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Der Israelit · 1885-11-12 · Heft 88 (12.11.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 88 (12.11.1885)
Date
1885-11-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1508 * bcii, das; fast Alle hier geboren, nur zwei fremde Untcrthancn sind, und daß sonrit, da das Auswcisnngcgcsetz lediglich auf Fremde anwendbar ist, hier nach der Ansicht aller Rechtskundigen ein Act der Willkür vorliegt, was jedoch von gonveruementalcn Blattern mit dem Hinweise darauf bestritten wird, das; Inden, welche im Lande geboren, und selbst wenn sie niemals fremde Untcrthancn waren, dennoch als Fremde betrachtet werden, so lange sie nicht durch ein Botnm der gesetzgebenden Körper die Naturalisation erlangt haben. Gerade bei den vorliegenden Ausweisungen zeigt cS sich aber klar, wie unhaltbar dieses Princip ist, denn da keiner der Ansgewicsencn von irgend einer fremden Consnlarbehördc einen Pas; zn erlangen vermag, so ist die Polizei gezwungen, den erwähnten Journalisten rumänische Pässe ausznfolgen. Die Ausgewiescnen, von denen der größte Theil ans wenig bemittelten Fann'lienvätern besteht, ertragen ihr Schicksal mit Resignation und hoffen, daß ihnen früher oder später die Rückkehr in ihre Heimath wieder ermöglicht werden wird. (S’iuc große Paniqne hat' sich übrigens bei dem gegenwärtigen Anlässe der Israeliten iin Allgemeinen bemächtigt, die, wenn sie auch nicht pnblicistisch thätig sind, sondern sich als Kanslentc oder Gewerbetreibende ernähren, dennoch die Befürchtung hegen, cs könne durch Ausweisungen die Jndcnfrage in Rumänien gelöst werden?! N n ß.l a n d. Odessa, 28. Oclobcr. Die Auswanderung der Inden nach Palästina dauert noch immer fort und fast mit jedem Dampfer nach Alexandrien reisen Kolonisten nach Palästina. Das größte Kontingent bilden, dem „Odesski Lijtok" zufolge, junge Leute, die häufig einen höheren Bildungsgrad besitzen. Dieser Tage sind wieder einige junge Leute, von denen zwei das Gymnasium absolvirt haben, nach Jaffa ansgcwandert und wollen sich dort in den zwei Stunden von Jaffa entfernten jüdischen Kolonien Rischan l'Zion und Katra niederlassen. Bulgarie n. -Sofia. Die wichtigen Ereignisse, die sich auf der Balkanhalbinsel zugetragen, haben ganz Guropa überrascht, aber die Israeliten in Sofia noch mehr als die übrige Welt. Am Freitag Abend, den 16. September, am Vorabend des Versöhnungstages, im Augenblicke, als die Israeliten in der Synagoge das tu bi rccitirtcn, empfing die Bevölkerung die Nachricht, daß die bisherige Regierung in Philopoppcl gestürzt unb die Vereinigung Rumclieus mit Bulgarien proclamirt worden. „Tod den Türken! Hoch das vereinigte Bulgarien!" wurde in den Straßen gerufen. Ein achtjähriger Knabe brachte seinem Vater in der Synagoge die Nachricht, daß in der Stadt eine Revolution ausgcbrochen sei, nnd daß alle isr. Kinder im Judenviertel weinten und nach ihren Eltern riefen. Der Gottesdienst wurde unterbrochen und Alles eilte nach Hause und verbrachte, weil die eigentliche Ursache des Aufruhrs in der Stadt noch nicht bekannt war, eine sehr unruhige Nacht. Um 8 Uhr des andern Morgens begaben sich drei junge Israeliten zum Polizeipräfecten und drückten demselben im Namen der isr. Gemeinde ihre Freude über das glückliche Ereignis; aus, indem sie hinzufügten, daß die Israeliten an diesem heiligen Tage Gott bitten werden für das Gelingen der Vereinigung des Vaterlandes unb sich Vorbehalten, von Sonntag an sich den patriotischen Knndgebnngxn ihrer Mitbürger anzuschließen. Der Präfect empfing die Delegirten freundlich und entließ sie mit den Worten: Es ist glücklich, daß dieses Ereignis; an einem für Sie so heiligen Tag geschehen. Beten Sie zum Gott Israels, für sich nnd uns; das Vaterland wird Ihnen Dank dafür wissen. Diese Worte wurden dem Oberrabbiner nnd dem Gemeindevorstand berichtet, und der Gottesdienst begann um 10 Uhr. Der Oberrabbiner hielt eine patriotische Predigt, bei der mehrere Christen anwesend waren. Am Sonntag begab sich der Oberrabbiner in Begleitung zweier Notablen zum Minister des Innern: sic gratulirten im Namen der jüdischen Gemeinde und versprachen ihre Mitwirkung. Der Minister dankte und sagte ihnen, daß das Land, die Regierung und der Fürst von den Inden den Umständen entsprechend Opfer an Geld und au Blut fordere. Sofort begannen die Zeichnungen unter den Inden, und während des Hüttenfestes schon konnten 12000 Fr. dem Staatsschätze übergeben werden. Tie Subscriptionen dauern fort. Andererseits lies; sich eine gute Anzahl junger Leute als Freiwillige einschreiben, welche mit de» jungen Israeliten aus Widdin, Sistova, Rustschuk n. s. w. eine Abtheilung von 000 wohlbekleidetcn Soldaten bildeten, bereit ihr Leben fürs Vaterland zu opfern. In Philippopel zeigten sich die Juden als Freunde der Türken; sie sagten, daß sie der neuen Regierung nnr dann gehorchen werden, wenn der Sultan auf seine Rechte anf Rumclien entsagt und sie öffentlich auf den Fürsten 'Alexander übertragcn hat. Ist der Patriotismus der bulgarischen und rumelischen Israeliten, in dieser Weise bethätigt, nicht bewnndernswerth?

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