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Der Israelit · 1885-10-19 · Heft 81 (19.10.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 81 (19.10.1885)
Date
1885-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1379 unter dem Vorwände, daß sie nicht alle an sie gerichtete Fragen richtig beantworten konnten. Den Directorcn und Lehrern dieser Anstalten hatte der Herr Minister ein vertrauliches.. Schreiben zugehen lassen, bei den Prüfungen den jüdischen Schülern durch möglich viele Ehicanen den (Eintritt in ihre Schulen unmöglich zu machen. Diejenigen isr. Schüler, die trotz alldem ausgenommen werden mußten, werde auf das schrecklichste gepeinigt; weil sie am Versöhnungstag den Unterricht versäumt, wurden sie bestraft und erhielten eine schlechte Betragensnote. Das ministerielle Teeret, welches die Sammlung der Gabella (Gemeinde-Fleischtaxe) verbietet, wird mit aller Strenge gehandhabt. In Folge dieses kommen aus allen jüdischen Gemeinden Klagen, daß sie außer Stande sind die religiösen und wohlthätigen Anstalten zu erhalten. Da Herr Stourza allem Anscheine nach mit seinem Einfalle, durch die auf dein Zwangswege hergestellten Photographien armer Inden einen unangenehmen Eindruck gegen die rum. Juden auf Lord Salisbury hervorzurufen, Fiasko gemacht, suchte er dies auf anderm. Wege zu erzielen. Er lud den englischen Eonsul in Galatz, Herrn Sanderson zu einer Reise uach der Moldau ein, sandte aber zuvor 'den Lokalbehörden telegraphisch den Befehl, dafür zu sorgen, daß vie arme jüdische Bevölkerung in einem möglichst ungünstigen Aussehen erscheine. Doch so schlau ein rumänischer Minister sein kann, ein englischer Eonsnl läßt sich nicht sobald täuschen, und auch dies unsaubere Mittelchen wird Herrn Stourza wenig oder gar nichts nützen. Afrika. Constantiue, 9. Oktober. Bei einem gestern zu Ehren des gewählten opportunistischen Dcputirten gegebenen Punch griff eine Baude von Intransigenten die opportunistische Versammlung an und bewarf dieselbe mit Steinen unter den Rufen: „Tod den Juden!" Die Truppen mußten einschreiten und die Ansammlung zerstreuen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, worauf die Ruhe wiederhergestellt war. Feuilleton. Keyaöilitirl. (5r;ählung voir Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Wahrend Frau Kornfeld nick Adele gemüthlich plauderten, fühlte Rosa ihre Besorgnis; um den Bruder noch immer nicht schwinden. Sie hatte die Mutter nicht auf's Neue beunruhigen, wollen, ihr aber erschien es durchaus nicht wahrscheinlich, daß Eduard statt zu seiner Braut, sich in's Eomptoir begeben habe. Uebcrdies hatte der kleine Fritz ihr mitgetheilt, daß Eduard am Morgen „sehr stark geweint" habe. In ihrer Herzensangst eilte sie, ohne Jemandem davon zu sagen, in das Geschäft, in dem Eduard augcstellt war, und ersuchte einen der jungen Leute, ihren Bruder auf einen Augenblick zu ihr zu schicken. Der junge Mann ging in das Eomptv'ir. kam aber sofort zurück und theilte ihr mit, daß ihr Bruder nicht da wäre. „Er ist heute gar nicht hier gewesen?" fragte das junge Mädchen erbleichend. „Ihr Herr Papa war heute Morgen hier," sagte der Ehef des Hauses hiuzutrctend, „er theilte uns mit, daß Ihr Herr Bruder sich unwohl fühle und deshalb heute nicht kommen könne.". „Mein Bruder war auch unwohl," erwiderte Rosa, „sehr unwohl sogar, wir waren sehr besorgt. Später jedoch fühlte er sich wohler und sagte, er wolle eine befreundete Familie besuchen. Aber er ist nicht dort gewesen. Da meinte nun Mama, daß er, weil er sich wohl gefühlt, doch wohl in's Geschäft gegangen wäre." „Nein, liebes Fräulein," sagte Herr Oehler, theilnahmsvoll das bleiche Mädchen betrachtend, „hier ist Ihr Herr Bruder nicht gewesen." „Mein Gott! mein Gott!" flüsterte Rosa, „wenn ihm nur kein Unglück zugestoßen ist!" „Sie sind allzu ängstlich, was sollte ihm denn widerfahren sein? einem jungen, kräftigen Mann am hellen Tage." „Er war heute Morgen so bleich, so furchtbar bleich. — Ich fürchte sehr, daß er Gott behüte! auf der Straße ohnmächtig geworden und von Leuten, die ihn nicht kannte», irgendwohin gebracht worden ist." „Sie sehen allzu schwarz, Fräulein; Ihr Herr Bruder hat viele Freunde; wenn er bei beni Einen nicht ist, wird er vermnthlich bei dem Andern sein." Rosa schüttelte verneinend das Haupt, während eine Thräne langsam über ihre Wange glitt. „Da Sie so sehr besorgt sind, so würde ich Ihnen, doch empfehlen, Ihren Herrn Papa aufzusnchen und ihm Ihre Befürchtungen mitzntheilen. Oder besser, Sie gehen ruhig , nach Hause, und ich schicke einen meiner jungen Leute auf die Bank und lasse Herrn Kornfeld mittheilen, daß Sie Ihren Bruder hier gesucht haben."

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