Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 87 (9.11.1885)
- Date
- 1885-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1487 Jerusalem. Der Unterstützungsverein 2^2 yb hatte im Jahre 5644/45 eine Einnahme von 22853 Piaster und eine Ausgabe. von 25463 P. 2616 P. mußten aus dem Fonds, welcher nunmehr nur noch 12584 P. betragt, gedeckt werden. Der Verein hat einen der tüchtigsten Aerzie engagirt, der verpflichtet ist, wöchentlich an drei Tagen bis zu 46 Personen, seien diese Mitglieder oder nicht, unentgeltlich zu consultiren. Veyaöitttirt. 6rzahluug von Friedrich Ron. XII. „Wollen Sie gefälligst Platz nehmen," sprach Kornfeld und Beide ließen sich nieder. „Ist im Nebenzimmer Niemand fragte Stcinhard. „Ich wünschte und zwar in Ihrem Interesse, ungestört und unbelaufcht mit Ihnen zu sprechen." Kornfeld erhob sich nicht ohne Anstrengung, öffnete die Thür des anstoßenden Zimmers und blickte hinein. „d>3 ist kein Mensch drinnen," sprach er leise, „wir werden nicht gestört werden." „Sehr wohl," erwiedcrte Steinhard, „wollen Sie sich wieder zu mir setzen, ich möchte so leise als möglich mit Ihnen sprechen. — Sie sagten vorhin, daß Ihre Frau seit jenem schrecklichen Tage das Bett nicht verlassen habe — die brave, unglückliche Frau leidet, weil sic den Gedanken nicht ertragen kann, daß ihr Sohn ein Verbrechen begangen haben sollte. — Sic sind, selbstverständlich von der Unschuld Ihres Sohnes überzeugt. — Warum bringen Sie diese Ueberzengnng Ihrer Frau nicht bei?" „Ich habe es bereits versucht," entgeguete Kornfeld gepreßt, „wie oft habe ich ihr erklärt, daß nur Geistesstörung —" „Lasten Sie das Poffenspiel'." unterbrach ihn Steinhard heftig, „verleumden Sie nicht Ihren edlen Sohn, der sich für Sie geopfert." Aschfarbene Blässe überzog Kornscld's Angesicht. „Für mich geopfert? —" stammelte er, „ich verstehe Sie nicht." „Sie verstehen mich allerdings!" zischte Steinhard, „Mensch.' — Hallnnke! — Defraudant! —" Kornfeld krümmte sich förmlich unter diesen ihn vernichtenden Worten, dennoch wollte er sich zwingen, den Blick zu dem ihm Gcgenübersivenden zu heben. „Ich verstehe Sie nicht," wiederholte er stammelnd. „So verstehe ich Sie um so bester, elender Defraudant! — Und es gibt noch Andere, die Sie verstehen, die sich erinnern, daß Sie wenige Tage vor der einer Flucht ähnlichen Abreise Ihres Sohnes um dreißigtausend Gulden in Verlegenheit waren, die Sie unmittelbar nach der Verlobung Ihres Sohnes mit einer gewissen Dame erhalten sollten. Ihr Sohn hat sich zu der projektirten Verbindung nicht entschließen können, doch um Sic zu retten, hat er sich geopfert. — Sie sehen, ich bin gut informirt, und wenn ich jetzt Ihr Verbrechen anzeige, so sind Sie noch vor Sonnenuntergang verhaftet." „Gnade!" stammelte Kornfeld, indem er in die Knie sank und flehend die Hände emporstrcckte. „Schonen Sie meine unglückliche Frau, meine armen Kinder!" „Ihre unglückliche Frau will ich schonen," entgcgncte Steinhard, „einzig und allein ans diesem Grunde habe ich mich dieser mir überaus widerwärtigen Verhandlung mit Ihnen unterzogen. Ihre brave, rechtschaffene Frau kann den Gedanken nicht ertragen, daß ihr Sohn ein Verbrechen begangen. — Wollen Sie, daß ich Sie schone, daß ich nicht, wie ich es als Pflicht betrachten könnte, das Gericht von dem Verbleib der. verschwundenen 36006 Gulden in Kenntnis; setze — so theilen Sie Ihrer Frau den wahren Sachverhalt mit." „Unmöglich!" murmelte Kornfeld, verzweiflungsvoll die Hände ringend, „lieber eine Kugel durch's Hirn." ~ Um Steinhard's" Lippen zuckte es höhnisch. „Mir imponiren derartige Drohungen nicht. Leid thäte cs mir zwar, wenn Sic sie ansführen würden, denn ein so vollendeter Schurke Sie auch sind, Sie können sich ja doch noch bessern. Indessen, wenn ich vor die Alternative gestellt wäre, ob Sie sich erschießen oder ob Ihre brave Frau sich vor Kummer verzehren sollte, so wäre mir Ersteres doch bei weitem weniger leid. Von zwei Uebeln muß man immer das Kleinere vorzieheu." „Schonen Sie mich!" flehte Kornfeld, die Knie des Andern ulnklammernd. „Stehen Sie auf," gebot Steinhard barsch, „durch solches hündisches Benehmen gewinnen Sie