Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1459 mit einer Uebersetzung des 12. Kapitels von Zimz' Gottesdienstlichen Vorträgen, welches über Tanchuma nnd Jelaindcnu handelt, mit vielen Zusätzen, Ergänzungen, Widerlegungen und Verbesserungen vom Verfasser. Dies ist in gedrängter Kürze der Inhalt der Einleitung. Mau wird daraus die Größe und Verdienstlichkeit dieser Arbeit erkennen und gewiß in den Wunsch allseitig ciustimmeu, daß cs dem verehrten Gelehrten vergönnt sein möge, seine übrigen Arbeiten, zur Ehre der jüdischen Wissenschaft nnd zur Freude aller Freunde und Verehrer derselben, zu vollenden. —n— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e ft c r r. - U n g a r. Dt onar ch i e. Wie», 26. Oktober. In einer heute Abends in den Sophicusälcn slattgehablen Antisemitcn-Vcrsammlung, an welcher unter Anderen der ungarische Reichstags-Abgeordnete Simonyi und Dr. Pattai theilnahmeu, wurde auf Antrag des Mechanikers Schneider eine Petition an die Regierung beschlossen, dahingehend, die Selbstverwaltung der Stadt Wien sei anfzuhcben, Magistrat!) und Gcmcindcrath auszulösen und die Verwaltung der Stadt einem kaiserlichen Eommiisär zu übertragen, bis eine „neue, gerechte Wahlordnung" für den Gemcinderath erlassen und ans Grund dieser die Funktionäre gewählt seien. Abgeordneter Dr. Pattai befürwortete diese Petition unter Auderm damit, daß Wiener Gcmeinderäthe seinerzeit Sir Moses Montcsiore zu seinem hundertsten Geburtstage beglückwünscht haben. Wien. Baron Moritz von Köuigswarter und dessen Gemahlin, gcb. v. Werthcimstcin, empfingen ans Anlaß der Feier ihrer silbernen Hochzeit von vielen Deputationen die herzlichsten Glückwünsche. Unter den vielen Gratnlationsschreibcn befindet sich auch eines vom ehemaligen.vcrrenhauspräsidentcn, Fürsten Karlos Auernsperg, „an bcu bewährten Parteigenossen, den wackeren Oesterrcicher, der unter allen Umständen der Fahne der Freiheit treu geblieben." Kardinal Haynald beglückwünschte mündlich den Jubilar. Budapest, 27. Oct. Die Wahlen für den Repräsentanteulörper der kön. nng. Hauptstadt sind uuu vorüber. In allen Bezirken herrschte in Bezug auf die Eonfcssion die größte Eintracht. llcberall wurden Ehrisleu, Juden und Ncophitcu gewählt. Nur im vornehmsten Viertel in der Lcopoldstadt gab'S eine einzige Ausnahme, da mußte ein Professor aus religiösen Rücksichten eine schmähliche Niederlage erfahren und warum? Gerade in der bitterbösen Zeit der unheimlichen Tisza-Eszlarer Schauerassaire, als der Antisemitismus wahre Orgien feierte, fand es der Prof. Dr. E r n st S ch w i m wer*) — ein durch jüdischen Einfluß und jüdische Sympathien berühmt gewordener, hauptstädtischer Arzt — für angezeigt, mit Weib und Kinder zmu Ehristeuthuin überzutretcu. Dieser Ucbcrtritt wurde in ostentativer Weise vollzogen und mit solchem Eclat insccnirt, daß derselbe die gerechte Indignation der Israeliten erregen mußte. Kaum war die Taufe vollzogen und hätte sich die Aufregung der Massen gelegt, da licßProf.S ch w i in in c r sein Kind vom Kalocsarer Erzbischöfe, dem Kardinal Hajnald confirmircn, wodurch wieder die Menge harangnirt wurde. Seitdem ist der edle Professor ein weniger guter Ehrist, dafür aber ein desto besserer Antisemit geworden! Nun kam der heilige Sonntag und mit ihm der Wahltag — und siche da, trotzdem der Name des Professors auf der amtliche» Wahlliste stand, fiel er mit großer Majorität durch! D. H. S. Pesth. Anfangs Oktober wurde in Stamffcu der nciiernannte kathol. Geistliche, Herr Ignaz Gond, in sein Ami cingcführt. .Da sich der Genannte wiederholt als wahrer Priester und als Freund der Inden bewährt hatte, so betheiligtc sich auch die Jndcngcmcinde an dem Fackelzuge, der Herrn Gond gebracht wurde. Vor dem Hause des Gefeierten hielt der greise Rabbiner, Herr Lazar Winter, eine schöne Ansprache, in welcher er zum Schluffe den Segen Gottes auf Herrn G. herabflehtc. Pfarrer Gond crwiedcrte: „Wahrlich, ich weiß die seltene Auszeichnung zu schätzen, die mir zu Theil geworden. Ein an Verdiensten und im Studium der Liebe ergrauter Sceleuhirt des alten und ehrwürdigen Judenthnins begrüßt mich, den viel jüngeren und an Verdiensten und Gelehrsamkeit ärmeren Priester. Diese Auszeichnung wird mich in nieinem bisherigen Vorhaben bestärken. Liebe und Glaube werden die Leitsterne mcines Lebens sein, und ich werde mich glücklich schätzen, wenn es mir gelingen wird, zu der Wicdcrbefestigung des etwas locker gewordenen Bandes der Eintracht'zwischen den Eonfessioncn beigctrageu zu haben. *) Prof. Tr. L ch ivi m n, cr ist der Lohn des verstorbenen, laugiährigeu Prinrararucs dcS hiesigen ^L.raelitenspttalS und nachherigen 3{oriid)ers brv hiesige» ior. uiri bei guten, allen ^cit. Ter alte L ch wi nt ttui war bmd» und durch Jude — und doch inujüc gerade feiti Loh» ein Renegat werden! ...