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Der Israelit · 1885-10-19 · Heft 81 (19.10.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 81 (19.10.1885)
Date
1885-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1377 v dürfnisscn ,wr Genüge Rechnung getragen werden konnte. Das hat die Gcmüthcr der Ansiedler äußerst erschüttert und cs droht ein förmlicher Zusammenbruch des ganzen Unternehmens." Nur, wenn rechtzeitig Hilfe geleistet wird, so heißt cs weiter, kann derselbe vermieden werden. Die Jerusalemer Missionäre lassen daher ihren Bittruf, sie nicht zu verlassen, in die evangelische Ehristcuhcit ansgehen. „Der Triumph der Inden," so schließt die „Neue Evangelische Kirchenzeitung'," würde, wenn Artus aufgegeben werden müßte, ein außerordentlicher sein: unser evangelisches Ehrgefühl wird cs hoffentlich nicht dazu komme« lassen, daß er sich erheben kann." Mit so inniger Freude uns dieser Bericht von dem kläglichen Fiasko jener schändlichen Scelcnfängcrci erfüllt, so muß er doch auch ein lauter Weckruf an alle unsere Glaubensgenossen sein, in dem großen Liebeswcrkc nicht zu erlahmen, sondern durch unermüdliche Unterstützung des Wunder wirkenden Vereins „Esrath Hanidachim" der Mission im heiligen Lande gründlich das Handwerk zu legen. Berlin, 12. Okt. Der jüdische Antisemit und Rcdacteur de« „Rcichsboten," Dr. — Philadelphia^ Simon May, Fellhändler und Hutmacher a. D., wird — eine seltene Sehenswürdigkeit — Dienstag, den 20. auch einmal als Ankläger, und zwar gegen Pros. Strack, auftretcn. Der wackere Bcrthcidiger des jüdischen Eides hatte Herrn May seine talmndische Ignoranz und seine 4 Wochen Plötzcnsee vorgcworfcn und diesen Frevel soll er büßen. Die Verhandlung verspricht einen interessanten Verlauf zu nehmen. — Das Rabbiner-Seminar hat heute feine Vorlesungen begonnen. Reu cingctrctcn in die Anstalt sind sechs Zöglinge, 3 deutsche und 3 ungarische Abiturienten. — Das von Prof. Hermann Strack hcrausgcgcbenc Missionsblatt „Nathauael" hat zu erscheinen aufgehört. ' Berlin, 12. Oktober. Die hier, erscheinende „Allgemeine Fleischcrzcituug" schreibt: „Der Stadtrath zu Gera muß ans Leuten bestehen, die nicht viel Sorgen haben; soweit sind die Herren nur zu beneiden; aber sic machen sich unnütze Sorgen und werden dadurch ihren Ncbenmeuschen unbequem; das ist schon weniger schön. In Gera hat cs wahrscheinlich bis vor wenig Jahren überhaupt keine Judcngcmeinde gegeben'; in deu letzten Jahren mögen wohl einige sich dort augcsicdclt haben; diese haben nun, da die Juden bekanntlich eine cigenthümliche Manier besitzen, die Thiere zu schlachten, sich einen „Schächter" engagirt, der ihnen dies nach üblichem Ritus besorgen sollte. Die Gerarcr Rathsherren haben vielleicht von diesem Ritus nichts gewußt, und nun kam ihnen die ganze Geschichte sonderbar vor, und sic haben kurzweg das „Schächten" verboten; aber bevor man etwas verbietet, sollte doch selbst ein Rathsherr in Gera sich erkundigen, wie die Sache anderwärts gchandhabt wird. In Berlin, in Paris, in London sind doch die Magistrate am Ende ebenso klug und ebenso human, als in Gera; im ganzen deutschen Vaterlande können die Juden unbeanstandet „schächten;" nur in Gera schlägt dem Stadtrath das Herz für das Rindvieh wärmer als anderwärts. Der wohlweise Stadtrath hätte sich auch erkundigen können, wie die Männer der Wissenschaft über das „Schächten" denken; da hätte er gehört, das; die ersten Autoritäten diese Form des Schlacbtcns als vortheilhaft für Mensch und Thier betrachten; denn Moses*) hat das Schächten nur eingcführt, weil er ein Thicrfrennd war, und weil durch den Schnitt, den ein darauf eingcübtcr Mensch mit haarscharfem Messer in einem Zuge ansführt, das Thier am wenigsten gequält wird; nnd die Menschen kommen gnt dabei fort, weil das Blut bei dieser Schlachtmcthodc rasch abstießt, nnd das Fleisch nicht so rasch verwest, als wenn das Blut in den Adern gerinnt. Man wird doch nicht in Gera geschcidtcr sein wollen, als in der ganzen Welt. Oder sollte am Ende ein bischen Judenhaß in diese Ochscnlicbe hincinspieleu? Das können wir von den aufgeklärten Thüringern nicht gnt glauben. Jedenfalls werden die Inden, die bekanntlich ein zähes Völklcin sind, diesen Bescheid des Senats von Gera nicht ruhig hinnchmen, nnd die Gcraer werden-am Ende doch zur Einsicht kommen, daß die Thicrschntzvereine, welche gegen das „Schächten" eifern, ans einer Mücke einen Elcphantcn machen. Breslau. Zu den Ausweisungen russischer und österreichischer Nntcrthancn aus Deutschland wird dem „Berl. Tagbl." aus Breslau geschrieben : „Während es seit einigen Wochen ans dem Gebiete der Ausweisungen hier ziemlich still war nnd man sich vielfach der Hoffnung hingab, daß die Behörde von der Ausweisung der kaiserlich königlich österreichischen Untcrthancn Abstand nehmen würde, verbreitete sich heute Abend das Gerücht: im „Goldenen Radcvicrtcl", einem namentlich von ärmeren Juden bewohnten Stadttheil, seien heute über H)0 Ausweisungen erfolgt. Leider bestätigt sich diese *) Moses hat daü Schächten nicht eingeführt, weil er ein 3 hierfrcnnd war, sondern weil Eott es so geboten hat. Redaktion des „Israelit."

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