Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Nantes 1× ep/1045252
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1454 klagten als Dokumentenfälschung und vernrlheilte Frau Schändet zu 25 fl., Marie Wolkowits jedoch zu 10 fl. Geldstrafe. Holland. Amsterdam. Vorige Woche feierte die französische Kolonie in Berlin das 200 jährige Bestehen der Berliner französisch - reformirten Gemeinde in solenner Weise. Diese Gemeinde rckrutirte sich nach Aufhebung des bekannten Edict von Nantes mtS ans Frankreich geflüchteten Protestanten (Hugenotten), die in der Hauptstadt Preußens eine Zufluchtsstätte fanden, woselbst sie ungestört nach ihrer religiösen lleberzengung leben konnten. Gin Theil dieser Hugenotten flüchtete sich auch nach den Niederlanden und hier fanden sie bei den Inden, die gleichfalls wegen ihrer Religion aus Spanien (1492) vertrieben worden waren, reichliche materielle Unterstützung. So empfingen dieselben von den Inden in Amsterdam allein 40,000 fl. Wenn man bedenkt, daß vor zwei Jahrhunderten das Geld einen bedeutend höheren Werth hatte, so wird man das große Opfer ermessen können, welches die Amsterdamer Inden, die selbst erst 100 Jahre daselbst wohnten, den Hugenotten gebracht haben. Frankreich. Paris. Dieser Tage wurde dahier ein neues Mikwah seiner religiösen Bestimmnng zugeführt. Dem Coiisistorium im Vereine mit mehreren opferwilligen französischen und auswärtigen Glaubensgenossen ist es gelungen, die Baukosten für dasselbe, an 60,000 Frs., aufzubringen. Dasselbe ist nach streng ritueller Vorschrift erbaut und mit allem Comfort der Neuzeit versehen worden. Eine besondere Commission, bestehend ans den Herren Oberrabbinen von Frankreich und Paris, den Mitgliedern des Consistoriums, Herren Dr. Klein und Erlanger, den Herren Rabbiner Weißkopf und Leon Tedesco überwachte den Bau. Herrn Rabbiner Weißkopf war die Ueberwachung der rituell vorgeschricbenen Ausführungen übertragen, welcher sich dieses Auftrages mit aller Sorgfalt entledigte. Unter Denen, die für dieses Bad beträchtliche Summen gegeben ,Z verzeichnen § wir: ± Die Barone v. Rothschild, Baroninnen Salomon und Adolph v. Rothschild, Baron Willy v. Rothschild in Frankfurt a. M., Madame Heine-Furtado, Baronin v. Hirsch, die Herren Gebrüder -Tedesko, Dr. Klein in Paris und Goldschmidt in Frankfurt a. M. Paris. Es gibt Hauseigenthümer, welche ihre Wohnungen an Familien mit Kindern nicht vermiethen; andere verbieten Vögel und Hunde; aber wie finden Sie einen Hausbesitzer, der seine Wohnungen an Israeliten wohl vermiethet, aber sie als Hausbefchlicßer (Concierge) nicht will? In einem Hause im Stadtviertel Poiffonnierc fungirt eine Israelitin, die dem Hausbesitzer gegenüber ihre Eonfession verläugnen nmßte, als Concierge; im Hause selbst wohnen vier isr. Miethsbewohner. Diese Hausbcschließerin, eine moderne Marannos, wurde jüngst von einem Knäblein entbunden, und mußte sie ans Furcht vor dem gestrengen Hausherrn die Beschneidung ihres Kindes außer dem Hause bei einem Verwandten vornehmen lassen. Feuilleton. HiehakiMirt. Erzählung von Friedrich Rott. X. „Thun Sie es dennoch«," bat er, „mir zu Liebe, dem alten treuen Freunde gegenüber, brauchen Sie sich in keiner Weise zu schämen. Also? — Bor Altem wann und wo haben Sie den jungen Kornfeld kennen gelernt? ich habe ihn doch nie in Ihrer Gesellschaft getroffen." „Er war auch nie in meiner Gesellschaft," sagte sie leise, indem abermals helles Roth ihre Wange überzog, „ich habe ihn nie gesprochen und weiß nicht, ob er mich je gesehen hat." „Und dennoch —" „Und dennoch ist er der Erste und Einzige, den ich liebe und je lieben werde. — Sie wissen, ich bin meinem seligen Gatten eine treue Gattin gewesen, — aber er zählte siebcnzig Jahre, als ich siebzehn alt war — von eigentlicher Liebe konnte meinerseits nicht die Rede sein — dennoch war «9 glücklich an seiner Seite, denn kein and.^c war mir damals theurer als er. Doch *:!; ich Eduard Kornfeld 31111t ersten Mal gcseüer. -- ich stand hier am offenen Fenster, als drüben auf der Fahrstraße zwei von jenen Gecken, die sich meine Verehrer nennen, vorüber galoppirten. Sie hatten mich gesehen und wollten, vcrmuthlich mir zu Ehren, ihre Reitkünste produziren, als plötzlich ein kleines Kind über den Fahrweg laufen wollte und dicht vor den Pferden niederfiel. Ich schrie laut auf vor Schrecken, denn ich hielt das Kind für verloren, doch im selben Monient hatte sich ein junger Mann den sich bäumenden Pferden entgcgengeworfen, mit Gefahr feines Lebens drängte er das eine Pferd zurück, hob das Kind auf, trug es zur Seite und erkundigte sich