versammlung zu unterbreiten. Referent erntete lauten Beifall für die fleißige Arbeit und der Vorsitzende spricht ihm den Dank der Versammlung aus. In der Debatte drückte Dr. Kayserling-Hannover seine Freude ans, daß der Referent an den alten Spruch nnw &npc eum erinnert habe. Es wäre daher auch wünschenswert!), daß diesem Grundsätze gemäß, man jeden Sonnabcudnachmittag die Bibel lese, womit Gotthelf-Geestemünde nicht einverstanden ist, da man den Kindern den freien Sabbat-Nachmittag nicht rauben dürfe. Dr. David ist gegen den von dem Referenten gewünschten Bibelauszug und meint, daß die zu dessen Gunsten geltend gemachten pädagogischen Bedenken größtentheils wegfallen, wenn man, was sich schon an und für sich empfiehlt, hauptsächlich die poetischen Bücher zum Gegenstand der Lektüre wählt. Fauerbach Hildesheim ist gegen regelmäßiges Bibellesen, weil es bei den wenigen Stunden, die für den Religionsunterricht abfallen, au Zeit hierzu fehlt. An der weiteren Debatte betheiligen sich uud treten warm für den Unterrichts- .gcgenstand ein die Herren Dr. Groncmann, Eckmann Nienbnrg, Lcvisohn-Verdcn n. a. m. Die Thesen wurden in folgender Fassung angenommen: I. Es ist wünschenswerth, daß auf der Oberstufe jüdischer Schulen das Bibellesen einen Theii des Religionsunterrichtes ansmache, denn a) dadurch wird Verständnis; des Inhaltes, lr) die Bildung des religiösen Sinnes gefördert uud c) die Werthschätzung der Bibel angebahnt. II. Das Bibellcsen ist in organischer Verbindung mit dem biblischen Gcschichts- oder Rcligionsuntcrichte in mindestens stündigem wöchentl. Unterrichte zu betreiben. III. Die Auswahl des Stoffes muß mit Ausschluß von pädagogisch ungeeigneten Stellen so getroffen werden, daß die Kinder die Bibel ihren wesentlichen Theilen nach möglichst kennen lernen. IV. Für die methodische Behandlung des Bibcllcsens sind dieselben Gesichtspunkte zu beachten, die bciln allgemeinen kursorischen Lesen in Betracht kommen. R u m ä n i e n. Bukarest, üo. Oktober. Nicht weniger als zwölf Journalisten erhielten gestern die Weisung, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen. Es befinden sich darunter Redakteure von solchen Blättern, die ausgesprochen gonverncincntal, ja selbst von der Regierung subventionirt sind, und einige der Ansgewiescnen haben sich überhaupt nicht mit Politik befaßt, sondern waren ausschließlich bei belletristischen Blättern thätig. Da man Niemanden die Gründe der Landesverweisung mitthciltc, so ist man diesbezüglich blos auf Vcrmuthungen angewiesen, und dürfte die nachstehende Annahme der Wahrheit wohl am nächsten konnncn: Vor einiger Zeit war in der „Times" ein Artikel erschienen, welcher in scharfer, jedoch vollkommen wahrheitsgetreuer Weise die Uebcrgriffc schilderte, welche sich verschiedene Distriktsbehörden den Inden gegenüber zn Schulden kommen ließen, und bald darauf begab sich auch eine Deputation von Londoner Juden zur Lord Salisbury, um dessen Intervention zu Gunsten der unterdrückten Glaubensgenossen in Rumänien in Anspruch zu nehmen. Da nnn die Regierung nicht wußte, wer jene Schilderung in der „Times" verfaßte uud direkt oder indirekt den Schritt jener Deputation veranlaßtc, wohl aber annahm, daß dies nur ein Jude gewesen sein könne, so machte sie kurzen Prozeß und dccretirte einfach die Ausweisung sänuntlicher israelitischen Journalisten, denn alle Proscribirten sind ausnahmslos mosaischer Religion. Als besonders bemerkenswerth muß hervorgehoben wer-

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