Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1885)
- Date
- 1885-11-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1168 hittgebcusollen, und das; dies dem Menschen ebenso als eine Mitzwah angercchnet wird, wie — in dem hier gegebenen Falle — das vorangegangene Lernen von Gottes Wort." Ein Festlied und Vorträge ernsten und heitern Inhalts erhöhten die Fcstesstimmnng, und erst spät trennten sich die Mitglieder mit dem Vorsatz, in dem beginnenden 2. Jahre das Ihrige dazu beizntragcn, das; der Verein immer mehr an Ausdehnung utib Bedeutung gewinne. Das Wintersemester hat begonnen und werden folgende Vorträge gehalten werden: Ehumisch mit Naschi, Nambam, Jüdische Geschichte und Freie Vorträge. Der Verein ist nunmehr auch im Besitz einer Bibliothek, die zwar noch klein ist, aber durch Schenkungen seitens der Mitglieder und Gönner des Vereins in stetem Wachsen begriffen ist. Und so bittet der Verein Gönner derartiger Bestrebungen um Zuwendungen zur Vergrößerung der Bibliothek in Büchern entweder, oder in Mitteln zur Beschaffung von solchen. Herr A. Kober, Neue Kirchftraße 14, nimmt jede Zuwendung dankend an, sowie auch Beitrittserklärungen von jungen Leuten entgegen, die sür jüdische Literatur noch Interesse haben. W. St. Hirschbcrg i. Schl., 28. Okt. Am 25. März d. I. wurde aus Anlaß der Bismarksfeier ans dem Licgnützer Stadttheater das Wiutcrfeld'sche Stück „Moderne Freiheit" aufgeführt. Die Tendenz und Aufführung des Stückes erregte bei vielen Theaterbesuchern Unwillen, und einer von ihnen machte sich in einem „Eingesandt" au den „Boten a. d. Niesengcbirgc" Luft. In diesem wird das Stück ein „skandalöses", die Tendenz eine „antisemitische und die Aufführung eine „ekelerregende" genannt. Als Anmerkung der Nedaction waren die Worte hinzugesngt: „Wir finden es allerdings auch stark, wenn ein Mann von der Vergangenheit Winterfeld's Gerichtsszenen auf die Bühne bringt. Wenn es aber nun einmal sein soll, warum dramatisirt er dann nicht Wcchselfälschungeu, Unterschlagungen, Erpressungen und dergleichen mehr?" Durch das und die obigen Ausdrücke fühlte sich Winderfeldt beleidigt und strengte daher bei dem hiesigen Schöffengericht die Klage an. In ciueni früheren Termin nahm er jedoch die Klage wegen der Anmerkung zurück, während Dürholt, Nedacteur des „B. a. d. R.", eine Wicderklage erhob, da W. in seiner Rede vor Gericht den qu. Artikel einen Skandalartikel genannt hatte. In der heutigen Verhandlung erklärte W. noch einmal, von der Klage wegen der Anmerkung Abstand nehmen zu wollen, doch halte er sich durch die anderen Ausdrücke sehr geschädigt, indem „bekanntlich die Theateragenturen und Kritiken in Händen der Juden seien, also einem Stücke, das als antisemitisch bezeichnet sei, von vornherein die Lebensader durchgeschnitten wäre." Dürholt trat den Beweis der Wahrheit an, daß die Aufführung, weil die Personen Judenmasken hatten, ekelerregend gewesen, und bewies ferner, daß antisemitisch leider jetzt keine Beleidigung sei und bat, den Ausdruck „Skandalstück" als durch den Ausdruck „Skandalartikel" kompensirt anzusehen. Der Gerichtshof sprach ihn völlig frei, die Gerichtskosten beiden Parteien auferlegend. W. hatte Gefängnißstrafe beantragt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth. Bei seinem jüngsten Besuch der ung. Landesausstellung in Pefth hatte der Prinz von Wales eine Unterredung mit dem berühmten Reisenden, Professor Vambery, welcher von Geburt Jude ist. Die Unterhaltung kam auch auf die Juden, wobei der Prinz bemerkte: Dieser Tage las ich den antisemitischen „Westungarischen Grenzboten", welcher behauptet, daß die Juden keine Patrioten sein können, weil ihre Blicke. sich stets nach dem h. Lande richten. Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit. Es ist allgemein bekannt, daß es keinen größeren Verehrer von Zion gegeben, als den verstorbenen Sir Moses Montesiore, der, als er zum Sherif ernannt wurde, seinen Rock und die Kleidung all seiner Diener mit bei« Worte „Jerusalem" zierte. Und doch hatte England keinen größeren Patrioten als ihn. Niemand im Königreiche übertraf ihn in der Liebe seines Vaterlandes. In Anerkennung seiner universellen Philantropie ertheilte ihm meine Mutter die Barouetswürde; Montefiore kann allen Antisemiten Ungarns und anderer Länder als Beweis dafür dienen, daß ein Jude ein Verehrer des Landes seiner Vorfahren und zugleich ein treuer Bürger seines Geburtslandes sein kann. R u m ä n i e n. Bukarest, 29. Okt. Die Regierung ordnete die Ausweisung von zwölf Israeliten an, unter welchen sich Dr. Gafter, Publieist; Schwartfeld, Chef-Redakteur des israelitischen Journals Fraternitatea; Vroziner, Chef-Redakteur der Bukarester „Freien Presse", und mehrere andere Journalisten befinden. Verschiedene Journale führen unter den Ausgewiesenen auch Armand Levy an. Etoile Nonmaine sagt, die Israeliten hatten sich durch Angriffe auf Rumänien bemerkbar gemacht.