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Der Israelit · 1885-10-22 · Heft 82 (22.10.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 82 (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1391 von Wochen Gefängnis; vorgeworscn wurde. Pros. Strack erhob die Widerklage wegen May's Aeußernng, das; er als Priester der christlichen Rcligion lieber für die Christen als für die Juden hätte cintrcten sollen, daß er nur aus. Angst vor den Inden das Kol-Nidre vertheidigt und den Hofprcdigcr Stöcker angegrincn habe und daß ein bekannter Spion sein Inspirator gewesen sei. Auf direktes Befragen des Präsidenten, des Assessors LnchS, gesteht May nach langem Zögern zu, daß er sich den Toctortitcl im Jahre 1875 in Philadelphia erworben habe und früher „Fabrikbesitzer" gewesen sei. Er stannne anS einer berühmten und frommen Truckerfamilie in Breslau und habe bis zu seinem dreizehnten Lebensjahre tausendmal mehr den Talmud in der Hand gehabt, als Strack auch nur gesehen. Er vertheidigt den so hart angcfcindetcn Hofprcdigcr Stöcker; den Prozeß mußte er anstrengcn „auf Beschluß" der Redaktion des „Reichsboten". Nach der ersten halben ^stunde erklärte der Präsident nach längerer Berathnng die Beweisaufnahme für geschlossen, die dringende Bitte Stracks, wenigstens noch bcu als Zeuge erschienenen Herrn Dr. Berliner zu vernehmen, der May genau kenne und dessen verwerfliche Charaktereigenschaften,' Lüge und Narrheit, er ihm in einem Schreiben charakterisirt, wird abgewiesen. Nach den Plaidoyers der Anwälte beider Parteien ergreift Herr Prof. Strack zu seiner Berthcidigung daS Wort, in der er, vom Präsidenten wohl zehnmal unterbrochen, tief erregt seine Stellung zur „gemeingefährlichen" Antisemitenbewegnng kennzeichnet, und mit schmerzdurchbebtcr Stimme sich gegen den schweren Borwurf vertheidigt, daß er seine Stellung als Priester des Christenthnms verleugne und nur aus Angst vor den Juden für das Kol-Nidre eingetrete» sei. „Ich soll meiner Stellung als Christ mir nicht bewußt gewesen sein? Nach einem Aufsätze über Hillel wurde ich auf's schärfste von der „Jüd^ Pr." und von der „Jsr. Wochenschrift" angegriffen, der „Israelit", das weitverbreitetste jüd. in Mainz erscheinende Organ, nannte meine Ansicht über das Kol-Nidre einen „schweren Jrrthum," den „Nathanael" gab ich für die christliche Mission heraus, bis ich allerdings im Juni aus dem Comite wegen Zwistigkeiten anstrat. (Strack drängte u. a. zur Ausweisung May's aus einer Missionsschule, wo er sich zur Taufe vorbereitete. Nef.) Strack schließt milder Verlesung einer Erklärung, die allgemeine Sensation hcrvorrief, und deren Schlußsatz lautet: „Wenn das Landgericht im ersten Stöckerprozeß alles von dem Herrn Hofprediger erfahren hätte, was ich von ihm weiß, es würde sein Verhalten mit einem anderen, strengeren Ausdruck als dem der Lcichtfcrtigkcit belegt haben. Bis heute habe ich Herrn Stöcker nicht der Lüge geziehen, bis heute, hoher Gerichtshof..." Präsident unterbricht den Redner und verbietet die weitere Verlesung als dem Gesetze widersprechend. Strack setzt sich in tiefer Erregung. May dcclamirt äußerst rasch noch eine besondere verschwommene. Rede her, wobei er den Beweis für seine Talmud-' kcnntnisse antretcu will, was der Vorsitzende lächelnd ablchnt. Nach einvicrtelftüudigcr Bcrathung verkündete derselbe das Urthcil, daß Prof. Strack freizusprechcn, Simon May zu 30 Mark Strafe oder « Tage Gefängniß und zu s.ämmtlichcn Gerichtskostcn zu verurtheilcn s e i. Die Begründung des Erkenntnisses stellt Herrn May das Zeugniß aus, welcher dieser „Ncichsboten- Redacteur" voll verdient. Strack wird von Glückwünschcnden umringt, May verläßt leichenblaß an der Seite eines Führers des „Deutschen Antiscmitcnbundes" die Gerichtsstätte. Der Prozeß und sein Ansgang bedeuten einen neuen Schlag gegen den Hofprediger Stöcker, von den; sich der Herr nicht so leicht erholen dürfte; er wird aber auch einst einen interessanten Beitrag liefern zur Geschichte der antisemitischen Bewegung. Frankfurt am Main, lieber die bekannte Aeußernng Sr. K. K. Hoheit, des Kronprinzen, in Bezug auf die antisemitische Bewegung wird der „Fkf. Ztg." geschrieben: „In einer im Herbst vor 4 Jahren stattgehabtcn Sitzung der Bietoria-Jnvalidenftiftung unterhielt sich der Kronprinz-mit dem jetzt verstorbenen Stadtrath Magnus über die antisemitische Bewegung, erklärte, das; er dieselbe aufs Tiefste beklage und sie für eine Schmach (oder Schande) für Deutschland halte. Dies waren die prägnantesten Worte der längeren Aeußernng. Stadtrath Magnus theilte dieses Gespräch mehreren Bekannten mit und erklärte, er habe den Eindruck gehabt, daß der Kronprinz die Veröffentlichung dieser Aeußernng wünsche. Man beschloß aber, von der Veröffentlichung so lange Abstand zu nehmen, bis Magnus Gelegenheit gefunden haben würde, die direkte Ermächtigung des Kronprinzen dazu nachzusnchen. Diese Gelegenheit sollte sich bei einem bald darauf stattsindcndcn Wohlthatigkeitskonzcrt in der Synagoge finden, das der Kronprinz zu besuchen versprochen hatte, dort wollte Magnus versuchen, den Kronprinzen um die Erlaubniß der Veröffentlichung zu bitten. Er kam aber gar nicht dazu, denn als er sich anschickte, den Kronprinzen bei dem Konzert zu begrüßen, ries ihm

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