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Der Israelit · 1885-10-12 · Heft 79 (12.10.1885) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 79 (12.10.1885)
Date
1885-10-12
Page
– (sequence 23)
Language
German
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15 - r haben jedoch für die bei der Feldarbeit versäumte Zeit eine entsprechende Entschädigung abznliefern. Die Feldarbeit war im vergangenen Jahre eine gemeinsame und der Ertrag floss in eine Kasse. In diesem Jahre jedoch wurde das Land in 72 Theile getheilt, und jeder Colonist arbeitet auf eigene Rechnung. In Folge der vielen Häuserbauten konnte in diesem Jahre nicht das ganze Land bestellt werden, der Ertrag der mit Weizen bebauten 88 Hektar, sowie der übrigen Getreidefelder war ein guter; SO,000 Weinreben, sowie viele Oliven und Fruchtbäume wurden in diesem Jahre angepflanzt. — Jeder Colonist erhielt 2 Stiere oder 2 Pferde, so dass gegenwärtig sich auf der Colonie 90 Stiere und 30 Pferde vorfinden. Sobald die Ställe erbaut sein werden, erhält jeder Colonist noch eine Milchkuh, 3 Schafe und einen Widder. — Zu ihrem Unterhalt empfangen die Familien in Chaifa von Herrn Scheid monatlich 12 Francs pro Person; die in der Colonie arbeitenden Männer 12 Gerusch die Woche und täglich ein Laib Brod. Die Kinder besuchen zum Theil die Schule in Chaifa, zum Theil sind sie bei deutschen Handwerkern dortselbst in der Lehre. Als Vorsteher der Colonie fungirt Herr Juda Wormser, als dessen Stellvertreter Herr Dragur, der von Herrn Scheid mit der Unterweisung der Colonisten in der Baumcultur beauftragt ist. Das Verhältniss zwischen Vorstehern und Colonisten ist ein ausgezeichnetes. Ausser an den Wohn- und Vorrath shäusern, Ställen und Badeanstalten wird gegenwärtig auch an einer grossen Synagoge gebaut. Die Colonie hat einen 2"1V, einen Kinderlehrer, nach der Erbauung des Schullocals soll noch ein zweiter Lehrer angestellt werden; miö ist einer der Colonisten, Herr Horn. Viele der Colonisten standen in ihren Heimathsörtem in hohem Ansehen; viele von ihnen haben grössere Summen, 1—2000 Francs zur Casse des CentralcomitSs selbst beigesteuert. Alle haben genügende Kraft und viel Eifer für die Feldarbeit. (Schluss folgt). Der “T3£n., erfährt aus zuverlässiger Quelle, dass der Widerstand der türkischen Regierung gegen die Aufnahme jüdischer Einwanderer in Palästina, die sich daselbst als Colonisten anzusiedeln gedenken, durchaus nicht auf irgend welcher Abneigung, oder gar auf irgend welcher Feindschaft dieser Regierung gegen die Juden, sondern lediglich in der Erwägung beruhe, dass mit der Aufnahme von Juden, die noch Bürger europäischer Staaten sind, es schliesslich zu politischen Verwickelungen mit diesen Staaten, oder doch zu Unannehmlichkeiten für die Türkei kommen könne. Dies allein ist der Grund ihres abwehrenden Verhaltens. Dagegen würde ihre seit Jahrhunderten bewährte Gastfreundschaft den Juden gegenüber unzweifelhaft auch jetzt noch geübt werden, sobald die jüdischen Einwanderer sich entschlossen, türkische Uuterthanen zu werden. . Dasselbe Blatt weiss aus den Zuschriften bewährter und erfahrener Männer aus Palästina mitzutheilen, dass jede Colonie, auf welcher mit Fleiss und Eifer gearbeitet wird und der es am Anfänge an den nothwendigen Mitteln nicht fehlt, nicht nur nach einiger Zeit unzweifelhaft im Stande ist, sich selbst zu erhalten, sondern auch noch Producte auszuführen; zwei Colonisten auf der Colonie I“I1pn nn2, die mit Geldmitteln versehen waren, ernähren sich jetzt schon reichlich von dem Ertrage ihres Feldes und haben sogar schon einen Export nach europäischen Märkten. Die Redaction des "T3EH., fügt obiger Mittheilung die Warnung hinzu, dass mittellose Einwanderer, die sich als Colonisten niederlassen wollen, vorerst keiner glänzenden Zukunft entgegensehen; sie richten sich zu Grunde, fallen manchmal der Mission in die Hände und verursachen der erhabenen Idee der Colonisation Palästinas unendlichen Schaden. — i

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