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Der Israelit · 1885-11-09 · Heft 87 (9.11.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 87 (9.11.1885)
Date
1885-11-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I486 Palästina. Jerusalem, 12. Eheschwon. Unter den Borzüger?Palästina's, welche bei der Verheißung diese» Landes an da« Volk Israel, aufgezählt werden, nimmt das diesem Lande, zum Unterschiede von Aegypten, eigcnthümliche Phenomen, der Regen, die erste Stelle ein: c'D nnsm D'ctsn illvv iL'x ps Und wirklich ist der Regen, diese größte Wohlthätcriu aller Länder, beim heißen Klima und bei der Armuth Palüstina's an Flüssen von der größten Bedeutung. Eigenthümlkch und merkwürdig aber ist die Erscheinung, daß der Regen in diesem Lande, niemals eine bestimmte Zeit inne hält und doch immer zur rechten Zeit kommt, um nicht blos eine Hungersnoth zu vermeiden, sondern Segen und Fülle zu spenden. .npisfr misn rs jru o Und Thatsache ist, daß eine Hungersnoth in Palästina, und namentlich in Folge" des Regens, zu den größten Seltenheiten gehört. Wenn dennoch von Jerusalem aus jedes Jahr über angebliche Hungersnoth geklagt wird, so bezieht sich diese Klage nur auf die Waffernoth in den Eisternen. Aber auch in dieser Beziehung ist die Klage eine unberechtigte. Die Schuld daran fällt einzig und allein ans die Hausbesitzer, die verhältnismäßig zu kleine Eisternen oder gar keine bauen. Uebrigcns ist im ärgsten Falle die Roth nicht so groß, denn wenn auch Wasser im Zeiträume von einigen Wochen gekauft werden muß, so kommt dies bei weitem nicht so theucr wie die Wassersteucr in den größeren Städten Europa'». Aber diese Zeit ist eine sehr kurze und, wie oben erwähnt worden ist, könnte dieser Roth leicht abgeholfcn werden. Einige schieben die Schuld an der Waffernoth auf die Negierung. Es wird ihr vorgeworfen, daß sie die alte aus Herode's Zeit herstammende Wasserleitung, die das reinste und beste Wasser von den Teichen Salomo's, etwa 50 Kilometer weit, nach der Stadt leitete, nicht Herstellen lasse. Aber auch diese Klage ist unberechtigt. Die Regierung hat einmal den Versuch gemacht, genannte Wasserleitung herzustellen; sie hat aber die Arbeit ans Mangel au Geld einstellen müssen. Darin ist die Negierung nur zu bedauern, aber nicht anzuklagen. JnWuropa bilden sich Gesellschaften zu einem solchen Unternehmen; an solchem Unternehmungsgeist fehlt cs aber in Palästina, wie in der ganzen Türkei überhaupt, und bei der Armuth des Lande» würde sich ein solches Unternehmen auch nicht lohnen. Aber in jedem Falle sind die, in irgend einem Juteresse, in die Welt geschlenderten Klagen über Waffernoth ganz unberechtigt. Eine Eiftcrne, selbst die größte wird in einigen Wochen der Regenzeit angcfüllt und liefert nicht blo» den vollen Bedarf de» Hauses, sondern es wird noch Waller daraus verkauft. .Kommen wir auf die eigenthümlichc Erscheinung des Regen» und der Wittcrungsvcrhältuisse überhaupt zurück. Den ganzen Sommer, bis November herrscht eine durch die Lage des Landes gemäßigte Hitze, die sich aber doch, während 4 Monate, bis zu 40° erhöht und sich in dieser Höhe erhält. Indessen ist diese Hitze bedeutend gemäßigt, sowohl durch die Lage des Landes in einer Höhe von mehreren Hunderten Meter über dem Meeresspiegel und am Mittelmeer, als auch und namentlich durch de» starken Than, der bei Nacht die Erde abkühlt. Indem der Than die Hitze des Tages lindert und sie für Thiere und Pflanzen erträglich macht, erhält er die Pflanzen immer grün, selbst in einer Zeit, wo sie in Europa und unter einem viel nördlicheren Grade lange abgewclkt sind. Anfangs Octöbcr nimmt der Than ab und Regenwolken bedecken hin und wieder da» Firmament. Es ist die Zeit zum Ackern und man bedarf des Regens dazu. "Tie Eisternen werden immer leerer und der fliegen wird sehnlichst erwartet. Doch die Regenwolken ziehen vorüber und machen andern Platz, die wieder weiter ziehen, als wollten sie die Menschen reizen und ihnen ihre Rothwendigkcit beweisen, mwoa crci! v« diwi nrn owen Jinar pvvrom Immer ängstlicher wird der Bauer um seinen Acker, der Hausbesitzer um seine Eisterne. Getreide wird thcuerer und alle Borräthe von Unternehmern aufgckaust, um sic später noch theuercr zu verkaufen, denn eine Hungersnoth scheint unvermeidlich für das folgende Jahr. Da, wenn die Roth am größten, wenn die Aufkäufer von Weizen, zum Schaden der Armen, frohlocken, da kommt plötzlich, ohne Vorzeichen, der Regen und vernichtet die Pläne der habgierigen Unternehmer und wandelt die Angst der Armen in Freude; denn mit dem ersten Tropfen Regen fällt auch der Preis des Getreides und fällt mit jedem faltenden Tropfen. Tics wiederholt sich jedes Jahr. Jedes Jahr klagt man über bevorstehende Hungersnoth, jedes Jahr reizt die Habgier die Gcwinnlustigc» und jede» Jahr erweisen sich die Klagen als frühzeitig und unberechtigt. ,*£> mpji 'n wn nrw s£n jorom urv O’cstfn om V.'.rbH ns* rrivp nm '2

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