Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-11-09 · Heft 87 (9.11.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 87 (9.11.1885)
Date
1885-11-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449584--23187-2512851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1485 einem Verlust von 63 Mitgliedern) wieder hercingebracht. Der Verein zählt 94 gründende und 1465 beitragende, zus. 1559 Dtttgliedcr (gegen 1442 Im Vorjahre). An Jahresbeiträgen gingen fl. 3913, an Spenden fl. 1636.59 kr. ein, das Fondsvermögen beträgt fl. 18.556 vom. Die Kost wurde mit einem Anfwande von fl. 5236.66 kr. an 168 Stndircndc, welche sämmtlich durch Armuth, überwiegend auch durch Fleiß, Sittlichkeit und gute Fortgangsklaffcn einer llnterstütznng besonders würdig waren, verliehen und in der Art aufgebessert, daß viermal wöchentlich Rindfleisch nebst Rindssuppe, Zuspeise und Brod als Mittagskost verabreicht wurde. Gemäß Borstandsbeschlnsscs wird im Jahre 1885—1886 fünfmal wöchentlich Rindfleisch verabreicht und dadurch für die bessere Ernährung der angestrengtcn Schuljugend gesorgtwerden. R u m ä n i e n. Bukarest, 29. Okt. Die Negierung Bratianus scheint nach berühmten Mustern Vorgehen zu wollen, indem sic heute nicht weniger als zwölf Israeliten das Answeisungsdekrekt zustellen ließ. Obgleich die betreffenden Aktenstücke sich einfach ans die Mittheilung beschränken, daß der Adressat laut Beschluß des Ministerrathes und auf Grund des Fremdengesetzes angewiesen sei, innerhalb 24 Stunden das Land zu verlassen, so zeigt doch schon ein Blick auf die Liste der Ansgewiesenen, daß die Negierung mit dieser Maßregel eine freilich mißglückte Antwort auf die Petition der Londoner Judeuschaft bei Lord Salisbury zu Gunsten der rumänischen Israeliten zu geben beabsichtigt. — Es befinden sich nämlich unter den Ausgewiesenen sämmtliche Journalisten israelitischer Eonfession, von welchen man voraussetzen durfte, daß sie allenfalls irgend welchen Antheil an den Berichten der Auslandspresse über Judenverfolgungen in Rumänien haben könnten. Ich habe zwar die Klagen, als ob die Negierung Bratianus eine neue Aera der Judenverfolgungen zu eröffnen beabsichtige, darauf zurückgeführt, daß einzelne Protektionskinder der Regierungspartei, wie z. B. der ob seines Judenhaffcs berüchtigte Direttor der Papierfabrik zu Bacau, ihre hohen Verbindungen zur brutalsten Bethätigung des Racenhaffes verwerthen; ebenso habe ich erklärt, daß die Petition der Londoner Judenschaft bei Salisbury nur darnach angethan sei, die rumänischen Israeliten der Urheberschaft an diesem Schritte und des Strebens zu zeihen, eine Intervention des Auslandes zur Verbesserung ihrer Lage hcrbeiführen zu wollen, doch können mich diese im Interesse einer Klarstellung der vorhandenen Situation abgegebenen Erklärungen nicht hindern, die heute verfügten Ausweisungen als einen großen Mißgriff zu bezeichnen. Herr Armand Levy, der vor drei Monaten angeblich in der Absicht hierher kam, die rumänische Judenfrage zu studiren, verfolgte in Wirklichkeit den Zweck, eine Verbindung zwischen den Pariser Eommunards und der Bnkarester Socialdemokratie in Glacehandschuhen herzuftellen. Dieser Mann, welcher vor einigen Jahren Bukarest unter sehr unangenehmen Verhältnissen verlassen mußte und dessen Beziehungen zur „Alliance Jsraelite" erst vor wenigen Tagen förmlich dementirt wurden, hat das traurige Verdienst durch sein unerwünschtes Apostolat für die Sache des Judcnthums in Rumänien eine Aufregung unter den hiesigen Israeliten hervorgcrusen zu haben, welche der Regierung in Anbetracht der allgemeinen Situation Veranlassung zu den jüngsten Ausweisungen gegeben zu haben scheint. Unter den hiervon Betroffenen befindet sich ein Mitglied der Athenäums-Gesellschaft, Dr. Gastcr, ein um die Literatur und Alterthnmsknnde Rumäniens vielfach verdienter junger Gelehrter, dessen Leistungen auch in den wissenschaftlichen Kreisen Deutschlands volle Anerkennung gefunden haben. Ferner der dem deutschen Lcscpubliknm als Novellist bekannte Redakteur des „Bnkarester Tagblatt", Dr. Brociner, der Berichterstatter der „N. Fr. Pr.", zugleich Nedacteur der „Buk. Freien Presse", Jul. Schein, ein ruhiger, jedweder Agitation abgeneigter Mann. Wie „Nomanul" behauptet, soll auch der Herausgeber der „Buk. Fr. Presse", Dr. Hans Kraus, sammt bcu Eigcnthümcrn dieses Blates demnächst ausgewicscn werden. Würde sich diese Angabe bestätigen, so wäre es völlig klar, daß man in Rumänien die Berichterstatter für fremde Zeitungen los zu werden wünscht. Doch ist mir bis zur Stunde noch keine Kenntnis; geworden, daß man bei den Ausweisungen über den.Kreis der Journalisten mosaischer Religion hinansgehen will — eine Thatsache, die gerade durch ihre Beschränkung so recht von der Beschränktheit Zcugnitz geben würde, unter welchen die vorerwähnten, großentheils ganz harmlose Leute betreffenden Ausweisungsmaßregeln angcordnet wurden. (Rach einer späteren Depesche des Wolff'scheu Tel.-B. voni 30. Oct. ist gegen Herrn Dr. Kraus ein Ausweisungsbefehl nicht ergangen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.