Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 80 (15.10.1885)
- Date
- 1885-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1355 günstigen Boden. Abraham und die Leinen mutzten es bald verlassen; sie kehrten zurück in das Land der Verheißung, und Abraham suchte die Stätte wieder auf, an welcher er bereits den Altar Gottes errichtet hatte und verkündete dort auf's Neue den Name« des Herrn des Weltalls. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Hymnasten! Bo» Adolf PlumciNhal. Berlin, den 23. September. Vor wenigen Wochen berichteten wir von einem Falle, daß ein gcsctzestrencr Oberprimaner an einem hiesigen Gymnasium vom Abiturientcnexamen zurückzutreten sich genöthigt sah, weil eine schriftliche Arbeit auf den Sabbat angesetzt jwurdc. Der Buchstabe es Gesetzes stand auf Seiten des Leh rcrcollegiums, binc Ministcrialverfügung gestattete in deutlichen Worten diese unbegreifliche Rücksichtslosigkeit, eine mühsam errungene Existenz war vernichtet. Ein hochstehender Schulmann hatte das Wort ausgesprochen: „Wir müssen den Trotz der jüdischen Schüler brechen," und alle jene Blätter, welche die Finsterniß auf ihre Fahne geschrieben, stimmten auf der ganzen Linie laute Triumphgcsänge ob des weisen Daniel an. O, die Thoren: welche „Trotz" nennen, was uns heiligste Ucbcrzeugnng ist, welche in ihrer eitlen Verblendung uns in die Acht erklären, weil wir mit eiserner Unbeugsamkeit an denl Vermächtniß der Ahnen festhalten; welche in ihrem stolzen Eigendünkel uns beschimpfen und verhöhnen, weil wir nicht zu Berräthern an uns selber werden, weil wir nicht unser thenerstes Gut so leichten Kaufes hinopfern wollen! Sicherlich wird und kann der vielbesprochene Fall nicht vereinzelt bleiben. Doch wird jeder Gymnasiast den Muth besitzen, allen Versuchungen ein standhaftes „Nein" entgegenzustellen, wird jeder Gymnasiast bereit sein, seine Earriäre auf's Spiel zu setzen, seine Zukunft preiszugeben? Erst beim letzten Abiturientcnexamen griff Hierselbst der Sohn streng religiöser Eltern ohne Wissen des Vaters am Sabbat zur Feder, da er sich vor die Alternative gestellt sah. zurückzutrctcn oder zu schreiben: Böse Beispiele finden leicht Nachahmung, und kann man es schließlich dem unerfahrenen Jüngling verdenken, wenn er zwischen zwei Feuer gestellt, sich am heiß ersehnten, goldenen Ziele wähnt und — den Sabbat entweiht? Mit zwingender'Gewalt tritt die Frage der jüdischen Gymnasien in den Vordergrund, und über kurz oderlang werden wir mit ihr zu rechnen haben. Die Errichtung jüdischer Gymnasien ist eine Lebensfrage nicht nur für das gcsetzestrcue Judenthum, sondern für alle diejenigen, welche nicht wollen, daß ihre Kinder in der Entweihung und Verletzung der heiligsten Religionsvorschriften heranwachseu, für alle, welche nicht wollen, daß ihre Kinder, ihrem Glauben entfremdet, zu Verächtern und Anklägern des eigenen Bekenntnisses werden! Denn nicht allein das Abitnrientenexamen und das Studium vieler jüdischer Jünglinge ist bei der Fortdauer der gegenwärtigen Zustände in Frage gestellt — davon hängt wahrlich das Heil des Jndcnthums liidjt ab — nein, weit kostbarere Güter stehen auf dem Spiele. Allerdings wird Niemand die großen, sehr großen, zumal finanziellen Schwierigkeiten verkennen, mit denen die Errichtung eines jüdischen Gymnasiums verknüpft ist, aber die Gefahren, welche die nichtjüdischen Gymnasien in sich schließen, sind noch weit größer und drängen mit jeden: Tage immer unabweislicher zur Lösung dieser brennenden Erzichnugsfrage hin. Als kleinstes Hebel der nichtjüdischen Gymnasien möchten wir die Nadelstiche bezeichnen, denen die religiösen jnd. Schüler seitens ihrer Herren Lehrer' ausgesetzt sind. Gott sei Dank gehören die Ehikanc gröberer Art in unserem lieben Vaterlande zu den Seltenheiten, wenn auch durchaus nicht zu den Unmöglichkeiten, wie erst die letzten Wochen beweisen, wo Kinder mit Arrest bestraft wurden, weil sic das Verbrechen begangen hatten, am Neujahrsfeste den Unterricht zu versäumen! Es hieße nun, Wasser in's Meer gießen, wollte man all' die kleinen und kleinlichen Liebenswürdigkeiten aufzählen, die gewisse Lehrer religiösen jnd. Schülern tagtäglich zu spenden sich bcmnfsigt fühlen. Bald ist cs eine ironische, witzelnde Bemerkung über die „absurden Gesetze verschollener Zeiten," bald ein höhnisches Lächeln über „den frommen Büßer," bald die geistvolle Frage, ob denn die anderen jüd. Schüler, welche schrieben, Sünder und Verbrecher seien, und' dergleichen Albernheiten mehr. An einem hiesigen Gymnasium pflegt der Ordinarius der Nnterqnarta, ein in der antisemitischen Bewegung bekannt gewordener Herr, die nichtschreibenden jüd.'Schüler Sonnabends ausstchen zu lassen, unterwirft sic dann einem examvn rigorosum und droht ihnen, wenn sie bei ihrem Trotze verblieben, mit den Schrecknissen des Sitzenbleibens u. s. w.; da diese Ehikanc in letzter Zeit einen weiteren Umfang annahmen, beschritt der Vater eines der Knabe» den Weg der Beschwerde und, wie wir hören mit Erfolg. In den oberen Klassen treten an die