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Der Israelit · 1885-11-09 · Heft 87 (9.11.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 87 (9.11.1885)
Date
1885-11-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1490 Zeit zu widmen hat, und kann demzufolge diesem Gegenstände nicht mehr Zeit zugcwendet werden, als ihm bereits gewidmet wird. Tiefem Einwande haben wir entgegen zn halten, daß durchaus nicht m e h r Zeit für den Unterricht in der jüdisch-deutschen Kurrentschrift beansprucht werden soll. Im Gegenthcil: es soll weniger Zeit verbraucht und dennochsollen andereZiele erreicht werden. Und dies kann lediglich dadurch geschehen, das; wir den Unterricht in wirklich rationeller Weise betreiben und bei Vertheilung und Behandlung des zu verarbeitenden Stoffes uns von methodischen Grundsätzen leiten lassen. Um größere Resultate in vcrhältnißmäßig kurzer Zeit erzielen zu können, müssen wir dem alten Schlendrian den Rucken zuwcnden, müssen wir uns von der veralteten, mechanischen, ebenso sinnlosen, wie geisttödtenden Lehrweise lossugen, die statt Liebe und Interesse für die Sache, Langeweile und Gleichgültigkeit gegen dieselbe beim Schüler erweckt, indem man dieselben ein Aleph, Büß, Gimmel u. s. f. so lange vorschrcibt, bis er sämmtliche Buchstaben des Alphabet wohl gar zierlich nachschrciben kann, auch wohl mit Roth deren Rainen anzugebcu im Stande ist, aber nichts damit anzusaugen weiß. — Um schnell und leicht das vorgestecktc Ziel erreichen zn können, muß, wie bereits augedeutet wurde, vor allen Dingen der zn behandelnde Stoff methodisch geordnet werden, indem man anch hier von dem Grundsätze sich leiten läßt, der der Grundstock alles Unterrichts sein muß: „Vom Leichten zum' Schweren; vom Einfachen zum Zusammengesetzten!" Der Unterricht muß stufenweise fortschreiten, wobei dem Kinde die Entwickelung des einen Buchstaben aus dem anderen vor's Auge geführt wird uub cs die Art und Weise seiner Entstehung selbst beobachten kann, damit feststehende Formen erzielt werden und jedes Schwanken beseitigt werden. Es ist zu verwundern, in welch verschiedenen, von einander abweichenden Formen und Größen dieselben Buchstaben in den verschiedenen, schon vorliegenden gedruckten Vorschriften vor unser Auge treten, so daß es Manchem, besonders dem Anfänger, schwer wird, in den verschiedenen Formen und Größen denselben Buchstaben wicderzusinden. Hier sollte uns doch unsere Onadratschrift, von der wir die Grundformen unsere Eurrcntschrift mit Fug und Recht herleiten können, den richtigen Maßstab au die Hand geben, damit jede Willkür schwinde, und feststehende Formen und Größen vorhanden sind. Mit dem Schreiben muß aber anch das Lesen Hand in Hand gehen, damit der Schüler sofort weiß, was er mit dent erlernten Zeichen anzufaugen, wie er es zu verwenden hat. Aus den erlernden Buchstaben sind sofort Wörter zu bilden, damit das Schreiben des betreffenden Buchstaben in seinen verschiedenen Stellungen, sei cs am Anfänge, sei es in der Mitte oder endlich am Schluffe, dem Kinde geläufig werde. Dies führt uns auf die specielle Methodik dieses Unterrichtsgegenstandes, der wir demnächst -."22 ein zweites Kapitel widmen wollen. Zeitungsnachrichten und Correspondenze». D e n t s ch l a n d. - Berlin, 5. Nov. Der Minister des Innern hat verfügt, daß den aus Westpreußen ausgewiesene» Russen, deren Rückkehr nach Rußland auf Schwierigkeiten stößt, der Aufenthalt auf ein Jahr prolongirt werde. Berlin, 5. November. Tie „historische E 0 m missi 0 n", welche sich Hierselbst auf Anregung des „dcutsch-israelit. Gemeindebundes" constituirt hat, hat schon kurz nach ihrer Geburt viel Staub aufgewirbelt und zu allerhand Mißverstäudniffeu Veranlassung gegeben, auf welche anch eine Corresp. aus „Mitteldeutschland" im „Israelit" znrückzuführe» ist. Ter gcsch. Einsender irrt gewaltig, wenner meint, die Aufgabe der Eommission bestehe in der Abfassung einer Geschichte der Inden in Deutschland. Die Eommission will vielmehr nur die Quellen zn einer solchenGeschichte zusammenstelle», sie will Handschriftenverzeichnisse sammeln und alles nur irgendwie zugängliche, für eine unparteiische Darstellung der Geschichte der Juden nothwendige Material Zusammentragen und dem späteren Historiker zur Verfügung stellen. Es ist eine reine wissenschaftliche Aufgabe, welche sich die Eommission stellt, und wir können uns nur von Herzen freuen, daß man diesem bisher so stiefmütterlich behandelten Thcile der Geschichtsforschung jetzt Jntereffe entgcgenzubringen beginnt. Zur Leitung dieser überaus mühevollen Arbeit sind natürlich die ersten Fachkräfte, ein Stobbe, Weizsäcker, Watteubach, Breßlau u. s. w. berufen, Männer, die in ihrer Eigenschaft als Geschichtsprofefforen an deutschen Universitäten sich am leichtesten mit der Materie vertraut machen können und denen die Regesten und die anderen Urkunden am ehesten zur Verfügung stehen. Diese Commission wird nun in jedem einzelnen Fache die geeignetsten Gelehrten (Arbeitsleiter) zn Hilfe ziehen, welche wiederum ihre Hilfsarbeiter

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