Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 82 (22.10.1885)
- Date
- 1885-10-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1393 Regierung werde die Hilfscomitc's durch Bewilligung von Geldsammlungen und Fahrpreisermäßigungen auf den Staatsbahnen unterstützen, während die weitere Sorge für die uothleidenden AuSgcwiesencn den Zuständigkeits-Gemeinden überlasten werden muß. Wien, 18. Oktober. In seiner Nummer vom 15. d. Mts. bringt der „Israelit" auch die Meldung, daß unter den vom Ezaren anläßlich der Kremsiercr Entrevue decorirtcn Personen sich auch „unser Glaubensgenosse" der Scctionsrath Dr. Blumenstock hier befand. Ich sehe mich leider gezwungen, dem „Israelit" insoweit ein Dementi zu geben, als wir armen Söhne Israels schon seit Jahren nicht mehr die Ehre genießen, den hochgestellten Herrn Scctionsrath zu „unseren Glaubensgenossen" zählen zu dürfen. Auch die Brüder und Schwestern der Gattin des Sectionsrathes, einer geborenen Adler, haben schon vor Jahren der Religion der Väter entsagt. Im vorigen Jahre haben nun auch die hochbetagten Schwiegereltern unseres Sectionsrathes, Marcus Adler, der früher ein armer „Handelsjnde" war, jetzt aber ein mehrfacher Millionär ist, und dessen Frau, bei einem zufälligen Besuche in Nom dem Jndenthume den Rücken gekehrt. Uebrigeus muß man dem edlen Greiseupaarc diesen Schritt entschuldigen, den cs nur gezwungen unternommen, da Beider Leben in höchster Gefahr war und cs sich also um eine nwEj nco handelte!!! Einen Tag nach der Taufe der beiden Alten brachte nämlich der ..Moniteur de Borne“ einen ellenlangen Artikel, in welchem er den Hergang bei deren Taufe und die Motive, welche dieselbe hcrbeigcführt haben, so wie er sic aus dem Munde des Ne'ophyten selbst gehört, schilderte. Diesen Motiven zufolge sei Herrn Adler gleich nach seiner Ankunft in Rom die Mutter des Stifters des christlichen Glaubens im Traume erschienen und habe ihm angerathen, er und seine iyrait mögen ja mir schleunigst das Judenthum über Bord werfen, da sie sonst ihren nächsten Geburtstag nicht erleben würden. Dieses Traumgebilde habe ans die altersschwachen Nerven des Herrn Adler so stark eingewirkt, daß er und seine Frau gar nicht ihre Rückkehr nach Wien abwarten wollten, sondern gleich in Rom selbst ihren Glauben wechselten. Prag, 13. Oktober. In der heutigen Sitzung des Corpsausfchusscs des bürgerlichen Jnfaulcric- Corps wurde der Fürst-Erzbischof Graf Schönborn zum geistlichen Protektor, der Bürgermeister Balis (Protestant) nnd Emil Ritter vonKubinsky (Jsra eliyzn Ehreuoffizieren mit Hauptmannsrang ernannt. Prag, 14. Oktober. Dr. Moritz Löwit, Doccnt an der hiesigen deutschen Universität» hat einen Ruf als Professor der Phisiologie an der Universität in San Jago (Chile in Südamerika) erhalten. Pesth, 11. Oktober. Am 4. d. starb dahier Herr M. T r e b i t s ch, eines der populärsten und geliebtestcu Mitglieder unserer Gemeinde. Seine echt jüdische Wohlthätigkcit, sein überaus leutseliges und freundliches Wesen, sein edler Eharacter, die reichen Schätze seines Herzens und Gcmüthcs und nicht minder die seines Geistes erwarben ihm das unbegrenzte Zutrauen und die liebevolle Anhänglichkeit aller derer, die das Glück hatten, in irgend eine Beziehung zu ihm zu trete». In ihm hat das ung. orthod. Judenthum einen nicht leicht zu ersetzenden Verlust erlitten. Als die ersten Kämpfe des Judenthums in Ungarn und Siebenbürgen losbrachcn, war er der erste, der sich an die Spitze der 'n rosr&a gestellt und durch sein eifriges Bestreben die Augen alle mim mn auf sich lenkte. Letztere erkannten in ihm das Oberhaupt der mn now *ren, welchem Amte er treu bis zu den letzten Tagen seines Lebensalters obwaltete. Mit voller .Kraft und Energie trat er stets den Rcformbcwegungen entgegen. Mit ihm schwindet zugleich ein Schatz an Wissenschaft; als vielbeschäftigter Kaufmann durchwachte er die Nächte im Studium der.-»nipn min, suchte oft nstfc kein Rnhclager ans, ja selbst dann noch, als seine Kräfte abnahmen nnd er mit körperlichen Schmerzen, die er stets mit der größten Geduld nnd Ergebung in den heiligen Willen Gottes ertrug, zu kämpfen hatte, widmete er seine freie Zeit dem Studium der Gottcslchre. Seinem letzten Wunsche gemäß wurde er in Alt-Ofen auf der Stätte begraben, wo sein Lehrer n'V'o a"n"ö"n mn ha?pn tinn, dessen prniv TcVn dieser pns gewesen, rnht. Möge 3"n’t?n der schwergeprüften Gattin und den trauernden Kindern sowie allen O'btym ]rsi Trost senden. n":jWn Frankrei ch. Paris. Beim ersten Wahlgang der Deputirtcnkammcr wurden vier Israeliten gewählt. Es sind dies die Herren Bischofsheim in Nizza, Eremieux in Nimes, Iaval in Dijon und Naynal in Bordeaux. Die Akademie der schöne» Künste hat unferm Glaubensgenossen Herrn Edmund Picard denTroyoupreis znerkannt.