Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 81 (19.10.1885)
- Date
- 1885-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1378 Nachricht! Unter den Ansgewiesenen, die thcils österreichische, theils russische llnterthanen sind, befindet sich unter Änderen auch ein Barbier, der seit acht Jahren hier ansässig und mit einer Breslanerin verherrlichet ist, imd ein Galizier, besten Anmeldung zum Gewerbe als Weißwaarenhausierer man vor vier Wochen noch ruhig annahm und die diesbezüglichen Steuern kassirte. Die den Ausgewiesenen zugegangene Ordre hat folgenden Wortlaut: „Es wird Ihnen eröffnet, das; Ihnen der Aufhalt in dem diesseitigen Staate fernerhin nicht gestattet werden kann, demgemäß werden Sie aufgefordert, binnen 14 Tagen zur Vermeidung der zwangsweisen Fortschaffung Breslau und das prenß. Staatsgebiet zu verlassen. Der Polizei-Präsident." Selbstredend hat diese neue Maßregelung hier sehr böses Blut gemacht, und zwar nicht nur in Eentrums- und Fortschrittskreisen, sondern auch bei den „Negierungsfrenndlichen", soweit sie von der Maßregel direkt, d. h. auf ihre Tasche, betroffen werden. Wie ich Ihnen auf Grund bester Information versichern kann, sind denn auch der Regierung, dem Oberpräsidenten und dem Polizeipräsidium zahlreiche Schreiben staatsfreundlicher Bürger hiesiger Stadt zngegangen, worin sich diese über die Folgen der Ausweisungen beklage». In den meisten Fällen wird ja der Vermiecher, der einen Russen oder Oesterreicher als Miether hat, von des leideren Ausweisungen viel schlimmer betroffen, als dieser selbst. Die Oberbehörde hat in Folge dieser Klagen und Beschwerden den Beschluß gefaßt, vor der Hand nur die ärmeren Russen und Oesterreicher anszuweisen, den hier fest Angesessenen aber Frist bis zum 1. April zu gewähren oder auf sie die Ausweisungs-Maßregel gar nicht in Anwendung zu bringen. Ein hierauf bezügliches, wesentlich „mildes" Reskript ist vor wenigen Tagen den unteren Organen zugegangen. Bon der Mosel. Zwei Brüder aus Eroev waren vom Amtsgerichte zu Wittlich vorgeladen worden, um am cs» als Zeugen vernommen zu werden. Ein Gesuch um Verlegung des Termines wurde von dem betreffenden Gericht abschläglich beschieden. Dieselben reidjtm mm m Gesuch ein an den Präsidenten des Landgerichts Z« Trier, welcher darauf. die Bcrlcgnng des Termins verfügte und wurde derselbe auf den darauffolgenden Mittwoch verlegt. sb tod vrx Lechenich, 13. Octobcr. Wenn man von einem Gegenstände ein richtiges Bild entwerfen will, so genügt es nicht, die Lichtseiten allein zu zeichnen; erst wenn der Schatten hinzutritt, kann ein gutes, deutliches Bild entstehen. — Um der Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen, will ich zu dem in Nr. 7!» gebrachten Artikel, der über die äußern Gemeinde- Verhältnisse handelt, noch einen kleinen Bericht über die Schattenseiten bringen, der die Berhältniffc innerhalb der Gemeinde beleuchten soll. Wer auf der einen Seite den Eifer betrachtet, durch welchen der Neubau des Gotteshauses veranlaßt und beschleunigt wurde, der wundert sich andererseits über die Gleichgiltigkeit, mit der dieselbe» Gemeindenutglieder vielfach manche religiöse Satzung außer Acht lassen. Ganz besonders gilt dieses von den „Sabbaten und Feiertagen", die nicht in ihrem Volten Werthe gewürdigt werden. Es sind zwar G. s. D. viele Familien hier, die das vierte Gebot als heiliges Erbe vom Berge Sinai betrachten; ober einem andern Theile kommt es auf ro^ ^iSti nicht an, wenn dadurch das materielle, geschäftliche Interesse gefördert wird. Reisen am ms vi', besonders Vergnügungsreisen am rron nnctr, gehören nicht zu den Seltenheiten. Auch so manche Geschäftsreise wird am heiligen Sabbat unternommen, um dem irdischen Gewinne nachzujagen, einen klingenden Erfolg zu erzielen. Bemerkt muß hier werden, daß die Zahl derer, die der letzten Gruppe angehören, rfa mir eine geringe ist. Bedauerlich ist und bleibt dieser Uebelstand jedoch in jeder Weise. — An Belehrung über den wichtigen Punkt, „Beobachtung der Sabbat- und Festtage betreffend"; fehlt es hier nicht. Es ist in letzter Zeit in Folge dessen auch eine, wenn auch schwache. Beffernng darin ciiigctrctcii; aber ganz wird die Jnnehaltnng und genaue Beobachtung des vierten Gebotes noch nicht so schnell erreicht werden können. Vielleicht trugen'diese Zeilen, die den genannten Zweck verfolgen, zur schnelleren Erreichung des Zieles etwas bei. MSSulm.... R u m ä u i e n. Bukarest. Der Unterrichtsmiuister Herr Demetre Stourza setzt seine Vorfolguugen gegen die Juden fort. L0 jüdischen Schülern, die in de» jüdischen Schulen die vier untersten Elementarklaffen mit bestem Erfolg absolvirt hatten, wurde die Aufnahme in Gymnasien oder Handelsschulen verweigert.