Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1885)
- Date
- 1885-11-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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if>()6 handelt worden seien. Der Gerichtshof lehnte jedoch diese Bcweisanträge ab nud verurthcilte den Allgeklagten zn einer Geldstrafe von 200 Mark. Berlin, 7. Rov. Die hentigc Verhandlung des Beleidignngsprozeffes Schmidt-Elberfeld gegen 21 äcker und die Widerklage des Letzere» in der Berufungs-Instanz hat nicht nur, wie wir grmeldet, zu einem Verzicht auf die eingelegte Berufung, sondern überhaupt zu einem Vergleich beider Parteien geführt. Schmidt war in erster Instanz zu .">0, Stöcker zu 17.0 M. verurtheilt. Das Erkenntnis; gegen Stöcker enthielt die bekannte Motivirung, daß seine Unwahrhaftigkeit in früheren Prozessen nachgewiesen und daher gerichtsnotorisch sei. Gegen dieses Erkenntnis; wütheten die konservativen Blätter, beleidigten auch dabei mehrfach den Amtsrichter Kronecker und vertrösteten auf die Berufungs-Instanz. Beide Theile hatten Berufung eingelegt, Schmidt aber die seinige schon vor einiger Zeit zurückgezogen. In dem heurigen Termin erklärte sich der Vertreter Stöcker's zu einem Vergleich bereit, wenn Schmidt ein Viertel der Kosten übernehme. Schmidt weigerte sich und verlangte, das; Stöcker sämmtliche Kosten übernehme. Stöcker der nicht anwesend war, wurde herbeigeholt und acceptirte diese Bedingung. Damit wird das vielbesprochene erste Urtheil zwar nicht rechtsktäftig, aus der Welt geschafft ist es aber nicht. Wie sehr Stöcker jetzt jede richterliche Benrtheilung scheut, wird dadu.ch erst in das richtige Licht gesetzt, wenn man weist, daß die Kosten, die er übernimmt über 1000 M. betragen werden. Berlin, 7. November. Die in einem Stöckerprozeß in Siegen vom Gericht beschlossene Vernehmung der Herren Forckenbeck, Ludwig Löwe und D e r n b u r g darüber, ob der Kronprinz den bekannten, die Antisemitenbewegung verurtheilenden Ansspruch zu Stadtrath Magnus gethan habe, fand heute statt. Die Zeugen bestätigten die Tharsache des Ausspruches. Conitz, im November. Das sehr seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierten hier die früher Fleischermeister Michael Lewyschen Eheleute. Der Jubelgreis ist 86 Jahre, seine Ehefrau 82 Jahre alt, Beide erfreuen sich noch einer im Berhältnist zn einem solch vorgeschrittenen; Alter recht rüstigen Gesundheit. Seit ungefähr 40 Jahren ist L. unser Mitbürger, und hat sich durch seinen Fleiß und seine Thätigkcit so viel zu ersparen gesucht, datz er, von Niemand abhängig, eines ungetrübten Lebensabends geniesten kann. Unter großem Andrange des Publikums fand gestern Nachmittag 4 Uhr in der Synagoge, welche zu diesem Zwecke festlich erleuchtet und geschmückt war, eine Feier zu Ehren des Jubelpaares, umringt von den Kindern, Enkeln und Urenkeln, statt; die Weiherede hielt in regreifendcn Worten Herr Rabbiner Dr. Roth. Der erhebenden Feier schloß sich für die Verwandten und Bekannten des Jubelpaares eine Festtafel an. Hannover. (Schluß.) Herr Katz-Hanuover rcferirre über „das Bibellese» in der jüdischen Schule." Referent äußerte sich etwa folgendermaßen: Es sei zu bedauern, daß die jüdische Schule auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes der christlichen nicht in der pädagogischen Behandlung nachahme, als ob für uns keine Pädagogen gelebt hätten. Während dort das Bibellesen bereits seit Jahrhunderten einen Hauptbestandteil des Religionsunterrichtes ansmache, und man den großen Einfluß, den es auf das kindliche Gemüth ausübe, erkannt habe, sei bei uns wenig davon zu spüren. Die christlichen Kinder wüßten in der Bibel bester Bescheid als die unsrigen, sodaß dieser Zustand die Verwunderung des bibelfesten Christen Hervorrufe. Dies Mißverhältnis; entstehe aber dadurch, daß iu den christlichen Schulen der Beschäftigung mit der Bibel ein größerer Raum angewiesen sei, als bei uns, und daß die bedeutendsten Männer der Wissenschaft und Pädagogik, ohne Unterschied des religiösen Standpunktes den Werth der Bibel erkannt Haben, und deshalb den fleißigen Gebrauch derselben für die Schule empfehlen. Die in jetziger Zeit leider vorherrschende mangelhafte Kenntniß der Bibel erfordere das Bibellesen in der jüdischen Schule. Denn durch das Uebersetzen und den biblischen Geschichtsunterricht werden die Kinder wohl mit einem großen Theile der Bibel bekannt gemacht, aber der weitaus größere und schwierigere Theil, besonders der poetische, bleibe ihnen ein Buch mit 7 Siegeln. Selbst dasjenige, dessen Inhalt durch das Uebersetzen vermittelt werde, sei mangelhaft zu nennen, da durch das wortgetreue Uebersetzen den Kindern der Zusammenhang nicht recht zum Bewußtsein komme. Auch durch die sogenannte Bibelkunde sei dem Uebel wenig abzuhelfen, indem in diesem Falle die Kinder nur mit gelehrten Notizen und trockene» Inhaltsangaben belastet werden, die weil sie langsam und schwer erlernt, desto schneller und leichter vergessen werden. Die Kenntniß der Bibel kann man aber, wenn man das Princip der Anschauung wahren will, nicht durch Sprechen über die Bibel, sondern nur durch das Lesen einer guten deutschen Ucbersetzung. Nicht allein der Inhalt werde durch das Lesen vermittelt.