Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 83 (26.10.1885)
- Date
- 1885-10-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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X3£Yl. JahrgatiA. Srilage jtt Nr. 83 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 20. Oct. Seit dem Bestehen des D. I. G. V. ist der Ausschuß sowohl in Leipzig, als neuerdings in Berlin zu wiederholten Malen damit beschäftigt gewesen, den Punkt § l, 3 des Status (Verbreitung richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthunrs) in Ausführung zu bringen. Nach vielen Erwägungen und vorbereitenden Arbeiten ist der Ausschuß zu der Erkenntniß gelangt, daß diese wichtige Sache am Besten durch einen Verein von Fachmännern, welche nach dem Vorbilde bereits bestehender ähnlicher Institutionen sich zu einer historischen Commission constitniren sollen, behandelt werden müpe. Beifolgendes Promemoria*) erörtert die Bedürfnißfrage und entwirft auch einen Arbeitsplan für eine solche Eonimission. Es ist dem Ausschuß gelungen, folgende Fachmänner für das Unternehmen zu gewinnen; die Mitglieder der Kgl. Akademie der Wissenschaften, die Herren Professoren der Geschichte Dr. Wilhelm Wattenbach und Dr. Julius Weizsäcker in Berlin, den Prosenor der Rechte Herrn Geheimen Hofrath Dr. Otto Stobbe in Leipz'ig, die Professoren der Geschichte Herren Dr. Harry Vreßlau und Dr. Ludwig Geiger in Berlin und den Realschuldirector Dr. Hermann Baerwald in Frankfurt ä. M. Zn diesen Fachmännern sind noch zur Vermittelung des Geschäftsverkehrs die Herren Geheimrath Dr. Kristeller und Professoren Dr. Lazarus und Dr. Steinthal vom Ausschüsse des D. I. G. B. deputirt worden. Genannte 9 Herren haben sich nunmehr in einer Plenarsitzung, in welcher sämnitliche Mitglieder anwesend waren, unter Vereinbarung eines Geschastsreglements als „Historische Commission des Deutsch-Israelitischen Gern ein debnud es" conftituirt und haben Herrn Professor Vreßlau zum ersten und Herrn Professor Stobbe zum zweiten Vorsitzenden erwählt. Die Publikation der Commission werden durch ein eigenes Archiv erfolgen, welches auch eine Sammelstelle für geeignete Beiträge zu Geschichte der Juden in Deutschland werden soll. Die Mittel für das Unternehmen werden theils aus den Fonds des D. I. G. B., theils aus Subventionen von Gemeinden und außerordentlichen Mitgliedern aufgebracht. Promemoria. Seit im Jahre 1866 O. Stobbe sein ungemein verdienstliches Buch j„Die Inden in Deutschland während des Mittelalters" veröffentlicht hat, ist unsere Literatur an Schriften über die Geschichte der deutschen Juden um Hervorragendes nicht vermehrt worden. Zwar ist in einer nicht geringen Zahl von Arbeiten die Geschichte einzelner jüdischer Gemeinden oder territorialer Gruppen von Gemeinden dargestellt worden, aber indem die Verfasser dieser Schriften Laien auf dem Gebiete historischer Forschung waren, fehlte es ihnen an der ausreichenden Beherrschung des Qnellenmaterials und an der kritischen Schulung, ohne welche die Arbeit der Geschichtsforschung und- Darstellung keine reifen Früchte zu zeitigen vermag. Hierzu kommt noch, daß sowohl diese Arbeiten, als auch die größeren Werke über die Geschichte der Inden im Allgemeinen nicht genügend von dem Gedanken durchzogen sind, daß die Geschichte der deutschen Juden doch nur ein Theil der allgemeinen deutschen Geschichte ist, daß sie von diesem Standpunkt aus angesehen und behandelt werden muß und erst von diesem Standpunkt aus richtig begriffen und vollkommen gewürdigt werden kann. In den zwei Jahrzehnten, die seit dem Erscheinen von Stobbe's Buch vergangen sind, hat sich das Quellenmaterial für die mittelalterliche Geschichte Deutschlands und damit auch für die der deutschen Juden in nicht vorherzusehender Weise gemehrt. Die Publikation der Llonumenta Gennaniae historica ist auf's Rüstigste fortgeschritten; die historische Commission der Münchener Akademie hat Städtechroniken und Reichstagsakten in zuverlässigen Texten zugänglich gemacht; die Zahl der Urknndenbücher, welche die Schätze der Archive erschließen, hat sich mehr als verdoppelt. Ein überaus umfangreiches Material harrt der Bearbeitung, so daß der einzelne Historiker es nicht mehr zu übersehen vermag. Ueberall machen es sich deßhalb historische Vereinigungen, unterstützt von staatliche» und städtischen Behörden zur Aufgabe, durch die Anfertigung von Regesten eine Uebersicht über diesen immer massenhafter anschwellenden Stoff zu ermöglichen *) Siehe unten.