Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 87 (9.11.1885)
- Date
- 1885-11-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1491 sich wählen können. Die rclißiöfc Stellung der einzelnen Mitglieder kommt demnach gar nicht in Betracht, und wenn einmal ein Commissionsmitglied die gesctzestreucn Juden „eine verschwindende Minorität unzurechnungsfähiger Köpfe" genannt hat, so kann man diesen Herrn nur bedauern, daß er eS gewagt, ein Urtheil über eine religiöse Richtung zu fällen, von deren Prinzipien er zur Zeit keine blasse Ahnung gehabt zu haben scheint. Run, das Studium der Quellen zur Geschichte der Inden in Deutschland dürfte den urthcilsfcrtigcn Herrn eines Besseren belehren. Die Rcsponsenliteratur erfordert zu ihrer Bearbeitung allerdings eine Kraft, wie sie die Commission in ihrer bisherigen Zusammensetzung nicht entfernt aufzuweisen hat; für diese schwierige Arbeit wird, wie wir hören, ein streng gesetzestrener, dem Berliner Rabbiner-Seminar nahestehender Gelehrter gewonnen werden, der durch zahlreiche litcratnrwiffenschaftlichc Arbeiten sich einen klangvollen Namen erworben hat. Eine harte Fehde ist entbrannt, ob der Nichtberufung des Herrn Prof. Gr ätz in die Commission und die „Israel. Wochenschrift", nebenbei bemerkt das einzige Neformblatt, welches wegen seiner maßlosen Angriffe auf Herrn Dr. Kristeller das Programm der histor. Commission vom Ausschuß des D- I. G. B. nicht zngcsandt erhielt und von dieser Seite überhaupt ignorirt werden zu sollen scheint, eifert zornerfüllt gegen das ganze Unternehmen im Allgemeinen und gegen die Nichtberufung des Prof. Grätz im Besonderen. Gewiß wäre es wünschenSwerth gewesen, daß auch dieser Gelehrte, obwohl er als Qucllenforscher nicht einem Wattenbach und Weißsäckcr an die Seite gestellt werden darf, mit noch anderen Männern sofort in die Commission berufen worden wäre. Cs ist nicht geschehen aus einem internen Grunde, den wir der Oeffentlichkeit zu übergeben uns nicht für befugt erachten. Im klebrigen wird zunächst eine Bibliographie des handschriftlichen und gedruckten Materials von Dr. Steinschneider verfaßt werden, was c. sechs Monate in Anspruch nehmen dürfte. Prof. Geiger wird eine Zeitschrift herausgebev, welche kleinere Quclleneditionen, Abhandlungen, Handschtiftenverzeichnisse u. s. w. veröffentlichen soll! Das ganze Unternehmen darf unser Interesse voll und ganz beanspruchen und wünschen wir nur, daß die historische Commission recht lange leben und ihr Ziel kraftvoll verfolgen und erreichen möge. Hannover. Dem Protokoll der am 28. September zu Hannover stattgefundenen Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover entnehmen wir: Herr Katz-Münden legte seinem Bortrage statt des Themas: „lieber Mittel und Wege zur Crrcichung einer Gchaltsskala," das allgemeinere zu Grunde: „Welche Mittel und Wege sind einznschlagen, um eine materielle Besserstellung der Lehrer herbciznführen?" Nachdem er in der Einleitung auf die , Bedeutung und den idealen Charakter des Lchrerbernss hingewicsen, kommt er auf die Schwierigkeiten seiner materiellen Lage zu sprechen. Der jüdische Lehrer vollzieht meistens vier Funktionen: er ist Lehrer, Vorderer, Schochet und Prediger und dafür beziehe er durchschnittlich ein jährl. Gehalt von 900—1000 M., eine Summe, die der christliche Lehrer allein für die Lehrerfnnktion erhalte. Die Verpflichtung und Befugniß der Lehrer zu predigen sei darin begründet, daß auch das Mitglied einer kleinen jüdischen Gemeinde, das der hebräischen Sprache unkundig, weder für den Inhalt des vorgclesencn Thoraabschittcs, noch für die Bedeutung der Gebete ein rechtes Berständniß habe, den Anspruch erheben darf, durch eine Predigt mit Andacht und religiöser Weihe erfüllt zu werden. Eine solche erfordere aber, soll sie ihren Zweck erfüllen, Fleiß, Geist und Geschick. Daher sei es billig, daß dem Lehrer für daS Predigen ein besonderes Honorar ansgcworfcn werde. Aber auch für die anderen Nebenfnnktionen des Lehrers müsse demselben eine Vergütung zu Theil werden. Doch es gäbe viele Gemeinden, denen cs schwer fiele, die Mittel zu erschwingen, um alle diese Forderungen zu erfüllen. Darum müsse auf anderem Wege Abhülfe geschaffen werden. Zunächst sei, wie der Herr Referent vorschlägt, durch eine der deiitschen Rcichsfcchtschulc ähnliche Organisation die Privatwohlthätigkeit für solche Zwecke in Anspruch zu nehmen, denn: „Viel Wenig geben ein Viel, vereinte Kräfte führen zum Ziel", dann hätte hier auch der Deutsch-Israelitische Gemeindcbnnd helfend cinzngrcifcn, und damit er dazu im Stande ist, sei cs Pflicht der Rabbiner und Lehrer ihre Gemeinden, seien sie noch so klein, zum Beitritt zu veranlassen. Ferner müßte die Unterstützung der Staatsbehörde durch eine Massenpetition erstrebt werden, damit erforderlichen Falles durch Zwangsmaßrcgcln die nötigen Hilfsfonds aufgebracht werden. Was insbesondere das Schächten anbcträfe, so sei für dasselbe eine einheitliche Gcbührentaxe einzuführen und etwa 3 Mk. für ein großes Stück Vieh zu erheben. Bis jetzt bestände in dieser Beziehung in unserer Provinz die größte Ungleichheit. Die Mraus sich ergebende Mehrausgabe träfe nur den Metzger und dieser könne sie