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Der Israelit · 1885-11-12 · Heft 88 (12.11.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 88 (12.11.1885)
Date
1885-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1501 gewöhne» sic dieselben auch daran, das (Griechische als ihre eigentliche Muttersprache zu betrachten. Die Heranwachsende jüdische Generation daselbst wird daher fast schon gänzlich gräcisirt sein. Zwar schicken auch die Juden auf den jonischen Inseln ihre Kinder in die dortigen griechischen Schulen und halten sie dieselben gleichfalls fleißig dazu an, griechisch zu sprechen; dieselben denken jedoch nicht daran, ihre italienische Abstammung zu verleugnen und sich gänzlich den Griechen zu assimiliren. Im Gcgcnthcilc, sie sind stolz darauf, Söhne der klassischen Jtalia zu sein und deren wohlklingende Sprache — das Neugriechische verdient heute schon längst nicht mehr, das ihrer Mutter, dem Altgriechischen, vom Talmud gespendete Lob nronran nuw&n ho p (die herrlichste unter allen Sprachen) - zu reden. Uebrigens wird ja das Italienische auch von den Griechen mit Vorliebe gepflegt, das noch heute in den griechischen Seestädten, sowie in den übrigen Hafenstädten am Becken des Mittelmeeres, fast die ausschließliche Handelssprache ist. Auf der Insel Gnboea (ehemals Regropontc) leben und zwar in dem Städtchen Ehalkis und dessen Umgebung wirklich griechische Juden, deren Vorfahren noch vor dem rva pT.n (Zerstörung des zweiten Tempels) Palästina verlassen und sich in Griechenland angesiedelt haben. Ihre'Mutter- und Umgangssprache ist daher noch heute das Griechische, auch kleiden sic sich wie die übrigen Griechen und haben sic auch ihre eigenen Synagogen-Gebräuche, die wir mit Recht ]r Mrue (griechische Gebräuche) nennen könne». Ihre Anzahl ist jedoch sehr klein, da die Verfolgungen, welche unter den byzantinischen Kaisern, dann während der Krcnzzüge und später während der Herrschaft der intoleranten Vcnetiancr über die jüdischen Gemeinden in Griechenland und auf besten Inseln hereingebrochen sind, dieselben fast gänzlich vernichtet und vertilgt haben-. So leben sie zumeist, wie ihre alten Vorfahren, vom Ackerbau und der Viehzucht. Sie verheirathen sich gewöhnlich untereinander, und viele ihrer weltlichen Sitten und Gebräuche lassen deren jüdischen Ursprung leicht errathen. Diesen unseren Glhnbcnsgenosten werden wir nächstens einen besonderen Artikel widmen. Türkei. Konftarrtinopel. *) Das türkische Reich steht nun abermals am Vorabende wichtiger Ereignisse, und neuerdings rufen die slavischcn und die griechischen Bewohner desselben: Kommet, lasset uns dessen *) Nachdruck verboten. Joch abwcrsen und uns einen christlich-nationalen Herrscher geben! Rührend ist es daher anznsehcn, wie sich in diesem erlisten Momente die mohamedanischcn und jüdischen Unterthanen des Sultans Abdul Hamid ihrer Pflichten, die sie gegen ihren erlauchten Fürsten und ihr Vaterland haben, erinnern und sich beeilen, ihre Opfergabcn vor den Stufen des Thrones niederzulcgcn. So hat sich in Adrianopel auf Anregung des dortigen General- Gouverneurs Hadschi Izzet Pascha ein Verein gebildet, welcher das eben an die Grenzen Ostrumeliens beorderte zweite ArmeccorpS mit Wintcrjacken (Kirkas) versehen will, und gehören diesem Vereine auch viele Inden dieser Stadt und anderer Städte Rnmeliens an. In Salonichi hat sich wieder ein aus Türken und Inden zusammengesetztes Eomite gebildet, das auch sogleich eine Subskription zu dem Zwecke cröffnete, um die an der serbischen und griechischen Grenze stehenden türkischen Truppen mit Lebensmitteln, Kleidern und Medikamenten zu versorgen. Sultan Abdul Hamid hat so ncncrdings Gelegenheit, sich von der Loyalität und'-Anhänglichkeit seiner jüdischen Unterthanen zu überzeugen, die aus Dankbarkeit gegen das Hans Qsman noch zu jeder Stunde bereit waren, ihr Gut und Blut für dasselbe zu opfern. Das genannte Regentenhaus verdient es aber auch im vollen Maße, daß seine jüdischen Unterthanen ihm stets ihre volle Treue bewahren, denn die türkischen Sultane waren immer gute und milde Fürsten für die Nachkolmneu Jakob's und nicht nrit Unrecht heißt cs von denselben in jüdischen Chroniken des Mittelalters, vba -um obo dh Ion (die türkischen Könige sind mildthätige Regenten). Die türkischen Sultane haben für die Inden keine Scheiterhaufen errichtet, sic haben nie daran gedacht, die Juden aus ihrem Reiche zu verbannen und ebenso wenig kam cs ihnen je in den Sinn, den Inden ihren Glauben zu rauben und ihnen dafür den Islam anfzuoctroyiren. Israel wird daher nie anfhörcn, dankbar gegen das Hans Osman zu sein. A f r i k a. Kairmrn *). -»oyn nnxi nasr ncn. „Sic werden verschwinden, du aber wirst ewig bestehen." An diese Worte des göttlichen Sängers wurde ich erinnert, als ich vor ungefähr zwei Jahren eine aus Kairnan an das arabische Amtsblatt in Tunis gerichtete Mittheilung las, welche meldete, daß die ehemalige Khalifenstadt und das Mekka Afrikas, in der einst auch eine zahlreiche, wohlhabende und *) Nachdruck verboten.

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