Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 79 (12.10.1885)
- Date
- 1885-10-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1342 welcher sich bald mit aller Wärme für die Sache erklärte. Als wir nun der Mitwirkung des Herrn Kimmelmann sicher waren, begaben wir uns, nachdem ich früher noch in Stanislau und an anderen Orten diesbezügliche Anregung gegeben hatte, nach dem in Podolien gelegenen Marktflecken Ulaszkowce, woselbst fast sämmtliche jüdischen Grundbesitzer Podoliens zur Besprechung und definitiven Beschlußfassung versammelt wurden. ES muß hier anerkennend hervorgchobcn werden, daß Herr Diamand die weite und in der Julihitze höchst beschwerliche Reise nicht scheute, um mich mit seinem anregenden Eifer in meiner Mission zu unterstützen. Unsere Sendung hatte beim auch überraschenden Erfolg. Unterstützt von dem für die Sache glühenden Herrn Kimmelmann, welcher sich bereit erklärte, 30 Knaben aufzunchmen, wurden in wenigen Stunden sämmtliche anwesenden jüdischen Oekonomen dermaßen für unsere Intentionen erwärmt, daß 30 derselben sofort erklärten, zusammen 248 Kinder aufzunehmen und sich alle Mühe geben zu wollen, sie zu arbeitsamen Ackerbauern hcranzubilden. Das mit diesen Oekonomen getroffene schriftliche Uebereinkommcn ist aus den Tageblättern bekannt." Frankreich. Paris. Monatsbericht (August) der „All. Jsr. Univ." (Schluß.) Eine Anzahl rumänischer Israeliten, welche nach anderen Ländern Europa's geflüchtet und die Bodencultnr verstehen, haben sich nach Chili begeben, wo die Regierung durch eine Reihe liberaler Maßregeln die Einwanderung von Arbeitern begünstigt. Dadieselben von den Behörden in anfmuntcrndster Weise empfangen wurden, ließen sie ihre Familien Nachkommen. Man kann sich vorläufig noch nicht über das eventuelle Gelingen jener Einwanderung aussprechen; der Versuch, welchen vorläufig circa fünfzehn Familien gewagt haben, ist sehr interessant, jedoch werden zum mindesten zwei bis drei Jahre erforderlich sein, um feststellen zn können, daß derselbe geglückt und es ersprießlich sei, eine nene Auswanderung nach jenem Lande zn unterstützen. (Die Israeliten Marocco's.) Das Ccntral-Comite erhält weitere Berichte über die momentane Lage der maroccanischen Gemeinden des Innern. Es sind neuerdings Mordthaten an den Juden verübt worden; es wird nicht einmal nach den Mördern gefahndet; die ihnen gesicherte Straflosigket wird zweifelsohne neue Verbrechen nach sich ziehen, wenn die europäischen Vertreter in Tanger nicht energisch beim Sultan dahin wirken, daß er dieselben bestrafe.. (Israeliten der Türkei.) Das Central-Comitö hat aus Damascns folgende Mitthcilung erhalten: Einer unserer Glaubensgenossen, Be» Niffim Bclleder, Associe eines Christen, colportirte in den Bergen einige Goldarbeitgegenstände von inländischem Fabrikat. Er trieb diesen Handel schon seit Jahren. Vor vierzehn Tagen verbrachte er die Nacht bei einem Drusen in Gesellschaft seines Affocies. Die Ringe und Reifen hatten die Begierde des Trusen erregt. Am nächsten Morgen verließen die beiden Afsocies das Dorf. Eine halbe Stunde später wurden sie von dem Drusen, der ihnen Gastfreundschaft gewährt hatte, eingeholt. Nach einigen Schritten warf derselbe sich auf unseren Glaubensgenossen, stieß ihn mit dem Dolch nieder, nahm ihm sein ganzes Besitzthum ab und verscharrte ihn an derselben Stelle. Dies ist der Bericht, welchen der Christ wenige Tage nach dem Morde erstattete. ES steckt ein Geheimniß dahinter; der Christ wollte den Namen des Mörders nicht nennen, unter dem Vorwände, daß er die Rache des Drusen und seiner Freunde fürchte. Da man in ihn drang, den Schuldigen anzugeben, ergriff er die Flucht. Die Behörden haben es nicht eilig, sich nach dem Thatorte zu begeben; sie fordern einen Geldvorschuß, um die Untersuchung vorzunehmen. Da die Verwandten des Opfers arnr sind, wird das Verbrechen höchstwahrscheinlich ungeahndet bleiben. (Ackerbauschule zu Jaffa.) Mehrere Israeliten aus Rußland und Rumänien, welche mit zahlreichen Familien nach Palästina einwanderten und in den Ackcrbaucolonien des Landes keine Unterkunft fanden, sind darauf angewiesen, sich durch Handel mib Colportage den Lebensunterhalt zn schaffen. Um ihnen zu Hilfe zn kommen, hat das Central-Comitä beschlossen, an der Ackerbauschule zu Jaffa 10 russiche und rumänische Kinder aufzunchmen, die vornehmlich in diesen Familien ausgesucht würden und denen in der Anstalt eine professionelle oder landwirtschaftliche Erziehung zu Theil würde, die ihnen späterhin ermöglichte, den Ackerbau oder ein Handwerk zu betreiben. Man wird Söhnen von Wittwen den Vorzug geben und werden dieselben bis zum 13. Jahre ausgenommen werden können, obgleich 12 Jahre das äußerste Alter ist, zn welchem nach den Gesetzen der Schule die Aufnahme der Zöglinge festgesetzt ist. Die Zahl der Schüler, welche augenblicklich 40 beträgt, wird also bis auf 50 steigen. Die