Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 85 (2.11.1885)
- Date
- 1885-11-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1450 hängen; im Gegentheile, weil unsere frommen Väter und Mutter aus eigenem Antriebe vor Gott wandelten, Tugend und Gerechtigkeit erstrebten, griff Gott in wunderbarer Weise in ihr Geschick ein und verlieh ihnen die große Bestimmung, die Väter und Mütter der Welt zu werden. Auch Esaw war ein Sohn Jizchaks und Riwkahs, ein Enkel von Abraham und Sarah; aber er erwählte nicht die Traditionen des elterlichen und großelterlichen Hauses. Die materiellen Güter desselben waren ihm lieber als die geistigen. Wie es heute noch die Söhne vornehmer und reicher Eltern zu machen pflegen, so liebte Esaw cs, auf die Jagd zu gehen und die wilden Thiere des Feldes zu erlegen. Krieg und Jagd sind adelige, vornehme Passionen. Der persönliche Muth und die Spannkraft des Körpers werden durch sie geübt und gehärtet. Aber auch viele wilde Leidenschaften werden durch diese noblen Passionen entfesselt; die Verfolgungssucht, die Hinterlist, die Grausamkeit entspringen unmittelbar aus ihnen; andere schlimme Leidenschaften wie Trunksucht, Spielsucht und das Entfesseln der geschlechtlichen Triebe pflegen mit ihnen in Verbindung zu stehen. So war Esaw. In ganz anderer Weise entwickelte sich sein Zwillingsbruder Jakob. Er blieb zu Hanse bei Vater und Mutter, bildete sich nach ihrem Beispiele, half ihnen, die Geschäfte des Hauses führen, lauschte den Lehren von Vater und Großvater (Jakob zählte 15 Jahre, als Abraham starb), erfüllte sich mit dem großen Gedanken, durch die das Geschlecht Abrahams getragen wurde und suchte sich über die hohe Bestimmung des Menschen im Allgemeinen, des Abrahams-Enkels im Besonderen zu belehren. Nicht durch di.' noblen Passionen Esaws konnte Abrahams Geschlecht fortgepflanzt werden, sondern nur durch Jakobs frommes und edles Walten. hVn onow» nt nx rfr-jm „Und Ich werde groß machen deinen Namen, da« isr, das; Israel im Gebete spricht: Gott Jakobs." (Fortsetzung folgt.) Zum Prozesse Aohking-Woch. Wien, 24. Oktober. Ter literarische Skandal-Prozeß, für tvelchen das k. k. Landesgericht zu Wien den Termin bereits angcsttzt hatte, hat bekanntlich noch vor seinem eigentlichen Beginn ein für seinen Urheber höchst unrühmliches Ende genommen. Nun dürfte es nicht uninteressant sein, in objektiver Weise Einiges ans den Ergebnissen der Voruntersuchung mitzutheilen, was die Kampfesweise und die Gelehrtheit des Prager Professors in die richtige Beleuchtung zu bringen geeignet ist. Die Leitung des Prozesses war den Händen eines der scharfsinnigsten Juristen der Residenz Dr. Josef Kopp anvertraut. Mit Ausnahme des Angeklagten hat kein Jude an dem Prozesse den geringsten Antheil genommen. Die Sachverständigen für's Hebräische waren christliche Orientalisten bestellt auf Vorschlag des ehrwürdigen katholischen Theologen Tschokke in Wien und der Deutschen morgenländischen Gesellschaft in Leipzig; die Uebersctzer für italienische, lateinische und griechische Schriften waren wiederum christliche Professoren. Der fromme Prager Professor hat sich an die Gerichte herangedrängt, an deutsche, ungarische und polnische Gerichte mit seinem „Eidesanerbieten," wo nur irgend ein Jude als Angeklagter vor Gericht stand. Nun ergab sich als sicheres Resultat der von den Sachverständigen vorgenommenen Prüfung, daß dieser Professor für hebräische Alterthümer, der Verfasser so vieler Werke über hebräische und rabbinische Literatur, nicht das wissenschaftliche Vermögen besitzt, auch nur einen einzigen rabbinischen Satz korrekt zu lesen, daß all seine Gelehrsamkeit nichts ist, als Abschreibereien von judenfeindlichen Schriften nnwipender Skribenten des Mittelalters, die der gute Prager Profellor zum Theil mißverstanden, zum Theil absichtlich gefälscht und entstellt hat. Trotz der großen Verschiedenheit zwischen Protestantismus und Jndenthum hat er beiden dieselben dogmatischen Lehrsätze angedichtet und erhebt einmal gegen die Protestanten, ein andermal gegen die Juden die gleichen Vorwürfe mit der steten Eidesbcreitschast. Ein sehr beträchtlicher Theil der von ihm beeideten Citate aus der talmudischen und rabbiuschen Literatur erwiesen sich als gar nicht vorhanden, der übrige Theil als massiv gefälscht und entstellt durch Hnslalluug einiger Worte und Ausradirung einiger Buchstaben. Er verwandelte „Märtyrer" in „ein Mörder," und die Anpreisung des demüthig Leidenden wird bei ihm zur Verherrlichung des Henkersknechtes. Die eheliche Umarmung der Gatten verwandelte er in eine „Blnthochzeit," dem ein armes Ehristenmädchen zum Opfer fallen muß, und aus der strengen Mahnung, die bösen Begierden des Herzens zu zügeln, hat er die Einschärfnng herausgelesen, die Götzendiener, oder was nach Rohling dasselbe ist, die Christen zu vernichten. Originell war auch die von ihm in der rabbinischen Literatur entdeckte Lehre vom Fü rstenmord und die Sachverständigen konstatiren, daß