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Der Israelit · 1885-10-19 · Heft 81 (19.10.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 81 (19.10.1885)
Date
1885-10-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1376 freilich nicht mit kleinlichem Zagen und gemächlicher Beschaulichkeit wird man das Ziel erreichen, nein, nur die Bcg eiste rung schafft Großes. Wir haben cs-gesehen, mit welch feuriger Begeisterung und leidenschaftlicher Gluth die katholischen Christen auf der Kanzel, im Parlament, in ihren Versammlungen für ihren Glauben cinzntreten wissen und zu kämpfen verstehen, sie, deren Väter nicht am Sinai gestanden und nicht das göttliche Wort gehört : „Gedenke des Sabbats, daß Tu ihn heiligest:" und wir wollen in die stürmische Sec immer weiter hinein treiben, ohne am Steuer zu stehen und die Gefahr abznwcndcn? In allen Gauen unseres Vaterlandes tvird eifrig für die S o n u t a g s ru h c agitirt, jeder Kaufmann, jeder Handwerker, jeder Taglöhner will seine Ruhe halten; und gerade die jüdische Jugend soll den Sabbat entweihen, die Sabbatruhe verachten lernen, den „Tag des Herrn" nicht feiern dürfend In allen Schichten der christlichen Bevölkerung wird durch eine sog. innere Mission das« gesunkene religiöse Gefühl wieder gehoben, Herz und Sinn zum Glauben wieder cmporgerichtet: und wir sollen cinschlunnnern auf den Lorbeeren der Ahnen, wir sollen eine ruhmreiche Vergangenheit prcisgeben und zu Räubern unserer Zukunft werden? Väter in Israel! Denket daran, das; Ihr ein kostbares Pfand zu verwalten, einen thcnrcn Weinberg zu hüten habet! Denket daran, daß Ihr nicht nur für Euch, für Ene.r Thun und Lassen, sondern auch für Eure Kinder werdet Antwort geben müffen dort, wo jeder Wahn zu Ende geht, wo alle Nebel und Hüllen fallen! Gründet jüdische Gymnasien, daß Eure Kinder es lernen, jüdisch zu denken und jüdisch zu fühlen, das; sie die Gebote ihres Gottes, die Geschichte ihres Volkes erfahren, daß sie einst mit Glaubensstärke und Wissensreichthum gerüstet und gewappnet, als mnthvolle Vcrtheidiger erstehen gegen böse Verleumdung; und daß sie nicht in den reißenden Strudel jener Gleichgiltigkeit und Glaubcnslosigkcit versinken, welche das Todesurtheil unserer Zukunft bedeutet. Glaubensgenossen, gründet jüdische Gymnasien, sei cs durch eine allgemeine Spende, sei es durch den Zusammentritt geeigneter Kräfte. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judent h u m s" hat als ersten Punkt ihres Programms die „Stiftung jüdisch-orthodoxer Anstalten" hingcstellt. Nun möge sie nach ihrer Eonstituirung und, wenn -ihre Basis fest gesichert ist, sich an die Gründung auch nur einer dieser Anstalten heranwagen; schon der Versuch wird als ein ewiges Verdienst ihr verbleiben und ihr Appell wird sicher in den Herzen x aller Gesctzestrcuen einen lauten Widerhall und ein volltönendes Echo finden.*) Als Israel am flammenden Sinai stand, um das ewige Gesetz zu empfangen, und der Gott des Himmels sich der Erde verkündete, um den Glanbcnsbnud mit seinem Volke zu schließen, da verlangte der Herr, wie jener schöne Midrasch erzählt, Büraen für die Erhaltung seiner Lehre. Und nur die Kinder nahm Gott an als diese Bürgen, alles Andere wies er zurück. Tie Kinder sollen bürgen für das Gesetz! Aus altersgrauer Ferne tönt diese mahnende Stilnme durch die Jahrtausende 31t uns herüber in das frischwogcnde Leben der Gegenwart. Und wahrlich, cS ist hohe Zeit, an diese Stimme wieder einmal zu erinnern! Israeliten! Sorget für die Zukunft Eurer Kinder, denn sie werden einst die Bürgschaft antreten müstcn für die heilige Lehre, Zeugniß ablegcn für das göttliche Wort. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, tu. Okt. Die Missionäre in I c r n salc 111 scheinen recht schlechte Geschäfte zu machen. Wenigstens so meldet cs die von Prof. Meßner herausgegebcne „Neue evangelische Kirchenzeitnng." Zunächst theilen nach diesem Blatte die ,Tklings from Zion,“ das von den Missionären der Londoner Judenmission Kelk und Fricdläuder in Jerusalem heransgegebene Organ, in ihrer Jnlinilinmer dieses Jahres mit, das; sie zu erscheinen aufhören und daß das ,.Je\vish Intelligence,“ das Blatt der Londoner Judenmission, hinfort über das Missionswerk in Palästina allein berichten werde. Der letzte Bericht schließt mit der für uns hochcrfrenlichen Nachricht, daß die Missionskolonie Artus, die die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland, Rumänien u. s. w. in ihrem Gebiete aufgenounnen habe, nunmehr an einem „äußerst kritischen Punkte" angelangt sei. Die Bestellung des Landes konnte ans Mangel an Mitteln nur in unzureichendster Weise geschehen. Die Ernte fiel denn auch so kläglich aus, daß nicht einmal den nothwendigsteu Be- *) Anm. der Red. Wir begrüßen eS mit herzlicher > Freude, daß ein anderes jüdisches Blatt — beiläufig, als der vorliegende Aufsatz bereits geschrieben war, — ebenfalls feine wärmsten Sympathien für die Errichtung jüdischer Gymnasien bekundet, ein frohes Zeichen, daß diese brennende Frage in immer weiteren Kreisen imgetheilte Aufmerksamkeit findet.

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