Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1452 Bitte am einen einjährigen Urlaub — zn Stndicnzweckcn, so beeilte man sich durchaus nicht, diesem Wunsche nachznkommcn. Er sollte vielmehr vorerst seinen Prozeß mit Dr. Bloch zu Ende führen nnd sich von den schweren Anklagen reinwaschen. Man weiß, in welcher Weise dies dem Herrn Professor gelungen ist.. Zeitungsnachrichten nnd Correspondcnzen. Deutschland. Berlin, 30. Oktober. (Eine kaiserliche Eabinetsordrc.) Der heute erschienene „Reichs- Anzeiger" veröffentlicht folgende kaiserliche Verfügung, welche nicht verfehlen wird, ungetheiltcs Aufsehen zu erregen und überall, wo noch jüdische Herzen für die Erhaltung unserer hl. Lehre schlagen, laute Freude wachzurnfen. Nerordnung betr. die Verleihung der Rechte einer Synagogen - Gemeinde an die „israelitische Synagogen - Gemeinde (Adaß-Jisroel) zu Berlin". Vom 9. September 1885. W i r W i l h c l m, v o n G o t t e s G n a d e u K ö n i g von Pre n ß e n?c., verordnen aufGrnnd des 8 8 des Gesetzes vom 28. Juli 1870, betreffend d c n A n s t r i t t aus den j ü dischenSynagogen-Gemeinden (Gesetz-Samml. S. 353), was folgt: Nachdem verschiedene, ans Grnnd des Gesetzes vom 28. Juli 1876 ans der jüdischen Smiagogcn- Gcmcinde zu Berlin ausgetretene Juden sich behufs dauernder Einrichtung eines besonderen Gotte s d i e n st e s unter dem Namen „Israel itische S y n a g o g e n - G e m e i n d e (A d a tz- I i s r o ö l) zu Berlin vereinigt nnd ein Statut beschlossen haben, werden d i e s e r B e r c i n i gn n g anf Grund desStatnts d i e R e ch t e e i n c r S Y n a g o g e n - G e m e i n d e b e i g e l e gt. Das Statut ist in der genehmigten Fassung durch das Amtsblatt der königlichen Regierung zu Potsdam nnd der Stadt Berlin zn veröffentlichen. Gegeben Berlin, den 9. September 1885. (L. S.) Wilhelm. Für den Minister der geistlichen?c. Angelegenheiten v.Bötticher. v.Pnttkamer. Friedberg. Diese Verfügung Sr. Majestät des Kaisers nnd Königs ist ein historisches Ereignis; in der Geschichte der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Zunächst bedeutet sie einen großen moralischen Triumph, den das gcfctzcstrene Judcnthnm errungen hat. Tic heilige lleberzengnng jener wackeren Männer, die st Z., um ihren Glauben sich zn retten, unter eigener Fahne sich schaarten, ist siegreich ans dem Kampfe gegen Spott nnd Hohn, gegen Verfolgnngswnth und Vcrkleinerungssucht hervorgegangen. Die Statuten der gesetzestreuen Gemeinde haben an allerhöchster Stelle ihre Billigung gefunden. Aber auch in praktischer Beziehung dürfte das Ereignis; von den weittragendsten Folgen begleitet sein. Tic „israelitische Synagogen-Gemeinde (Adas; - Jisroel) zn Berlin (so lautet nunmehr ihr ofsicieller Titel) ist als vollständig gleichberechtigt neben die „jüdische Synagogen-Gemeinde" zn Berlin getreten. Tie kaiserliche Eabinctsordre hat Hierselbst allgemeine Neberraschnng hervorgernfen. Wir begnügcn uns für heute mit diesen wenigen Worten nnd behalten nns vor, in der nächsten Nummer in ausführlicher Besprechung ans das Ereigniß zurückznkommcu. Ans Mitteldeutschland. Die in Rr. 83 des „Israelit" enthaltene Mitthcilnng, daß der Tentsch-Jsraclitische Gemcindcbnnd behnss Verbreitung richtiger.Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthnms eine ans neun Herren bestehende Eommission eingesetzt hat, fordert zu einigen Bemerkungen heraus. Es ist gewiß höchst erfreulich, daß der Deutsch-Israelitische Gemeinde- Bund seit einiger Zeit sich bemüht, auch den conscrvativ gesinnten Glaubensgenossen Rechnung zn tragen, und cs ist ohne Zweifel ein nicht genug anzucrkcnncndcs Verdienst des Herrn Gcheimerath Dr. Kristcller, daß er in richtiger Würdigung der Aufgabe eines israelitischen Gemcindebundes allen Parteien gerecht zu werden und ihnen ein Zusammenwirken ans dem allen gemeinsamen Gebieten zn ermöglichen sucht. Umsomehr muß die Art nnd Weise der Zusammensetzung dieser Eommission znm Erstaunen Veranlassung geben. Ist es überhaupt schon fraglich, ob die Ausarbeitung einer jüdischen Geschichte Sache des Deutsch-Israelitischen Gemeinde- Bundes ist, so kann cs jedenfalls keinem Zweifel unterliegen, daß die „Historische Eommission des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes" in der Weise, wie sie zusammengesetzt, durchaus nicht der Ausgabe gewachsen ist. Wir haben gegen die Zuziehung aller der Herren gar nichts cinznwendcn. Diejenigen unter ihnen, die dem Jndenthnme nicht angehören, haben sich auf dem Gebiete der allgenieiiicn Geschichte oder speciell auf dem der jüdischen