Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 84 (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1430 da damals die Ehristen nur unter Lebensgefahr die Stadt betreten konnten, während die Inden wieder ihre tarlarische Tracht langsam ablegen und sich europäisch zu kleiden anfangcn. Die in Taschkano in russischer Sprache erscheinende „Turkastanische Zeitung" hat sogar einen kleinen Leserkreis im Indenviertcl Bokhara's, wo auch schon vor vielen Geschäftslädcn nnd Handwerksstätten eine russische Firmatasel prangt. . Deutschland. Berlin, 26. Oet. Die „Krcuzzcitung" demcntirt die von fast allen hiesigen Blättern gebrachte Nachricht, daß Hofprediger Stöcker gegen Prof. Strack wegen dessen Erklärung den Strafantrag wegen öffentl. Beleidigung gestellt habe mit dem Bemerken, daß „dies bisher nicht geschehen sei". Es wird, wie wir glauben, auch fernerhin nicht geschehen, da Herr Stöcker zu wenig Glück mit seinen Prozessen hat. Borläufig ist der Herr Hofprediger offen der Lüge beschuldigt; es wäre interessant, wenn er diesen Lorwnrf ruhig auf sich sitzen lassen würde. HlchaöU'ilirl. Erzählung von Friedrich Rott. IX. Es war Abend, die Fenster in dem Boudoir der Frau von Kleefeld waren geöffnet, laue balsamische Luft strömte herein, denn die Fenster gingen aus den prächtigen Blumengarten, der die Billa umschloß. Das Boudoir, von dem verstorbenen Besitzer der Billa im feinsten exquisiten Geschmack für seine junge Frau ausgestattct, war in Wirklichkeit ein harmonisch schöner Raum. Die Wände waren mit glänzenden! Atlas im zartesten Rosa drappirt, die Polster der Möbel von glänzendem Plüsch in derselben Farbe und ebenso die Fensterdrapirung, an die sich ein breites Spitzengewebe von seltener Schönheit anschmiegte. Eine rosa Ampel in der Mitte des Zimmers spendete ihr warmes, mildes Licht dem trotz seiner Eleganz außerordentlich anheinielnden Raume. Auf der Ehaisclouguc ruhte die Besitzerin der Billa, Frau von Kleefeld, die Schönste der Schönen, wie sic von ihren zahlreichen Verehrern genannt wurde; nnd in Wahrheit, Frau von Kleefeld war eine schöne Frau. Ihre hohe, schlanke Figur im seltenen Ebenmaß war zart und dennoch sanft gerundet, ihr klassisch, schönes Antlitz war von einem Paar wunderschöner, dunkler, funkelnder Augen wie durchgeistigt, ihr prächtiges, hellbraunes Haar hing gegenwärtig nur in zwei schweren Zöpfen beinahe bis ans den Teppich hernieder, denn die schöne Frau hatte heute nicht Toilette gemacht, befand sich trotz der vorgerückten Stunde noch im weißen, losen Morgcnklcid, das freilich mit Brüsseler Spitzen nnd schweren rosa Seidenschlcifen so reich verziert war, daß gar manche Schöne freudigen Herzens es zur Balltoilette benützt hätte; doch Frau von Kleefeld hatte heute nicht an ihre Toilette gedacht, zum ersten Male nicht, seit dem Sterbetage ihres Gatten. Ihre sonst von einem zarten Rosa leicht überhauchten Wangen waren heute lilienweiß; aus ihren langen, dunkeln Wimpern stahl sich hin und wieder eine glänzende Thräne und glitt langsam hernieder, ohne daß die junge Frau cs zu gewahren schien, um ihren kleinen sonst stets lächelnden Mund zuckte cs heute wie in verhaltenem Schmerze. „Die gnädige Frau hat Migraine, kann heute Niemanden empfangen." Mit dieser Erklärung waren heute sämmtliche Besucher abgewiesen worden; doch als es nun am Abend leise an die Thür des Boudoirs pochte, sagte die schöne Frau vielleicht unbewußt „herein." Die Thür ging ans, Herr Stcinhard trat in das Zimmer. „Ergebener Diener, gnädige Frau! — Welch' glücklichem Zufall verdanke ich denn dieses seltene Glück, Sie zu dieser Stunde ganz allein, ohne die Schaar Ihrer Anbeter zu treffen?" „Willkommen, Herr Steinhard," sagte Frau von Kleefeld matt, indem sie sich anfrichtete und dem Besucher ihre schmale, weiße Hand reichte. „Bitte, setzen Sie sich." Er ließ sich ihr gegenüber in einen Sessel nieder und blickte forschend ihr in das schöne Angesicht, „Sie scheinen sich in Wirklichkeit nicht recht wohl zu fühlen, gnädige Frau?" Sie erwiderte nichts, aber ihre Lippen bebten. Er schüttelte den Kopf. „Ich komme, wie gewöhnlich im Interesse einer unglücklichen Familie; ich hatte Ihre Ranette aufgesordert. Sie zu ersuchen, mich auf einige Minuten allein empfangen zu wollen, als ich zu meinem Erstaunen erfrchr, daß Ihr Salon heute leer, daß Sie sich ganz allein in Ihrem Budoir befinden. Ich hätte mir nicht »