Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1885)
- Date
- 1885-11-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1474 der nach Berlin zuziehende Glaubensgenosse das Recht, sich der „isr. Gemeinde (Adaß- Jisroel)" anzuschließen; eine kleine Lücke, welche das Gesetz in diesen! Punkte noch anfweist, dürste nach den nothigen Schritten bei den Behörden baldigst aus ge füllt werden. Ferner darf die Gemeinde Verträge abschließcn, Legate annehmen, Beamte anstellcn u. s. w. Gin' weiter zustehendes Recht ist, sich zur Eintreibnrg der Beiträge der öffentlichen Execntivgcwalt zu bedienen. Die neue Genieinde setzt sich ans den ans der Hanptgcmeinde geschiedenen Mitgliedern vorläufig zusammen, der Vorstand muß aus der Zahl dieser Männer neu gewählt werden, während die Commissionen auch ans den neuen Mitgliedern sich rekrntircn können. Was wird nun die neue Gemeinde thuu? Sie wird weiter, wie bisher, ruhig und friedlich, aber auch fest und unentwegt ihr Ziel verfolgen, eine Stätte des gesetzestreucn Judenthums in der deutschen Hauptstadt zn sein und zu bleiben. Sie wird kräftig die inneren Institutionen ausbauen und neue schaffen, um ihren Mitgliedern möglichst viele Vortheile bieten zu können. Sie wird jedes eintretcnde Mitglied mit Freuden begrüßen; sie wird auch in Zukunft bemüht sein, wahre Glaubenstreue und innige Frömmigkeit unter ihren Mitgliedern zu fördern und zu erhalten, zu stärken und zu pflegen, wahrlich, eine herrliche Aufgabe, welche die wärmste Theilnahme und Unterstützung aller Gleichgesinnten verdient. — Der große historische Erfolg aber, den die Gemeinde errungen hat, besteht darin, daß nunmehr, allen menschlichen Eventualitäten gegenüber, in Berlin ein Boden dem gesetzestreucn Judenthun» fest gesichert ist, und zum himmlischen Vater wollen wir beten, daß er diese Wurzeln, welche sich heute in den Boden unserer Stadt gesenkt, sich ausbreiten und zu einem hochragenden Lcbcnsbaume erblühen lassen möge. Jene wackeren Männer aber, welchen wir den großen Erfolg zu verdanken haben, mögen sie weiterl'.aucu an dcni erhabenen Werke und vorwärtsschreiten auf der betretenen Bahn in dem freudigen Bewußtsein, daß cs einen Lohn gibt für ihr Thun und eine Hoffnung für ihre Zukunft! — Bl. O e st e r r. - N n g a r. Monarchie. Wien, i. Nov. Herr Dr. G. Wolf hier veröffentlicht zur Feier der silbernen Hochzeit des Freiherrn M o r i z von Königswarter und seiner Gemahlin E h a r l o tte, gcb. v. W e rth ei m st e in, eine kleine Festschrift unter de»n Titel: „Das TridentinischeEoucil und der Talmud." Das einzige Reue, welches die kleine Schrift enthält, ist ein Dankbrief der Juden an den Prager Erzbischof Anton Brus, welcher als Vertreter des Kaisers Ferdinand I. am Eoncil theilnahm. Bekanntlich hatte im Anfänge des 16. Jahrhunderts, unter Kaiser Maximilian I., der Renegat Pfefferkorn die Verbrennung der rabbinischen Schriften und namentlich des Talmud beantragt, bei welcher Gelegenheit der berühmte Gelehrte Reuch!in eifrig für die Erhaltung des jüdischen Schriftthums eintrat. Die Sache schleppte sich bis zum Schluffe des Trideutiner Concils (1563) hi». Das Eoncil entschied, daß der Talmud auch ferner gedruckt werden dürfe, daß aber eine Reihe von Stellen, die dem Eoncile anstößig erschienen, gestrichen werden sollten. Es sind das noch heute die Censurlücken, die leeren, nnbedruckten Stellen, die unfern Talmudausgaben in den Tractaten Sabbat, Gittin, Baba Kama, Baba Mezia, Baba Bathra, Abodah Sarah rc. und namentlich im Tractat Sanhedrin enthalten. Im Jahre 1562 wurde vom Eoncil zur Prüfung der Angelegenheit eine Commission eingesetzt, welche aus vier Erzbischöfen, neun Bischöfen, einem Patriarchen, einem Abt, zwei Ordensgenerälen, also aus 17 hohen geistlichen Würdenträgern bestand, die zu ihren Berathnugen andere Theologen zuziehen durften. Das relativ günstige Resultat war namentlich dem Präses der Commission, dem obenerwähnten Prager Erzbischof zu danken. An ihn richteten die Juden ein Dankschreiben in lateinischer Sprache, das »vir hierin der deutschen Uetertragnng wiedergeben. Dasselbe lautet: 1563; 13. Februar. „Die Gesandten der Juden danken den» Prager Erzbischöfe, Vertreter des Kaisers auf dem Tridentiner Eoncil, wegen seiner Bemühung fürdieWiederzulaffung des Talmud. „Erhabenster, Ehrwürdigster Erzbischof von Prag und verdientester Vertreter der kaiserlichen Majestät. „Daraus, daß Deine Erhabenheit, lute wir hörten, mit allen Kräften für die Wiederherstellung des Talmud, der ohnehin vollkommen correct ist, öfter gestritten und gekämpft hat, wissen wir vollständig, welchen Geist Tu hast, nämlich den wohlwollendsten. „Daher sagen »vir Dir, Ehrwürdigster, da wir einer solchen Bemühung nicht uneingedenk fein können. damit man es uns nicht zum Vorwurf mache, wenn auch nicht jenen Dank, den »vir schulden, doch jenen unsterblichen Dank, den wir sagen können, sowohl in unserem als im Namen der ganze» Gemeinde. Tie Sache wird bei den erlauchteste» Le-