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Der Israelit · 1885-10-26 · Heft 83 (26.10.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 83 (26.10.1885)
Date
1885-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1411 Privatleben betrachtet, ist cs schwer zu begreife«, wie dieser Mann seine» Vorgänger so in den Himmel zu heben vermag. Doch lassen wir die Tobten ruhen; wir haben Stoff zu unseren Betrachtungen aus dem Leben. Um auf e"» zurückzukommcn, fei erwähnt, daß man im alten Theile der Stabt verhältnißmäßig viele rrra beobachten konnte; aber auch in der oberen Stadt fehlte es nicht und der Esrogimhandel hat ebenfalls gezeigt, daß der Artikel noch vielfach begehrt ist. Die Ehrenämter rron ]nn und rrrjos inn haben den Gemeinden, in denen diese Ehre noch gewürdigt wurde, nicht nur manchen Dollar eingetragen, sondern die Mitglieder konnten sich auch leiblich im Hause der Gefeierten stärken. Daß bei solchen sogenannten rnLv nriiyo viel geredet, viel gute Vorsätze gefaßt werden, ist klar; leider halten aber viele Vorsätze nicht länger als bis nrx-o raff an. Dagegen aber kömmt gar Mancher in einer Großstadt wie New-^ork zu ras, die chm an kleinen Plätzen nicht blühen. So kam am rrs? -reff Mittag, als sich die Familie bei Tisch fand, ein unbemittelter Mann zu dem bekannten bnv Herrn S. Heller thränendcn Auges mit der Bitte, an seinem Kind die r6’c zn vollziehen. Es sei der 8. Tag und er konnte keinen finden; der Mann war erst drei Monate im Lande und hatte für sich und seine 4 Kinder kaum Brod. Obwohl der Mann eine Stunde weit weg wohnte, machte sich H. auf den Weg, und der gerade in der ra-o anwesende "idid und wohlbekannte pt^> (Verfasser des Werkes rain «na) -njfot '-) ging trotz seines hohen Alters mit, um die Stelle des Gevatters zu übernehmen. An dem Kind konnte zur richtigen Zeit die rb'Q vorgcnommen werden, ohne daß einer der Bctheiligten e"* ^>no zu sein brauchte. Man sieht cs gibt noch echte a-rcr hier zu Lande. btnff» ]ubx n!? »r. — Am 4. October fanden in vielen Gemeinden der Stadt New-Aork und des Landes Trauergottesdienstc um Sir Montefioire statt; im Tempel Enianucl sprach Rabbiner Dr. Gottheit und besonders eindrucksvoll einer der Vorstände des Tempels, der Präsident des New-Iorker Stadtraths Herr L. Sänger; im Tempel Ahawath Chescd sprach Dr. Kohut. In den andern Gemeinden, insoweit dort nicht früher schon ein Gottesdienst gehalten wurde, ließen mehrere große oder kleine Größen ihre Beredsamkeit ertönen. Von einem Denkmal ist cs so stille geworden, wie mau Dr. Browne stets gerne so stille sehen möchte. — Das junge Reformrabbinerthum in Amerika hat einen empfindlichen Verlust erlitten. Am 28. September erlag einem Herzschlag der Rabbiner des Tempels Emann-El in San Francisco, Dr. Jllch. Derselbe stndirlc in Deutschlands von wo er vor 1 Jahre zurückkehrte; vor kurzer Zeit hatte er erst die Stelle angctrcten. Im hiesigen Tempel Emannel hat er vor einiger Zeit gepredigt und gezeigt, daß er sich zur Höhe der hiesigen Reform aufznschwingcn wußte. Mit ihm ging ein äußerst fähiger Mann zu Grabe, der sich persönlich beliebt zu machen verstand. — Ich habe den werthcn Lesern jüngst versprochen, die Kohlcr'schen Reden des Näheren zn würdigen. Inzwischen habe ich solche gelesen, und wenn ich auch schon^ früher Auszüge gelesen, so muß ich doch gestehen, daß die Predigten in vollem Wortlaut alles früher Gesagte weit übertrcffen. Ich verzichte darauf, den Lesern des „Israelit" diese Reden vorzuführcn; sie sind so gegen unsre Gesetze und alle Traditionen, daß man sie am besten ignorirt. Was K. an unsren Gebeten, Gebräuchen n. s. w. paßt, das ist von der Reform, alles Andere haben die Orthodoxen gemacht. Schade für das Papier. Von diesem Standpunkte scheint auch Kohnt auszugehcn, da er seine Predigten, die ja die besten Antworten wären, nicht drucken ließ. — Ein altes Sprichwort: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" bewahrheitet sich am hiesigen resp. amerikan. Rabbinerthnm. Wenn die Väter schon so radikale Ansichten entwickeln, wie müssen daun erst die Kinder sein, und ein dieser Tage bekannt gewordener Vorfall zeigt, daß die Eonsequenzcn oft sehr weit führen. Einer verbürgten Nachricht zufolge hat nämlich der Sohn eines vor nicht allznlangcr Zeit verstorbenen bekannten Rabbiners eine schwarze Dame (nicht, daß „schwarz" etwa hier mit orthodox zu verwechseln wäre, sondern eine Mulattin) gchcirathet, die Dame soll sehr hübsch sein und war dcßhalb das Vorgehen des nicht minder hübschen jungen Mannes erklärlich. Eommcntar überflüssig! Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland.. Berlin. Der designirte Polizeipräsident von Berlin, Freiherr von Nichthofen, hat sich als Landrath im Stolper Kreise allgemeine und herzliche Sympathien zil erwerben gewußt. Insbesondere wird ihm menschenfreundliches Wesen und Ritterlichkeit nachgerühmt. In guter Erinnerung ist noch eine Episode aus jener unseligen Zeit, als die Wogen der antisemitischen Agitation ihren Höhepunkt erreicht hatten. Der Landrath, welcher bekanntlich

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