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Der Israelit · 1885-10-22 · Heft 82 (22.10.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 82 (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1394 N u ßlan d. Petersburg, 13. Oktober. Nach einer Meldung aus Kischincw fand in Pesin, im DistrictOrgejew, am zweiten Tage des jüdischen Laubhüttenfestes ein ernster Zusammenstoß zwischen Juden und Moldauern statt. Die Ruhestörungen dauerten den ganzen Tag und es wurden auf beiden Seiten viele Personen verwundet. Nach Wiederherstellung der Ordnung leiteten die Behörden unverzüglich eine Untersuchung des Vorfalles ein. In der Synagoge zu Satzlab fiel am tu ho Abend durch die Unvorsichtigkeit einer Frau eine Petroleumlampe zur Erde. Sofort erschallte der Ruf: Feuer, und die Menge (an 3000 Personen waren im Gotteshause versammelt) drängle nach den Ausgängen. Der Besonnenheit zweier beherzter Männer, die sich an den Hauptausgang stellten und die Leute zur ruhigen Entfernung aus dem Gebäude ermahnten, da auch nicht die geringste Gefahr vorhanden, ist es zu danken, daß ein schreckliches Unglück verhindert wurde. Bekanntlich erhalten laut Rundschreiben des Unterrichtsministers jüdische Studenten an den russchen Universitäten keine Stipendien mehr. Zn Kiew cxistirtjedoch ein von Israeliten aufgebrachter besonderer Fond für jüdische Studenten, dessen Erträgniß den armen Israeliten cs ermöglicht, ihre Studien fortzusetzen. Der Rector der Universität hat nunmehr, nachdem er Einsicht von den Akten dieses Fonds genommen, die Aufnahme jüdischer Studenten gestattet, wenn dieselben auch eigene Existenzmittel nicht Nachweisen, können. A s i e n. Aleppo*). Der hier erscheinende arabische „Efrat (Euphrat)" meldet: „Unser .Herr und Gebieter, Sultan Abdul Hamid Khan, hat soeben der großen Moschee hier, die noch unter der Herrschaft der Omajaden erbaut wurde und die zu den großartigsten Bethäuseru des Islams gehört, ein herrliches Geschenk zugescndet. Es ist dies ein Glas- Lustrc von ausgezeichneter, künstlerischer Arbeit, der für fünfzig Wachskerzen bestimmt ist. Dieses Geschenk ist aber nicht so sehr für das Gotteshaus selbst, als für das in ihm befindliche Grab des Propheten Zacharias bestimmt." Zur Erklärung dieser Mittheilung diene, daß nach der mohamedanischen Tradition die Gebeine von *oan mm, der in Damascus oder in dessen Nähe gestorben sein soll, hierher gebracht und hier in einer Höhle beigesetzt wurden. Später ließen denn die Herr- •) Nachdruck »ertöten. scher ans dem Hanse der Omajaden über diesem Grabe das erwähnte Gotteshaus anssühren. Die Inden in Jerusalem 'behaupten jedoch, daß die drei Propheten mm, pn ihre letzte Ruhestätte in der Nähe der heiligen Stadt gesunden und bezeichnen sie ein Gebäude unweit des Oelbergcs als deren gemeinsame Grabesstätte. Wer hier Recht hat, das dürfte schwer zu entscheiden sein, da die heilige Schrift nichts über das Lebensende dieser drei letzten Propheten meldet. Jedenfalls aber zeugt die Tradition der Mohamcdaner dafür, daß Aleppo jdas „Ehalybs" der Griechen, während es die Araber „Halcb (rn)4* ncinicuj noch vor der Zerstörung des ersten Tempels von Juden bewohnt war, und dürste somtt die jüdische Ueberlieferung Recht haben, welche behauptet, diese Stadt sei mit dem rers an» in den Büchern der K önige identisch. Indcß lieferte uns Sultan Abdul Hamid mit seinem Geschenke für di.scs Gotteshaus einen deutlichen Beweis, wie tief noch bei den Moslims ihre Verehrung für die jüdischen Propheten wurzelt, und wie sie cs heute noch nicht unterlagen, deren wirkliche oder vermeintliche Grabesstättcn zu besuchen und auSzuschmücken. Feuilleton. Rckaöilitirt. Erzählung vsa Friedrich Roll. VH. Rosa eilte fort zu Allen, die sic kannte, überall erkundigte sic sich nach ihrem Bruder, doch nirgend erhielt sic Auskunft über ihn. Die Angst des nahezu verzweifelnden Kindes steigerte sich von Minute zu Minute, ihr Bruder mußte verunglückt sein, deß hielt sie sich bereits überzeugt. Die ganze Stadt war bereits allarmirt wegen des verschwundenen jungen Mannes, seine Freunde suchten ihn überall, Nahezu zwei Sttmdcn war Rosa herum gerannt, zu allen, die sie kannte, von Haus zu Haus. Es dunkelte bereits, als sie im Begriffe war, sich auf bcu Heimweg zu machen, sie wußte kein Haus mehr, in dem sie nicht nach ihm geforscht. Innerlich schluchzend eilte sie der Straße zu, in der die Wohnung ihrer Eltern sich befand, und wäre in ihrer Hast beinahe gegen einen ältliche» Herrn angerannt. „Grüß' Sic Gott, liebes Fräulein!" rief dieser, „wie kommen denn Sie hierher? zu dieser Stunde und allein?" „Haben Sie meinen Bruder nicht gesehen, Herr Steinhard?" fragte Rosa mit verhattenem

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