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Der Israelit · 1885-10-22 · Heft 82 (22.10.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 82 (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1390 Einst hat eine Frau das Licht der Welt verlöscht. ein row e'"6n 15, eilt Licht Gottes ist die Seele des Menschen, und Chawah hat dieses Licht zum Verlöschen gebracht, hat der Menschheit den Tod gebracht. Das jüdische Weib aber soll das Sabbatlicht anzündcn, soll Leben, Glück, Freudigkeit, Frieden bringen beim Beginne des heiligen Ruhetages. Sie selbst soll sein das Licht des Hauses. Vor ihrem Sonnenblicke soll die Finsterniß schwinden, wenn schwere Sorge das Auge des Gatten umdunkelt; sic soll die Heimstätte machen zu einem Orte des Friedens und der Behaglichkeit, damit der Gatte nicht auswärts suche die Freude, sondern stets, wenn er draußen ist, sich sehne nach der trauten Heimath, in der die Gattin das Sabbatlicht anzündet. Und Sarah's Licht brannte von einein Freitag-Nachmittage bis zum andern. Wo sie weilte, war immerwährend Licht, Glück, Freude, Behaglichkeit. Die Wolke auf Sarah's Zelt, sie ist angedeutet in den Worten d’j£d nnsa „er wohnt geschützt in Felsenfestung." Glücklich der Gatte eines solchen Weibes! In den Tagen des Glücks schützt sie ihn vor Uebermuth und Thorheit, in den Tagen des Leids tröstet und kräftigt sie ihn und bewahrt ihn vor Verzweiflung. Sie nimmt Theil an seinem edlen Streben und tritt ihm entgegen, wenn er Unrechtes zu thun begehrt. Ihm kann Leid und Kummer nichts anhaben, Reichthnm und Ehre werden ihn nicht zu Uebermuth und Sünde verführen; er wohnt geschützt wie in einer Felsenfestung. O, Ihr edlen, jüdischen Frauen, nehmt unsre Mutter Sarah Euch zum Muster! Wie viel Elend ist in den jüngstverflossenen Jahrzehnten durch die Eitelkeit über zahllose Familien gebracht! Das Glück hebt den Mann hoch, und kleinliche Eitelkeit bemächtigt sich seiner und seiner Lebensgefährttn; sie sehnen sich nach vornehmem Umgänge, machen ein großes Haus, empfangen-Grafen, Fürsten, Künstler in ihren Palästen, und des Herzens Sehnsucht ist, bei Hofe erscheinen zu dürfen. Allmählich schwindet die jüdische Sitte ans dem Hause, die Sabbatruhe wird verletzt, die Speisevorschriften werden nicht mehr beachtet, und das Ende ist der Abfall vom Väterglauben. O, Ihr edlen, jüdischen Frauen, laßt doch die gottgesandte Wolke beschatten Euer Hans; sie bringt Euch mehr Heil als die trügerischen Irrlichter, denen Ihr nachjagt. In unsrer Zeit, in welcher die Sucht vorherrscht, recht viel zu erwerben, um recht viel zu genießen, sind nur zu oft die Frauen es, die das Verderben des Hauses herbeiführcn. Immer weiter greift der Luxus um sich, den günstige Geschäftserfolge ermöglichen. Die Tage folgen einander,. aber sie gleichen sich nicht. Ungünstige Geschäftsverhältniffe treten ein; nicht denkt man daran, die Kosten des Haushalts zn beschränken; der Mann wird zu gewagten Speculationen gedrängt und verliert, was er besitzt. Wenn aber die Herrin des Hauses zugleich eine tüchtige, sorgsame und fleißige Hausfrau ist, wie unsre Mutter Sarah es war, dann ruht der Segen auf dem von ihr bereiteten Brode, dann wird zur rechten Zeit gespart und nicht für Flitter und Tand und tausend überflüssige Dinge verwendet, was später für das Nochwendige ansgereicht hätte. Wie würden sich unsre Winter-Freitag-Abeude gestalten, wenn wir gezwungen wären, im Dunkeln zu sitzen! Die jüdische Religion schreibt das Anzünden der Sabbatlichtcr vor, und die Hausfrau ist damit beauftragt. Noch vergoldet das Sonnenlicht die Spitzen der Bäume, die Giebel der Häuser, da die Frau, die Mutter des Hauses, für die heranbrcchende Nacht sorgt, damit Licht die Dunkelheit erhelle. So soll die jüdische Frau im Hause schalten als ein leuchtendes Licht. Ruhe und Frieden bringt der Sabbat, und die Frau des Hauses sorgt für die Erhellung der dunklen Räume. Und das Licht unsrer Mutter Sarah leuchtete fort, die ganze Woche hindurch. So sollen auch ihre Töchter für alle Zeiten durch liebevolle Sorgfalt, durch den Geist der Milde und Freundlichkeit ihr Licht leuchten lassen, die Dunkelheit erhellen und die Heimstätte der Familie stets zn einer erleuchteten, erfreulichen, beglückenden gestalten. — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin, km October. Nach de» Veröffentlichungen des königl. statistischen Bureaus über die Geburten in Preußen im Jahre 1884 wurden dem Religionsbekentnisse nach 596719 Kinder von evanlischen, 338874 von katholischen nnd 9946 von jüdischen Eltern geboren; 54770 gingen aus evangelischkatholischen nnd 439 aus christlich-jüdischen Mischehen hervor. Berlin, 20. Oct. Der heute in vierstündiger Verhandlung durchgeführte Prozeß des jüdischen Antisemiten S i m o n M a y gegen Prof. Hermann Strack nahm einen sensationellen Verlauf. Jncriminirt war eine Erklärung des Letzteren in der „Post", in welcher dem May seine talmudische Unwissenheit und seine in Plötzensee verbüßte Strafe

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