Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1453 so hervorragende Verdienste erworben, das; wir es nur mit Freude begrüßen können, wenn sie bereit sind, in Zukunft ihre Thätigkeit diesem Gebiete in ganz besonderem Maße zu widmen.- Aber was wir vermissen, ist eine Berücksichtigung der conservativeu Richtung unter den israelitischen Mitgliedern der Kommission. Wir haben alle Achtung vor der wissenschaftlichen Tüchtigkeit der Herren, aber zunächst gehören sie ausschließlich nur einer nnd zwar nicht der traditionellen Richtung an, und wer gibt uns da die Garantie, ob dieselben bei der Sichtung des Materials und der Berwerthung desselben stets unbefangenen Blick haben werden, der auch den Erscheinungen des traditionellen Jndenthums Gerechtigkeit zu Theil werden läßt. Soll das vielleicht Herr Dr. Ludwig Geiger, der in seiner Geschichte der jüdischen Gemeinde von Berlin die Rabbiner sehr wenig berücksichtigt hat, während z. B. neuerdings gerade Landshnt nachgcwiescn hat, wie viel schätzcnswerthes Material aus der Geschichte der Rabbinen zu entnehmen i[t? Oder soll es vielleicht Herr Professor Dr. Brcßlau, der s. Z. in einer gegen Herrn von Treitschke gerichteten Brochüre von den Orthodoxen wie von einer verschwindenden Minorität unzurechnungsfähiger Köpfe spricht? — In zweiter Linie aber möchte ich behaupten, und ich werde darin wohl nicht widerlegt werden, das; all' die Herren in der jüdischen Fachliteratur nicht bewandert genug sind, um ein solches Werk ohne Unterstützung von anderer Seite mit Erfolg bearbeiten oder nur dessen Bearbeitung leiten zu können. So haben dieselben z. B. gewiß nicht die genügende Fähigkeit, um die Responsen, auf die sie in dem Promemoria doch selbst mit Recht ein so großes Gewicht legen, verstehen und würdigen zu können. Wir sind ja weit entfernt davon, den Herren, deren Leistungen ja auf ganz anderem wissenschaftlichen Felde liegen, daraus einen Vorwurf machen zu wollen. Aber soll wirklich etwas Vollständiges und Nutzbringendes geschaffen werden, so müssen deshalb unbedingt in die Commission auch Männer genommen werden, die neben genügender wissenschaftlicher Bildung auch ausreichendes Wissen in der hebräischen Literatur besitzen. An solchen Männern fehlt cs G. s. D. nicht, und wir glauben, daß dieser Hinweis genügen wird, um den Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bund zu veranlassen, einen Mann in die Commission aitfzunehmen, der das Wissen besitzt, um die prinrären jüdischen Quellen zu beherrschen und der zweitens die Geschichte der deutschen Juden nicht allein im Zusammenhang mit verdeutschen Geschichte, sondern auch der jüdischen Ge-! schichte im Großen nnd Ganzen würdigen zu können fähig ist. Aus Elsaß Lothringen. Am Freitag den 16. Oktober, Nachmittags 3 llhr wurde der neuernannte Oberrabbiner für Lothringen, Herr Wcill, früher Rabbiner in Pfalzburg, in' sein neues Amt, in der festlich geschmückten Synagoge in Metz feierlich cingeführt. Empfangen würde derselbe vom hochbctagtcn Herrn Morhange, Präsident des Cousistorinms, worauf Herr Weilt mit einer würdigen nnd eindrucksvollen Rede crwicdcrte. Die ganze jüdische Gemeinde hatte sich zu dieser Feier in dcr Synagoge eingefunden. W. O est e r r. -Ungar. M o n a r ch i e. Budapest, im Oktober. Am 25. nnd 26. d- M. findet die Wahl der hauptstädtischen Repräsentanten statt und sind für jedes der zehn Bezirke eigene Wahlkörper gewählt worden. CS kann als ein erfreuliches Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der verschiedenen Confcsssonen gelten, daß im 5. Bezirke, der vornehmen Leopoldstadt, zum WahlpräseS Probst Franz Simon nnd zum Vicepräses der Großhändler L. M. Kuncwalder offiziell gewählt wurden. Ofen. Die Näherin Anna Weiß gebar am 3. August 1883 ein uneheliches Kind, welches unter dem Namen Rudolf Weiß in das Matrikelbuch der Ofener israelitischen Ncligionsgemeindc eingetragen wurde. Die Noih zwang später die Weis; dazu, den Vater des Kindes, Rudolf Schändet zur Leistung eines Beitrages für die Erhaltung des K indes aufzufordern, und als er dies verweigerte wandte sie sich an die Mutter Schandek's, die sich unter der Bedingung bereit erklärte, für das Kind Sorge zu tragen, wenn dasselbe durch die Taufe zum Ehristcnthume bekehrt werden würde. Die Mutter des Kindes wies dieses Anerbieten entschieden zurück, erfuhr jedoch später, daß Frau Schändet das Kind in der Wasserftädter katholischen St. Annenkirche auf den Namen Rudolf WolkovilS taufen ließ. Die Angelegenheit zog eine Strafanzeige nach sich, welche auf Verlangen der Anna Weiß durch den Rabbiner der Ofner israelitischen Gemeinde Rafael Goldöcrg beinl, Strafgerichte erstattet wurde, nnd die gerichtliche Untersuchung ergab, daß, als die Taufe vollzogen wurde, Frau Schaudeck dem Pfarrer den Taufschein ihrer Köchin Marie Wolkovits mit Vorwiffcn derselben präsentirte. Heute fand in dieser Affairc die Schlußverhandlung statt. Der> Gerichtshof qualificirtc auf Grund der Ansführungen des Verteidigers Hets die Handlungsweise der beiden Ange-