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Der Israelit · 1885-10-29 · Heft 84 (29.10.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 84 (29.10.1885)
Date
1885-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1435 klagte sich entschieden geweigert hatte, irgend eine Conccssiou zur Herbeiführung des Ausgleiches zu machen. England. London. Das Csmite des „Board of Deputics imd Anglo Jcwisch Association" hat beschlossen nochmals bei Lord Salisbury in Angelegenheit der rumänischen Juden eine Audienz zu erbitten und ihm vorzustellen, datz im Falle auf der Konferenz in Konstantinopel in Bezug auf Numänicn Veränderungen beschlossen werden sollten, der englische Gesandte beauftragt werde, fiir die Besserstellung der rumänischen Juden zu wirken. Rußland. Petersburg. Der Kaiser hat mehreren jüdischen Lehrern den Rang als Ehrenbürger in Anerkennung ihres Eifers zur Heranziehung der jüdischen Jugend erthcilt. Dieser Titel verleiht den Inhabern verschiedene wcrthvolle Priviligien. In einem Falle ist die Ehrenbürgerschaft erblich. Großfürst Vladimir. Bruder des Kaisers, wurde jüngst bei einem Besuche der Stadt Brisow unter andren auch von den Spitzen der jüdischen Gemeinde empfangen. Se. kaiscrl. Hoheit küßte in aller Ehrerbietung die ihm vorgctragene Thorarollc, dankte huldvoll den jüdischen Repräsentanten für ihre Aufinerksamkeit uud drückte seine Sympathien für die Juden tty§. Feuilleton. Meise-eschreiöuug eines Israeliten.*) Vorbericht an den günstige» Leser. Ich bin von meiner Jugend an gewissermaßen znm Steifen geboren. Denn 5 Jahre alt, mußte ich meines Vaters Haus in der Stadt Horn in der Grafschaft Lippe verlassen, um in Studircu den Anfang meiner Jahre zu führen; welches war in dem herrlichen Ort uud gräflichen Schloß Brog (L ra ck e) bei der Stadt Lemgo. Hier war ich etwa bis zu meinem!2. Lebensjahr. Nicht lange hiernach wurde mir die große Anlehnung der Welt durch *) Diese Reisebeschrcibung, welche in jüdisch-deutscher Schrift und Sprache uicdcrgeichriedeu ist trab die wir mit wenigen Aendcrungrn hier wied« geben, gehört dem Ansang des 18. Jahrhunderts an und ist dem Isr. Lelterbode entnommen, der dieselbe uacb einer in Aurstcrdar» drsiudlichen Handschrift im iottfeubcit Jahrgänge «ftcheilt. Trx B«nasser, Äbrahain Levi. der diese Reise settch «macht hat. ist geboren c. »7«! in Horn <Graifchast Lippe) und geftord« is Amsterdam 1785. historische Bücher bekannt und der Entschluß reifte in mir, nach etlichen Jahren eine große Reise zu machen. Dieses Verlangen war in mir so stark entzündet, daß ich am Ende meines 17. Lebensjahres im Jahr 5479 (1719) meinen Anfang genommen durch Deutschland nach Böhmen, Ungarn, Oestreich, Steiermark, Tirol bis an Italien und geendigt im Jahr 5484 (1724). — Im Jahr 5479 nach jüd. Zahl, elf Tag im Monat Tcbct (war cs), daß ich mm meinem lang gehabten Gedanken einen Beschluß wollte machen, welches war eine in mir erweckte Lust eine Reise durch Europa zu thnn. So suchte ich, um selbige zu beschleunigen, einen Anfang zu machen und begab mich deshalb ans die Reise mit dem Vornehmen, nach der kaiscrl. Stadt Wien mich zu begeben, um allda einige Gunst und Vortheil bei meinem Herrn Vetter, dem wcitberühmten obersten Hosjnd mit Namen R. Samson W c r t h c i m zu erlangen. Dabei hatte ich aber auch vor, die vornehmsten Orte durchzurcisen und selbige wohl zu bemerken, Alles was rcmarkabcl ist und zu beschreiben. So machte ich mich nun ans die Reise, von Lemgo in der Grafschaft Lippe in Westfalen, nachdem ich und mein Vater Abschied genommen von meiner Mutter sammt allen meinen Freunden und sämmtlichc Familie, im!7. Jahr meines Alters. So kam ich zuerst nach unscrs Grasen Residenzstadt Detmold. Selbige ist eine kleine, aber zierliche und wohlgebaute Stadt, hat ein treffliches Schloß, allwo des Grafen Hofhaltung ist, sammt schönen Lustgärten mit künstlichen Wasserfontainen. Ter zu dieser Zeit regierende Graf, Namens Friedrich Adolf, war ein großer Liebhaber von wilden Pferden. Er hat hier im nahe gelegenen Walde eine große Summe Pferde laufen, um wild zu werden, welche mau hier ein bringt, wann flc noch klein sind, zu 1900 Stück bei einander. In selbigem Wald sind hierzu erbaute Ställe, um bei Winterzciten, wenn der Schnee ganz tief liegt, daß sich diese Pferde von dem Gras nicht ernähren können, hier in den Stall zu kommen, wo sic hierzu gemachte Lcircrwcrk vollgestopft mit Heu finden. Wenn die Knechte, die hier ailfpasscn, liegen und die Thürcn offen lassen, komnien diese wilden Pferde allein essen und gehen wieder in den Wald. Es dürfen aber die Knechte sich vor den Pferden nicht zeigen, sic laufen gleich andern ivildcn Thicren sonst gleich weg. Wenn man aber diese Pferde fangen will, muß man Jagd hierzu anstcllcn und mit Strick gefangen werden: hiernach durch vieles Schlagen von vornehme» Bereitern gecrcrzirt und sind darnach gar viel estimirt. — Von hier sind wir nach

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