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Der Israelit · 1885-11-05 · Heft 86 (5.11.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 86 (5.11.1885)
Date
1885-11-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Seilkge jtt Nr. 86 des IsraeM. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, l. November. So hatte denn Berlin zwei staatlich anerkannte Synagogengemeinden, eine „jüdische" nnd eine „israelitische!" Nach sechszehnjährigem Ringen und Mühen ist cs der „Adaß-Jisroel" gelungen, ihre Selbstständigkeit zu gewinnen, und jeder unbefangene Beurthciler wird gestehen müpen, der Siegespreis ist ehrlich erkauft worden. Nicht schnöde Gewinnsucht oder launenhafte Willkür begründeten die Berliner Separatgemcinde, nein, die heiligste Ueberzeugung, das unterdrückte Gewissen drängte jene Männer, die nicht so leicht ihr thcuerstes Gut hinzugeben gewillt waren, unwiderstehlich zum Austritt aus der bisherigen Gemeinschaft und zwang sie, eine besondere Bereinigung zu bilden, die es ihnen ermöglichte, in alter Treue ihrem Glauben anzuhängen. Hub schwere Opfer waren es, die diese Männer für ihre Sache darzubringcn hatten, jedes Anrecht auf die Privilegien der Gemeinde ging natürlich mit dem Augenblicke des Austritts verloren, allen Ansprüchen auf eine der vielen WohlthätigkeiLsanstaltcn und sonstigen Gcmcindcinstitute mußten sie entsagen. Diese nackte Thatsachc mußte schon allein die Angriffe und Verdächtigungen entkräften, welche auf die neugegründete Vereiniguug herniederregneten. Unbekümmert um diese Unkenrufe von hüben und drüben, verfolgten die Begründer der „Adaß-Jisroel" ruhig und zielbewußt den vorgczcichneten Weg, mit aufopferungsvoller Hingebung stellten sie ihre Zeit und Kraft in den Dienst dieser heiligen Sache, bis daß ihre ernste, mühevolle Arbeit vom herrlichsten Erfolge gekrönt wurde, bis ihre Bereinigung die Rechte einer Synagogengemeinde erhielt, und die Statuten derselben die allerhöchste Genehmigung gefunden. Es ist nun allerdings wahr, daß die Mitgliederzahl der „Adaß-Jisroel" im Bcrhältniß zu den 11,000 zählenden Mitgliedern der bisherigen Hauptgemeinde eine geringe ist. Diese Thatsachc erklärt sich einerseits aus dem Umstande, daß eine große Anzahl von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde durch die verschiedenartigsten Rücksichten am Austritte verhindert wurde. Andererseits vermied es aber der Vorstand der „Adaß-Jisroel", durch irgendwelche Agitation auch nur entfernt „Proselytcn machen" zu wollen. Niemals wurde ein Mitglied der Hauptgemeinde zum Abfallen von seiner Fahne aufgefordert; wer hingegen ans Gewissensbedenken austrat und hier seinen Beitritt anmeldete, war herzlich willkommen. Diese geringe Mitglicderzahl wurde nun tausendfach durch das moralische Gewicht aufgehoben, welches die junge Gemeinde in der Zeit ihres Bestehens sich in allen' vorurthcilsloscn Kreisen zu erringen wußte. Man blickte allmählich mit Hochachtung auf die sich kraftvoll emporringcnde Bereinigung, das friedliche, taktvolle Vorgehen derselben fand reiche Sympathien, nnd ihrem Verdienste ist auch zweifellos die gegenwärtig hcrvortretende Nachgiebigkeit der.Hauptgemeinde znznschrcibeu. Die mit kostspieligen Opfern eingerichteten Institute der „Adaß-Jisroel" wurden auch von vielen ZUchtmitgliedern in Anspruch genommen, und Alle, Reformer wie Orthodoxe, beugten sich vor dem gefeierten Namen des geistlichen Oberhauptes der Gemeinde. Die „Adaß-Jisroel" baute sich ihr eigenes rituelles B a d, sie errichtete eine eigene Mazzoth- Bäckerei nnd hatte ihre eigene S ch e ch i t a. Die Fleischhandlungcn der Gemeinde werden von Hunderten Mitgliedern der anderen Gemeinde ausgesucht, die mustergiltige Religionsschule freqnentiren allein über zweihundert Kinder von Nichtmitgliedern. Ein „A s r i e l - V e r e i n" wurde als Darlehus- und Unterstübungskasse für die Mitglieder begründet, ein „Frauen-Verein" fürSterbefätte in's Leben gerufen. Schließlich kaufte die Gemeinde einen eigenen Friedhof an. Damit waren alle nur irgendwie für ein jüdisches Gemeinwesen erforderlichen Institutionen geschaffen, geschaffen'mit seltener Opferfrcudigkeit und im Vertrauen auf den endlichen Sieg des Guten — nnd nunmehr konnte der Vorstand dem Eultusminifter die Bitte um Verleihung der Rechte einer Synagogen-Gcmeindc unterbreiten. Drei Ministerien mußte das Gesuch durchlaufen, es fanden lange Verhandlungen zwischen dem Vorstände und Herrn v. Goßler statt, die neuen Statuten wurden endlich genehmigt, nnd Donnerstag Vormittag Unterzeichnete der Kaiser die diesbezügliche Eabinetsordre. Zugleich mit den Rechten einer Synagogen- Gemeinde, welche die „Adaß-Jisroel" durch diese Verfügung Sr. Majestät erhielt, sind auch die Korporalionsrechte verbunden. Zunächst hat also je-

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