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Der Israelit · 1885-10-22 · Heft 82 (22.10.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 82 (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1395 schluchzen, „wir suchen ihn überall Wld können ihn nirgends finden." „Und seit wann vermissen Sie ä|n?* forschte Steinhard betroffen. „Um elf Uhr ist er vom Hause fort gegangen, in der Absicht seine Braut zu b Zachem- Ader er ist nicht dort gewesen, linb auch nicht rna (^uniplmr bei Leblcr, Niemand hat ihn gesehen, kein Mensch weiß, wo er ist. — O gewiß, ihm m ch Unglück geschehen i" fügte sie in Thränen anslbrechend hinzu, „er hat sich schon heute Morgen sehr umnohl gefühlt —" „Bcrnliigen Sie sich, liebes Kind," sag:: Steinhart freundlich, indem er die Hand Des weinenden Mädchens in seinen Arm zog, „kommen Sie, ich begleite Sie nach Hause. — Und was Ihren Bruder betrifft, so wird sich sein UnwohlWn hmentlich längst verloren haben. Heute Mittag war er bei mir —" „Bei Ihnen ist er gewesen?" rief Rma überrascht, „und er wollte zu Adele, mrü> ist nicht bei ihr gewesen." „Er hat es mir gesagt," berichtete Steinhard, „er wollte von Fräulein Ehrmanu AAchied nehmen, aber —" „Abschied nehmen," wiederholte Mosa staunend, „aber warum denn Abschied?" „(5t sagte, er müsse auf unbestimmte Zeit verreisen." Das junge Mädchen blieb wie Earrt mitten in der Straße stehen, sie fuhr sich mit der Hand über die Stirn, sie glaubte in der Mat, nickt recht gehört zn haben. Steinhard zog sie jsanft mit sich. „Kommen Sie, liebes Kind. IHM (yiirni werden vermuthlich von der Abreise Ares Bruders wiffen." _ „Nein," flüsterte Rosa, „davon wüffen sic nichts. Mama glaubte, er wäre bei Lehteir und Papa, läuft wie ich in der Stadt umher, um ihn zu suchen." „Da muß ein Mißverständniß obiwalterr," sagte Sleinhard, den Kopf schüttelnd, „kamen ^ie uns eilen." Kornfelds Wohnung war bald «erreicht. Sie fanden Frau Kornfeld in Thränen am gelöst gegen einen Nervenanfall kämpfend, während ihr Gatte vollständig gebrochen in einem SessÄl lehstte. Er hatte, wie seine Tochter überall vergebens nach dem Sohne geforscht; vor einer halben Stunde war er heimgekehrt, physisch und moralisch nahezu vernichtet — sein blasses verstörtes Antlitz hakte seine Frau das Schrecklichste ahnen lassen — vnd er hatte keinen Trost für sie, er kauerte in dem Smel übereinander und barg ächzend das Antlitz in den Händen. Bei ihm war eS doch nicht allein und nicht einmal vorwiegend die Angst um den Sohn, bei ihm handelte es sich um das Scheitern seines kunstvoll angelegten Planes, durch den er auf Rettung gehofft hatte — und nun — Rosa stürzte ans die Mutter zn und umschlang sie mit ihren Armen. „Sei unbesorgt, Mama! Morgen, will's Gott, werden wir sicher Nachricht von Eduard erhalten. Er war heute Mittag bei Herrn Steinhard und hat gesagt, er müsse ans längere Zeit verreisen." „Und Sie wußten nichts von seiner bevorstehenden Abreise?" fragte Steinhard, der gleichzeitig mit dem jungen Mädchen eingetrcten war. Frau Kornfeld schüttelte, noch immer zitternd, das Haupt. „Er hat uns nichts davon gesagt. — Wie fanden denn Sie ihn, als er bei Ihnen war? — war er noch bleich?" „Bleich war er allerdings, und sehr aufgeregt. Doch schien die bevorstehende Abreise, namentlich die längere Trennung von der Geliebten seine Erregung zu rechtfertigen. — Ich glaube, Sie können unbesorgt sein. — Doch ich will nicht länger stören. Ich habe die Ehre —" Er verneigte sich grüßend gegen die Damen, dann ergriff er die Hand des wie abwesend dasitzcnden Hausherrn. „Adien, Herr Kornfeld!" Und während Rosa um die Mutter beschäftigt, der noch immer heftig Zitternden Puls und Schläfen mit kölnischem Wasser badete, zog Steinhard Kornfeld mit sich ans dem Zimmer, druckte die Thur in's Schloß und geleitete den ihm mechanisch Folgenden an das entgegengesetzte Ende der Hausflur. „Hatten Sie in Wirklichkeit keine Ahnung von der bevorstehenden Abreise Ihres Sohnes?" fragte Steinhard im Flüsterton. „Nicht die entfernteste Ahnung," entgegnete Kornfeld mit leiser, bebender Stimme. „Die Nachricht von seiner Abwesenheit traf mich wie ein Donnerschlag. — Zwei Stunden lang bin ich in den EafL's und Bierhäusern herumgclanfen, ihn zn suchen. — Und wohin ist er gereist? — Hat er es Ihnen mitgetheilt?" Steinhard schüttelte den Kopf. „Das hat er mir nicht sagen wollen — er behauptete, er dürfe es nicht. Er hat jedoch versichert, daß er nichts Unrechtes und nichts Unehrenhaftes beabsichtige, wovon ich freilich auch ohne seine Versicherung überzeugt war, — denn ich kenne Ihren Sohn, er ist ein braver durch und durch ehrenhafter Eharakter. Trotzdem hat mich sein erregtes Wesen sehr beunruhigt —"

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