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Der Israelit · 1885-10-19 · Heft 81 (19.10.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 81 (19.10.1885)
Date
1885-10-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1374 Gottes; nur, wenn der Mensch Altes ans Gott bezieht, wird er seinen Mitmenschen gerecht. Gott ist der Schöpfer des Weltalls; wir alle sind Seine Geschöpfe, Gr ist unser Vater, und alle Menschen sind Brüder. Daraus folgt der Begriff der Zcdakah, der in keiner anderen Sprache wicdcrgeben werden kann. Tugend, Gerechtigkeit, Milde, das alles liegt in dem Worte Zcdakah und noch viel mehr. Es ist nicht nur die Gerechtigkeit, die dem Bruder nicht unrecht thnn will, sondern es ist die liebevolle Milde, die sich der Armen und Bedrängten annimmt, welche die grössten Opfer zn bringen bereit ist, um den Mitmenschen Gutes zn erweisen. Dem Begriffe pis steht der Begriff ivr sehr nahe; auch dieses letztere Wort können wir nicht gut übersetzen. ES bedeutet, daß man sich bemüht, milde und liebevoll in seinem Urtheil über die Menschen und in seinem Verhalten zn den Menschen zn sein. Diese beiden hohen Eigenschaften vereinigte Abraham in sich. Wo er es vermochte, that er seinen Mitmenschen Gutes, und Fürbitte legte er ein für die größten Sünder. Aber, wenn er auch der sündigen Menschen sich erbarmte, so verachtete er doch ihr sündiges Thun und ihr durch Sünden erworbenes Gut. Daher wies er die mit Recht erworbene Kriegsbeute zurück, die ans dem Vermögen der sündigen Sedomiten stammte. Wer mitten im Leben steht und viel mit den Menschen verkehren mutz, hat nur zu oft Gelegenheit, verlockende und verführerische Reden zu Horen und gar Manches zu schauen, was die schlummernden Leidenschaften erweckt und zn Unsittlichkeit und Blutschuld zu reizen geeignet ist. Detzhalb soll man sich aber von dem Verkehr mit den Menschen nicht zurückziehcn. So hatte einst Ehauoch gethau; inmitten einer verderbten Welt suchte er die Einsamkeit auf, um nur mit Gott allein zu wandeln. Und Gott nahm ihn hinweg von der sündigen Welt, und Ehanoch wurde ein Engel Gottes. Abraham aber entfloh nicht in die Einsamkeit; er verstand cs jedoch, sein Ohr zn verschließen den verführerischen Mieden, seine Augen abznweuden von allen Verlockungen, und er wurde mehr als ein Engel, er wurde der Begründer des gottcrkorenen Volkes, der Segen der gesammtcn Menschheit. So stieg er gleichsam bis über 7>cn Himmel empor. *0010 y'p-irv ns'DD rfrjn^ mn* r~6j?n Der gewöhnliche Mensch sieht mir das Nächste, und der Augenblick bestimmt sein Handeln; für tvcitc Fernen, für die spate Zukunft hat er keinen Blick; das Allgemeine, kümmert ihn nicht, und nur was ihn selbst oder seine nächsten Angehörigen angeht, hat Interesse für ihu. Je höher der Mensch in geistiger und sittlicher Beziehung steigt, desto weiter wird sein Blick, desto größer wird sein Gesichtskreis. Abrahams Weisheit und Abrahams Wohlwollen umfaßten die ganze Welt. So hoch hob ihn Gott, daß er gleichsam auf die Himmel niederschame, daß er mit seinem geistigen Blicke das Universum umfaßte und für die Gesammtheit strebte und wirkte. Daher lehren die Weisen (siehe (5. 1, dieser Abhandlung): -nx (Cmw nr ,'ncn \*w nti nret : cm» *n „E i n c ist sie, meine Taube, meine vollkommene," das ist Abraham, wie es heißt: Einer war Abraham. Die Philosophen machen einen Unterschied zwischen eins und eins. Es gibt ein Eins, de::: sich ein Zweckes zugesellt, und es gibt ein Eins, das allnmfasiend ist und neben dem kein Zweites existirt. Wenn wir sagen-, ttw '-s, Gott ist Einer, so wollen wir damit sagen, daß ihm kein Zweiter gleichznstellen ist f-? S’arcrt pw rp'Crcfr. In gewisser Beziehung war auch Abraham Einer, in dem Sinne: allumfassend, das ist, das Universum begreifend, gleichsam ans die Himmel hernicderschauend, und daher fügt der weise König zn dem nnx, das ans Abraham deutet, das Wort ’ncri hinzu, welches dieser Vollkommenheit Ansdruck verleiht. Abraham war in seiner Zeit der einzige vollkommeue^Meusch auf Erden. Da er in Gerechtigkeit wandelte, nur sprach, was gut und edel, da er unrecht Gut verabscheute, seine Hände von Bestechung rein hielt, schlimmen Reden sein Ohr, verlockenden Reizungen sein Auge verschloß trcne wn so erstieg er der Erkenntniß Höhe, die ihn hoch über die Menschen auf Erden und über die Engel im Himmel emporhob. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Gymnasien! . 'i}ou Adolf Blumenthal. (Schluß.) Wir kommen zum letzten Punkte, der die Errichtung jüdischer Gymnasien ungestüm fordert, ein Punkt, der die vorangegangenen zusammeugenommenen, weit überwiegt und nicht nur die gesetzestreuen, sondern alle jüdischen Schüler angeht, sofern sic überhaupt noch ans diese Bezeichmmg Anspruch erheben. Es ist der wahrhaft schreckenerregende In disferentis m u s, welchen die Jngend, und zumal die stndirende, gegen die ersten Grundprinzipien unseres Glaubens zur Schau trägt, es-

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