Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-11-05 · Heft 86 (5.11.1885) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 86 (5.11.1885)
Date
1885-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449583--23171-2512834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

170 als reichlich geschmückt, während sich Tausende von Arabern und Beduinen lustig herumtummelten und dabei von Zeit zu Zeit ausriefen: Padischah schok jascha! (Der Padischah lebe lange!) Am Mittag begab sich die ganze vornehme moslimische Welt in die Hanptmoschee der Stadt, um daselbst dem vom Mufti celebrirtcn feierlichen Gottesdienste anzuwohnen. nach dessen Beendigung der Stathalter sich in die „Heknmet (Statthalrereigebäude)" verfügte, wo er die Glückwünsche der Generäle, Offiziere, Ulemas, Scheits entgegennahm. Auch der hiesige Meri (Großrabbiner) hatte sich mit seinem silbernen Amtsstube in der Hand und von zwei Raschim (Borstehcrn) begleitet, dazu cingcfunden. Abends fand dann das schon erwähnte Bankett zu 150 Gedecken statt, an dem auch mehrere Christen, theilnahmen. Mau sagt, der Bali habe auch einige Juben zu dem Bankett geladen, dieselben weigerten sich jedoch, aus leicht begreiflichen religöscn Gründen, an demselben theilznnkhmcn. Andererseits wird jedoch wieder versichert, die Notablen hätten dem Bali erklärt, sie werden keinesfalls mit einem Juden — die Stellung unserer Glanbensbrüder in. dem noch höchst fanatischen fernen läßt noch viel zu wünschen übrig — an einem Tische sitzen, in Folge dessen deren Einladung unterblieb. Nun hätte cs an und für sich wenig zu bedeuten, ob an einem officicllcu Bankette auch zwei oder mehrere Juden thcilnehmcn oder nicht; in einem Lande jedoch, wie Beinen, wo der Glaubenshaß noch so stark lodert, erlaubt sich der Mob, wir sagen hier „Schcb", (und in Arabien gehören nenn Zehntel der Bevölkerung dem Mob an), sogleich die ärgsten Ausschreitungen gegen eine Religionsscete, wenn er dieselbe erniedrigt sieht. Waren nun die Inden wirklich geladen, sic hätten sie dem Bankette, ohne irgend wie daran thcilzunehmen, auch a«wohnen können. Hat aber der Vali es unterlassen, sic zu laden, dann trifft ihn die Schuld für diese Zurücksetzung einer durch ihre Anzahl und ihre Loyalität höchM respektable Glanbeusscctc. Die hier erscheinende Amtszeitnng „Sana", nebenbei gesagt, das einzige publizistische Organ Arabiens, übergeht diese^ganzc Angelegenheit selbstverständlich mit Stillschweigen; anders aber verhält cs sich mit der öffentlichen Meinung, welche neugierig frägt: „Warum haben eigentlich die Juden au dem Bankettes» Ehren des Sultans nicht theilgenommcnV" Hoffen wir indes;, daß dieser Etikettcfehler, mag er von welcher Seite immer allsgegangen sein, in Zukunft nicht mehr Vorkommen wird. — Tie jüdischen Schulen hier, über die wir nächstens ausführlicher sprechen werden, stehen leider noch immer auf einer sehr niedrigen Stufe. Die türkische Negiernng würde sich daher ein großes Berdienst erwerbe», wenn sie im hiesigen Jndenviertel eine eigene Ruschdieh (Bürgerschule) eröffnen wollte, damit die Knaben das Arabische in Schrift und Sprache gehörig erlernen können. M a r o c c o. Herr Elias B e na tui l wurde von der Regierung der Bereinigten Staaten Nordamcrika's znm Eonsularagent in Sarache ernannt. Herr Benatnil, als warmer Bertheidigcr feiner Glaubensgenossen bekannt, wird sicherlich in seiner officicllen Stellung seine Thätigkeit zur Sicherstellung der Israeliten dieses Bezirkes noch weiter ansdehnen. Feuilleton. Mekaöikitirl. (fr^ähllmg von Friedrich Rolt. XI. Nahezu eine Woche bildete der an der . . . Bank verübte Diebstahl das Tagesgespräch der ganzen Stadt. Alle Welt war empört über das Verbrechen, das Keiner dem ebenso geachteten als beliebten jungen Mann zugetrant hätte: diejenigen, die ihm am nächsten gestanden, klagten ihn überdies der Scheinheiligkcit an, durch die sic sich, wie sie glaubten, so sehr in ihm getäuscht. Der allgemein bemitleidete Vater hatte sich mehrere Tage, angeblich krankheitshalber im Büreau nicht blicken lassen; als er endlich wieder erschien, schien er um Jahrzehnte gealtert, und dieses erhöhte noch die Sympathie, mit der ihm von allen Seiten begegnet ward. Mit leisen Worten und zu Boden gesenktem Blicke hatte er den Direktor ersucht, ihn seines Postens als Eassier zu entheben und ihn dafür in anderer Weise zu verwenden. Nach jenem entsetzlichen Ereignisse fühle er sich nicht mehr fähig, die Eassa zu verwalten. Ter Bankdirektor, mehr um dem so sichtlich Niedergebeugtcn ein Vertrauenszeichcn zu geben, hatte anfangs Schwierigkeiten gemacht, hatte jedoch schließlich seinem Wunsche entsprochen. ^.Kornfeld^ging von da an wiederum tagtäglich in's Bürean und arbeitete mit wahrhaft staunenswerthem.Eifer. Es schien als wolle er durch die Arbeit den drückenden Gedanken sich entziehen. Thatsächlich fühlte er sich gegenwärtig in seinem Bürcauam^ behaglichsten, weit behaglicher als daheim im. Kreise seiner Familie, wo jeder Blick der Seinen ihm wie eine Anklage erschien. Seine Fran hatte sich noch nicht wieder vom Krankenbette

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.