Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 83 (26.10.1885)
- Date
- 1885-10-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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und so die erste Vorbedingung historischer Arbeit — die Kenntnis! der Quellen — zu sichern und zu erleichtern. Regesten zur Geschichte der Juden in Deutschland, welche das gesannnte in historiographischen und urkundlichen Quellenpublikationen vorliegende, in vielen Hunderten von Bänden zerstreute Material ordnen und zusüniluenftellen, mutten vorhanden sein, ehe eine Geschichte der Inden in Deutschland geschrieben werden kann. Zugleich aber ist noch ein Anderes erforderlich. Neben den in lateinischer und deutscher Sprache geschriebenen Quellen gibt es noch eine nicht geringe Anzahl anderer, welche für die Geschichte der deutschen Juden und z. Th. für die Geschichte Deutschlands überhaupt von Werth sind. Von jenem ersten vor Kurzem entdeckten Bericht über die Judenverfolgung von 1690 an bis zum Ende des Mittelalters gibt es historische Aufzeichnungen, Memorbücher u. s. w., welche unter llmständen von nicht geringer Bedeutung sind. Ihnen schließen sich die noch erhaltenen inschriftlichen Quellen — die Grabsteine — nach der einen Seite an, während auf der andern Seite die juristischen Quellen, die Responscnsammlungcn der Rabbiner, indem sie zur Begründung der getroffenen Entscheidungen über den ihnen unterbreiteten Thatbcstand berichten, werthvolles Material insbesondere für die Eulturgeschichte bieten. Alle diese Quellen, die in hebräischer Sprache geschrieben sind, entziehen sich dem Studium des in herkömmlicher Weise gebildeten Historikers. Soll das reiche in ihnen enthaltene Material nutzbar gemacht werden, so ist eine Sammlung dieser Quellen und ihre Edition in kritisch bearbeitete und commentirten Uebersevuugen geboten. Diese Sammlung würde zugleich von einem einzelnen Punkte aus eine Ergänzung des großen Rationalwcrkcs der Moimmenta Historiae Gemanica bieten. Jedes der beiden Werke, die im Vorstehenden als nothwendige Voraussetzungen wissenschaftlicher Bearbeitung der mittelalterlichen Geschichte der Inden in Deutschland bezeichnet sind, übersteigt die Kräfte und Mittel eines Einzelnen. Wie wir ihrer bisher entbehrt haben, werden wir ihrer auch für die Zukunft entbehren müssen, wenn nicht eine Bereinigung geschulter Historiker den Plan beider Unternehmungen fcstsetzt, seine Ausführung durch besoldete Arbeitskräfte — jüngere Historiker und Philologen — anordnet und überwacht. Wie historische Commissionen die großen Publikationen der MonumentaJjermaniae historica. der Reichstagakten, der Städtechroniken u. s. w. geschaffen haben, wie in der Provinz Sachsen, im Großherzogthum Baden solche Commissionen für die Publikation von landcsgeschichtlichen Quellen neuerdings begründet sind, wie die Publikationen der preußischen Archiv-Verwaltung aus der gleichen planmäßig geleiteten Vereinigung und Verthcilung der Arbeitskräfte hervorgegangcn sind; so bedarf es einer Bereinigung von Fachmännern zu einer Art von historischer Commission, der die erforderliche» Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, wenn die obengedachten Arbeiten, denen sich im Laufe der Zeit und insbesondere für die neuere Geschichte andere Aufgaben anschließen werden, unternommen und zu gedeihlichem Ziele geführt werden sollen. O e st e r r. - ll n g a r. Monarchie. Wie». 21. Qct. Profeffor Rohling hat seine im Vorjahre gegen den Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch erhobene Ehrcnbeleidigungsklage zurückgezogen, nachdem bereits die Schlußvcrhandlnng auf den 19. November anberaumt war. Das Laudesgertcht legte dem Profepor den Ersatz der aufgelaufenen Kosten au Tr. Bloch auf. Wien. Im August dieses Jahres trat in Wien der in Unghvar stariouirte junge Qssiziers- Stcllvertrcter Stephan Qlsavszky vom katholischen zum jüdischen Glauben über. Vor einem Jahre lernte Qlsavszky das Mädchen Lina Burger kennen und faßte den Entschluß, sie zu heirathen. Das Mädchen wollte sich aber nicht taufen lassen, und da entschloß sich der junge Cadet, Jude zu werden. Als der Uebertritt vollzogen und Qlsavszky nach Unghvar znrückgekehrt war, um sich mit seiner Braut zu vermählen — die Trauung sollte am 11. d. M. stattsinden — kam das Bcrhängniß. Schon stand das Brautpaar vor dem Altar und wechselte die Ringe, als ein Polizei-Feldwebel und vier andere Polizisten im Teinpel erschienen und die Trauung verhinderten. Kein Mensch weiß, warum, es scheint aber die Jntrigue einer — Frau dahinter zu stecken. Qlsavszky ist jedoch nicht dämm Jude geworden, daß er sein Vorhaben anfgebe. Er ließ sich aus Unghvar vom 36. Honved-Bataillon zum 41. Bataillon nach Kaschau transferiren, wohin ihm auch seine Braut folgte, und in Kaschau ging endlich die lang ersehnte Trauung anstandslos vor sich. E n g l a n d. London. Die Abrogirung gewisser Gebetstucke hat einen Theil der Mitglieder der Dalston- Synagoge veranlaßt, aus dieser Synagoge auszntreten. Herr N. L. D. Zimmer, ein wackerer Kämpe des orthodoxen Jndenthnms, hat diesbezüglich ein größeres offenes Schreiben an den Vorstand dieser Synagoge gerichtet.