Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1885)
- Date
- 1885-11-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1469 Asien. Wladivoftok in Ostsibirien.*) Wenn einst der pis (wahre Erlöser) kommen wird, um die zerstreuten Söhne Israels zu versammeln a'prfn crvrot px bx nnw und sie in das Land ihrer Väter zurückzuführen, so wird es ihm wohl keine Sorge bereiten, wie er für die hier lebenden Juden, obwohl dieselben nur fünf Familien mit zweinndzwanzig erwachsenen männlichen Mitgliedern zählen, eine paffende Fahrgelegenheit zur Rücktransportirung derselben nach Jerusalem auftreiben soll. Wladivoftok ist eine der jüngsten Städte Sibiriens und wurde erst am Schluffe der Sechsziger-Jahre auf dem damals eben von China durch die Vermittlung des bekannten russischen Diplomaten, General Jgnätiew, an Rußland abgetretenen Amnrgeoiete erbaut. Die Stadt liegt an der Mündung des Amurflusses, welcher die Grenze zwischen China, oder eigentlich der chinesischen Mandschurei, und dem russischen Reiche bildet, und zwar einige Stunden oberhalb der Mündung dieses Fluffes, so daß Wladivoftok eigentlich keine K üsten-, sondern eine Binnenstadt ist, und müffen daher die hier zur Sec ankommendcn Schiffe durch einen Piloten den Fluß hinauf bis zu den Stadtmolos bugsirt werden. Fünf Monate im Jahre ist jedoch die Amurmündung gänzlich zugefroren und muß dann die Schifffahrt auf dem Flusse stromabwärts gänzlich eingestellt werden. Die jüdische Gemeinde von Wladivoftok bildet nun eine vereinsamt liegende Glaubensinsel, da Hunderte von Meilen ringsherum keine andere jüdlschc Gemeinde, ja nicht einmal ein einzelner Jude, anzutreffen ist. Und trotzdem, daß diese Gemeinde soweit entfernt ist von ihrem wirklichen Mutterlande, Palästina, und trotzdem, daß zwischen Wladivoftok und Jerusalem große und mächtige Reiche, hohe schneebedeckte Berge, zahlreiche Ströme und Flüsse und auch mehrere meerähnliche Seen liegen, so ist doch ihr Herz und Sinn nach Zion gerichtet, und in der Synagoge daselbst, die eigentlich eine Kammer ist, wird an den hohen und heiligen Feiertagen mit wahrer Inbrunst gebetet: n^an-rh nro "p’j; oSiy nneea -jtsnpo rvs. (O bringe uns nach Zion in Jubel und nach Jerusalem in dein heiliges Haus in ewiger Freude), da diese Miniaturgemeinde durchgängig aus russischen Juden besteht, die alle dem polnischen Ritus huldigen. Der Lehrer der Gemeinde, ein junger Mann aus dem Orenburger Kreise, ist zugleich auch wiwn jnip *>mo, pn; & werden nur Kälber, Schafe und Geflügel geschlachtet. Große Mühe verursacht der Gemeinde auch die Herbeischaffung des Mazzothmchlcs, da selbst das gewöhnliche Mehl Hunderte von Meilen weit hcrbcizcholt werden muß. Die Gemeinde kauft daher in San Francisco (Kalifornien) den nöthigcn Weizen und läßt ihn daun in einer Dampfmühle in Wladivoftok mahlen, o'dt.i doV&i Dunnx bezieht sie wieder aus Singapore über Hongkong. Mehrere Mitglieder dieser kleinen Gemeinde sind ambulante Kaufleute, das heißt, sie besuchen mit ihren Waarenkarren die benachbarte Mandschurei oder sogar das gleichfalls zu China gehörende Königreich Korea, wo sie indeß, da die heidnischen Chinesen und Koreaner den Glaubenshaß gar nicht kennen, ganz unbehelligt das Land besuche!! können. Jndeß dürfen sie in Korea über die Grenzstädte hinans nicht gehen. Die Mandschurei dagegen steht ihnen gänzlich offen mit Ausnahme der Stadt Mukhden, wo die chinesischen Kaiser begraben liegen und die daher von keinem Fremden betreten werden darf. Die Chinesen nennen diese Juden „Tzu-li (d. h. jüdische Männer, das chinesische „Tzu" ist das corrumpirte englische „Jew (Dschn)" während „li" wieder im Chinesischen „Männer" bedeutet). Diese jüdischen Hausirer sprechen gewöhnlich etwas Mongolisch, was auch die Landessprache der Mandschurei ist und mit dem man auch in Korea gut fortkömmt. Beim Ueberschreitcu der chinesischen Grenze setzen sie gewöhnlich einen blaugefärbten Strohhut auf, um so den Muhama (Mohamedancrn) China'« ähnlich zu sehen, bei denen das Blau Licblingsfarbc ist. Diese Hausirer sind oft monatelang ohne jeg- ’ liche Nachricht von den Ihrigen, da eine Postverbindung zwischen der Mandschurei oder Korea und den benachbarten sibirischen Grcnzprovinzcn noch immer nicht existirt. Sarra in Südarabien.*) Der Jahrestag der Thronbesteigung des Sultans und Khalifen Abdul Hami Khan (30. August) wurde diesmal im Bilayet C'l-?)emen (Südarabien) in Folge dessen, daß heuer in dieser Provinz die vollste Ruhe herrscht, was schon seit Jahren nicht mehr der Fall war, mit besonderen Festlichkeiten und Belustigungen gefeiert, aus welchem Anlasse auch unser Bali (Statthalter) Achmed Fcizi Pascha, den Notablen der Stadt in seinem Residenzpatafte Bir-Azab ein glänzendes Bankett gab. Die Straßen der Stadt waren an diesem Tage mit türkischen Fahnen, dann auch mit Palm- und andern Baumzweigcn mehr *) Nachdruck verboten. ") Nachdruck verboten.